Libellen-Schmetterlingshaft: Geduld und ein gutes Makro

Für Insektenaufnahmen braucht man zweierlei. Viel Zeit/Geduld und ein gutes Makroobjektiv. Denn anders als Blumen lassen sich Insekten nicht so einfach manipulieren – so klein sie sind, manchmal spielen sie einfach nicht mit.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Endres Helbig).

Kommentar des Fotografen:

Ein Libellen-Schmetterlingshaft, welcher sich partout nicht fotografieren lassen wollte. Er wanderte gegen meinen Standort immer um den Grashalm. Als ich ihn dann doch „erwischte“, faszinierten mich die grossen Augen. Ich finde das Foto gelungen, fast schon lustig, was meint ihr?

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Endres Helbig:

Zunächst einmal zu dem, was ich an dem Foto gut finde. Es sieht tatsächlich lustig aus, wie das Insekt da so an seinem Grashalm sitzt. Die langen Fühler allein haben es mir angetan. Endres´ Einsatz einer großen Blende hat auch dafür gesorgt, daß das Insekt von seinem Hintergrund gut abgehoben ist.

Gleichzeitig weiß der Fotograf aber bereits, daß bei diesem Foto Zweifel aufkommen:

Grundsätzlich ist es kein Problem, nur das Insekt an einem Grashalm aufzunehmen – allerdings sieht man hier nicht viel von ihm. Das Insekt wollte sich ja partout nicht fotografieren lassen, und das wird hier sehr deutlich. Im Vordergrund steht nämlich der Grashalm, an dem „zufällig“ der Libellen-Schmetterlingshaft sitzt. Er ist fast komplett zentriert, wodurch das Foto statisch wirkt. Außerdem wirkt das ganze durch die Lichtverhältnisse und dadurch, wie das Insekt aufgenommen wurde, zweidimensional. Ich denke auch, daß das Objektiv hier durch zu große Nähe zum Objekt überfordert wurde. Das tritt in dem leichten Verschwimmen der Details zu Tage.

Ich habe manchmal ebenfalls Momente, in denen ich etwas UNBEDINGT fotografieren muß, und zwar so, wie ich es mir in den Kopf gesetzt habe. Selten kommt dabei etwas heraus, das dem entspricht, was ich fotografieren wollte. Es sind bestenfalls Schnappschüsse, die schnell ad acta gelegt werden. Sollte man deshalb nicht hartnäckig bleiben? Das muß jeder für sich selbst entscheiden. Manchmal kann sich daraus auch der Ansporn ergeben, es nächstes Mal anders zu machen.

Hier noch ein Tipp für weitere Lektüre. In einer der letzten Ausgaben von Aperture waren Fotos der Fotografin Sally Gaul zu sehen; Teile einer Serie, die sie „Crawl“ nennt. Zum Teil handelt es sich um recht einfache Kompositionen, in denen Dinge wie Spinnennetze zwischen Blumen abgebildet sind, zum Teil sind es sehr komplexe Fotos, die man schon fast als „Suchbilder“ bezeichnen muß. Falls Insekten- und Naturaufnahmen weiterhin von Interesse sein sollten, würde ich mir diese mal anschauen. Hier ein Link zu einer Auswahl (leider hat die Fotografin keine auf ihrer Webseite).

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare
  1. Roland Horni sagte:

    Das Foto finde ich zuerst auch einmal „lustig“, wie Sofie Dittmann schreibt. So wie sich das Insekt hinter dem Halm versteckt, könnte man meinen, es treibe Schabernack mit dem Fotografen…

    Ich betrachte das Bild und frage mich, ob es durch eine andere Ausschnittswahl vielleicht etwas ausdrucksstärker geworden wäre. Wenn sich das Insekt so ziert, sich fotografieren zu lassen, kann man ja versuchen, grafisch aus der Situation etwas Gutes zu machen. Zum Beispiel, indem man die Kamera um die eigene Achse schwenkt, sodass der Grashalm eine Diagonale von links unten nach rechts oben bildet und dann den ganzen Ausschnitt so zu wählen, damit der Kopf des Insektes oben rechts ungefähr im viel zitierten goldenen Schnitt zu liegen käme. Ich denke, das wäre doch ein ganz schön-schlicht-grafisches, fast monochromes Bild geworden, wenn auch nicht das, was man ursprünglich wollte?

    Um etwas mehr Plastizität und Tiefenschärfe zu bekommen, hätte ich doch eher eine bis zwei Blenden mehr geschlossen. Durch die doch lange Brennweite von 100mm wäre der Hintergrund sicherlich nicht zu unruhig geworden und wenn schon, hätte ich mit Photoshop nachgeholfen:

    Filter/Weichzeichnungsfilter/Tiefenschärfe abmildern. Dies auf einer neuen Ebene, dann mit einer Ebenenmaske nach bearbeiten.

    Vielleicht viel Mühe, aber was tut man nicht, um ein gutes Bild zu produzieren;-) Das mehr abblenden wäre aber nur möglich gewesen bei völliger Windstille, denn bei Macroaussenaufnahmen nützt das stabilste Dreibein nichts, wenn das Objekt sich im Winde wiegt, und das Komponieren eines weiteren Ausschnitts nur, wenn das Tierchen ebenso geduldig gewesen wäre wie der Fotograf.
    Doch im Kommentar von Endres lese ich, dass die Unschärfe, resp. die Details, beim Skalieren verloren gingen. Dann erübrigt sich oben beschriebenes.

    Danke Dir Sofie, dass Du uns einen Link zu Bildern der Fotografin Sally Gaul beigefügt hast. Die Idee, Insekten so zu fotografieren ist schon speziell. Das Ziel ist hier nicht, das Insekt oder sonst kleine Tierchen möglichst gross darzustellen, sondern wohl, es in seiner natürlichen Umgebung zu zeigen. Man sieht es aber nur, wenn man – in der freien Natur oder beim Betrachten der Fotos – die Augen offen hält. Ob der Serietitel „Crawl“ (kriechen, bummeln, im-schneckentempo – beim Betrachten? – etc.) auf das hinweist?

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  2. Endres Helbig sagte:

    Ich bin ja richtig von den Socken das ihr das Bild noch gefunden habt. Hatte selbst nicht mehr daran gedacht. Danke für die Kritik. In der Tat ist es so das ich das Bild auf dem Heimweg noch „mitgenommen“ habe. Zeit hatte ich nicht wirklich eingeplant.
    Ein Schnappschuss eben. Aaaaaber, die Details sind durch den (dilettantischen?)Verkleinerungsprozess verloren gegangen. Mein Original ist sehr scharf und detailreich. Was sicher auch am Stativeinsatz liegt.
    Das Objektiv in dem Fall,ein Tokina 100 2.8.
    Richtig froh bin ich aber, das es den Haften in unserem Tal wieder richtig gut gefällt. Das war nicht immer so.

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