Foto-Essay: Geschichten konzise erzählen

5 Kommentare
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    Nicolas sagte:

    Lieber Peter,

    vielen Dank für die Kritik. Habe sie gerade durch Zufall entdeckt. Deshalb auch die späte Wortmeldung. Deine stilistische Einordnung des Fotos empfinde ich als Kompliment, denn in der Tat ging es mir um genau diese Ästhetik – bekannte Vorbilder sind z. B. viele Fotos aus dem Studio 54 in den 70er Jahren. Geblitzt habe ich übrigens mit einem SB 600.
    Was den Ausschnitt anbelangt, stimme ich Dir nur teilweise zu: Problematisch ist meiner Meinung auch, der zum Teil „abgeschnittene Kopf“ der Tänzerin im Vordergerund, da sie, zusammen mit dem zu ihr aufschauenden, jungen Mann die Protagonistin ist. Das wirkt etwas gedrungen und hätte nicht sein müssen, wäre ich etwas achtsamer gewesen. Kein Problem habe ich dagegen mit dem abgeschnittenen Bein der rechten Tänzerin, weil dieser Schnitt nicht die Eindeutigkeit der Form beeinflusst. Solche Anschnitte sind meiner meiner Meinung nach nur dann wirklich schlecht, wenn man nicht mehr erkennt worum es sich handelt oder wenn man sich nicht vorstellen kann wie ein Gegenstand oder Körperteil „weitergeht“. Abgeschnittene Glieder findet man doch auch bei guten/berühmten Fotografien haufenweise. Sogar bei Studioaufnahmen. Würde mich sehr interessieren wie Du dazu stehst, denn abgeschnittene Sachen kritisierst Du, wenn ich mich recht erinnere (fast) immer.
    Deinen Quadratischen Bildschnitt finde ich absolut zulässig, wenn man das Foto unbedingt auf den „Blickkontakt“ verdichten möchte. Ich würde das nicht machen, denn ich finde die Bar im Hintergrund und die anderen Köpfe in der rechten Bildhälfte nicht ganz unwichtig, weil sie mir ein Gefühl dafür vermitteln wie groß der Raum ist und was für eine sorte Mensch (ich meine das nicht wertend) sich in dieser Discothek aufhällt. Insgesamt gebe ich Dir aber absolut recht: Die Komposition ist ruppig. Ich habe allerdings einen Faible für „ruppig/rau“. Finde ich spannender als „glatt“. Was ich lernen muss, ist „ruppig“ überzeugend hinzubekommen.

    Beste Grüße
    Nic

    P.s.: Auf die „rückansicht“ und die Körperhaltung der Frau bin ich hier jetzt nicht eingegangen, denn das ist nun wirklich geschmackssache ob man sich von diesem Anblick angezogen fühlt oder nicht. Mir gefällts ganz gut . . .

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    sk sagte:

    Ein Kommentar nur zu der Aussage „Fehlt erst einmal die Reportageintention, fällt auch die fehlende Geschichte als vermeintlicher Makel des Bildes weniger ins Gewicht“. Ich denke, es geht hier um Stil.

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    J.P. sagte:

    Ich teile zwar die von Peter herausgegriffenen Kritikpunkte (abgeschnittener Kopf, halbes Bein, u.s.w.), glaube aber nicht ganz daran, daß der Fotograf hier bewußt einen Reportagestil gewählt und zu diesem Zweck den Blitz eingesetzt hat. 18mm und 3,5er Blende klingt doch zu sehr nach einem Kitobjektiv auf Weitwinkel, mit dem es ohne Blitz oder bei längerem Zoom vermutlich gar kein Bild gegeben hätte. Und eine Langzeitbelichtung auf dem Stativ verbietet sich in einem solchen Umfeld sowieso von selbst. Fehlt erst einmal die Reportageintention, fällt auch die fehlende Geschichte als vermeintlicher Makel des Bildes weniger ins Gewicht. Aus dem Blickkontakt zwischen Tänzerin und Betrachter hätte man zweifellos „etwas machen“ können – aber eben nur, so lange neben dem Kopf des Betrachters (gern etws größer) auch der (vollständige!) Kopf der vorderen Tänzerin abgebildet ist und die Distanz zwischen beiden nicht zu groß wird. Wenn schon Beschnitt, dann bitte ein Hochformat, das zwar den desinteressierten Ellenbogen (Sicherheitsdienst?) ganz links ausblendet, aber dafür die schwungvolle Haltung der Tänzerin nicht auf ein Paar leicht gebeugte Beine reduziert. Wenn man sich mal überlegt, wie ein typischer männlicher Betrachter dieses Bild angeht, landet man – mit Verlaub – beinahe zwangsläufig beim Allerwertesten der vorderen Tänzerin als DEM Blickfang schlechthin. Da Ober- und Unterleib in der selben Richtung gebogen sind, laufen sie quasi wie zwei vertikale Flügel darauf zu. Ein erstaunlicher Balanceakt – noch dazu auf High Heels! Der paillettenbesetzte Minirock assoziiert zudem eine Art Diskokugel. Die erste Tänzerin sticht als hellstes Bildelement hervor, die zweite tritt mit ihrem dunkleren Teint und mangels Blitzreichweite schon deutlich zurück. Sie bildet in einem auf krassen Helligkeitsunterschieden aufbauenden Bild sozusagen den Durchschnitt. Einen weiteren (bewußt abgebildeten?) Kontrast sehe ich zwischen den halb eleganten, halb balancierenden Bewegungen der vorderen und der eher „stämmigen“ Körpersprache der hinteren Tänzerin. Auf jeden Fall stehen beide für ein Querformat zu weit rechts. Die Halle dahinter ist einfach zu dunkel als dass ihre Linien (z.B. die Bögen des Daches) als wirksames Bildelement eingebaut werden konnten. Meiner Ansicht nach ist der Blickfang des Bildes in der Tat zu vordergründig und betont – danach kommt relativ wenig. Man fragt sich, warum die meisten Leute so desinteressiert sind und was sie wirklich beschäftigt, außerdem vielleicht noch, welche Musik gespielt wurde, die zu so unterschiedlichen Tanzbewegungen führt, man mißbilligt u.U. die hässliche Flaschenbatterie – aber das war´s dann schon weitgehend. Für die Romantikerfraktion bleibt immerhin noch der (vermutlich zufällig abgelichtete) Blickkontakt.

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