Frauenporträt: Pur

Auch mit minimalistischer Ausstattung können sehenswerte Portraits entstehen. Baustrahler, Backpapier und Festbrennweite reichen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Franziska Schäfer).

Kommentar des Fotografen:

Wie unschwer zu erkennen handelt es sich um ein Portrait einer jungen Frau. Enstanden ist das Bild Ende letzten Jahres. In meiner WG haben wir mit Bauscheinwerfern, Backpapier und meinem 50er Nikkor eine kleine Fotosession gemacht. Das ist eines meiner Lieblingsbilder aus dieser Serie. Anschnitte liebe ich, und der kleine Schärfenbereich, der durch das lichtstarke Objektiv möglich ist, verzeiht unspannende Hintergründe und legt den vollen Fokus auf den Ausdruck. Ich mag es sehr und bin über konstruktive Kritik sehr dankbar.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Franziska Schäfer:

Ach, das weckt Erinnerungen. Starker Anschnitt und Ausleuchtung mit Baustrahlern und Backpapier als Diffusoren davor. Okay, ich habe früher stattdessen weiße Bettlaken genommen, aber der Effekt ist ähnlich.

Je nachdem, wie sauber der Weißabgleich eingestellt wird (und der muss bei Baustrahlern sorgfältig eingestellt werden), führt das eher gelbliche Backpapier auch zu einem netten Sepia-Effekt, der in diesem Bild vermutlich deshalb nicht zu sehen ist, da der Farbton nachträglich korrigiert wurde.

Worauf ich aber mit den Baustrahler-Ausführungen hinaus wollte: Auch mit minimalistischer Ausrüstung lassen sich hervorragende Fotos machen. Hier kam sogar die klassische 50mm-Festbrennweite zum Einsatz.

Das Bild lebt vor allem durch das freundliche Lächeln und die funkelnden Augen der portraitierten Frau. Das Funkeln wird teilweise durch die beiden Reflexionen der Baustrahler in den Augen erzeugt, der harte Anschnitt mit starker Beschränkung auf das Gesicht sorgt dafür, dass im Bild kaum etwas anderes zu sehen ist. Ein gelungenes Portrait, was durch die Tonung und die klassische Frisur wirklich zeitlos wirkt. Ich bin sicher, die abgebildete Frau ist stolz, dafür als Modell hergehalten zu haben.

Trotz des Lobes noch zwei kleine Verbesserungsvorschläge. Das Histogramm (siehe Bild unten) zeigt deutlich, dass die Helligkeit gefahrlos angehoben werden kann, dafür aber die Tiefen sichtbar „absaufen“. Gut zu erkennen ist das in der schwarzen Fläche rechts neben der Wange. Wenn das Foto im RAW-Format aufgenommen wurde, dürfte sich da noch etwas Zeichnung retten lassen.

Bild

Der zweite kleine Makel sind die vereinzelt herumfliegenden Härchen. Das hätte entweder beim Shooting durch Kämmen, Bürsten, o.ä. beseitigen lassen oder nachträglich durch etwas Retusche mit Photoshop.

Durch die sehr geringe Tiefenschärfe stört auch die Kette am Hals nicht, sondern erzeugt stattdessen ein sehenswertes Muster. Bei einer etwas größeren Tiefenschärfe hätte ich jedoch geraten, die Kette abzunehmen, damit der Blick länger auf dem Gesicht weilen kann.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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8 Kommentare
  1. Simone Stüwe sagte:

    Ein sehr ansprechendes Portrait. Aber auch mich hat gleich etwas an den Augen gestört, und zwar die deutlich sichtbaren zwei Lichtreflexionspunkte an den Pupillen. Dadurch fehlt einem das vom natürlichen Licht her gewohnte Zentrum, da man sich bei zwei so deutlichen und gleich hellen Punkten nicht für einen entscheiden kann.

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  2. Christian sagte:

    Mal davon abgesehen, daß ich den von Wieland beschriebenen Kritikpunkt nicht nachvollziehen kann, muß ich Herrn Sennhauser absolut zustimmen. Ich würde mich freuen, ein so hübsches Model fotografieren zu dürfen!
    Desweiteren halte ich die Aufnahme für sehr gelungen.

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  3. Peter Sennhauser sagte:

    Aber hallo – ja, die Diskussion schweift ab. Wobei uns die attraktive junge Dame hoffentlich den wie von Swonkie ausgeführt fotografisch relevanten Ausflug und die ophtalmologischen Erklärungen verzeiht.
    Ich bitte trotzdem um grösste Zurückhaltung und den gebotenen Respekt bei Kommentaren über Modelle und fotografierte Personen.

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  4. Christoph sagte:

    Am linken Auge hängt das Lid ein klein wenig (Ptosis), was häufig und meist harmlos ist. Dadurch entsteht der von Wieland beschriebene Eindruck. Wenn man sich die Lage der Lichtreflexe relativ zu den Pupillen bds. ansieht, stellt man jedoch fest, dass beide Augen gleich ausgerichtet sind.
    Ich glaube, die Diskussion über dieses gelungene Foto schweift gerade etwas ab.

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  5. Wieland (blende8) sagte:

    Halt mal das rechte Auge zu (auf dem Bildschirm).
    Das linke Auge schaut nach oben links.
    Das irritiert mich irgendwie sehr.

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  6. Swonkie sagte:

    Schielt die?

    wohl kaum. aber wenn portraits mit teleobjektiven (hier 75mm entspr. kleinbild) aus grösserer entfernung aufgenomen werden als wir normalerweise bei einem gespräch von der person entfernt sind, kann es leicht irritieren. die augen der person sind auf die relativ weit entfernte kamera fokussiert und schauen deshalb fast parallel. wir sehen das gesicht aber in grossaufnhame und sind gewohnt, dass die augen dabei mehr nach innen zeigen, weil unser gesprächspartner normalerweise auf unser gesicht fokussiert das relativ nahe ist.

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