Hans Peter Jost/Christina Kleineidam: Baumwolle weltweit

Sozial und ökologisch engagierte Fotografie zeigt uns Hans Peter Jost mit seinem globalen Projekt „Baumwolle weltweit“.

Hans Peter Jost: Maili Bougouni 2008

Die Bilder des Schweizer Fotografen Hans Peter Jost sind aktuell in Heidelberg zu sehen. Zusammen mit der Journalistin Christina Kleineidam entstand ein Buch über die Reisen, die globale Baumwollproduktion und ihre Auswirkungen.

Das Jahr 2009 war das Jahr der Naturfasern – ausgerufen von der UNO. Unter diesen ist die Baumwolle die Nummer eins.

Für Hans Peter Jost und Christina Kleineidam war dies Anlass, um über mehr als zwei Jahre sieben Länder zu bereisen, die zu den wichtigsten Baumwollproduzenten weltweit gehören: Brasilien, China, Indien, Mali, Tansania, USA und Usbekistan.

Hans Peter Jost: Brazil 2008

Die Baumwolle gehört zu den wichtigsten und profitträchtigsten Rohstoffen, und ihre Herstellungskette umspannt die gesamte globalisierte Welt. Anbau und Verarbeitung gehen jedoch mit großen ökologischen und sozialen Problemen einher.

Hier zeigen sich die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Unterschiede zwischen den Industriestaaten und den sogenannten Entwicklungsländern. Während die Bauern in Europa und den USA Agrarsubventionen erhalten, um Missernten finanziell ausgleichen zu können, können Kleinbauern in der Dritten Welt kaum das notwendige Geld für Wasser, Dünger und Pestizide aufbringen.

In Indien führte die daraus resultierende Verschuldung gar zu einem Massenselbstmord von Baumwollbauern. Entwicklungsprojekte versuchen, den Anbau von Biobaumwolle zu fördern und den Bauern einen fairen Absatzmarkt zu bieten.

Hans Peter Jost: India 2006

Nicht weniger schwer als die sozialen wiegen die ökologischen Probleme. So gefährdet der Einsatz von Pestiziden beim herkömmlichen Baumwollanbau nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit von Bauern und Erntehelfern.

Auch der große Wasserbedarf der Baumwollpflanzen führt zu ökologischen Katastrophen – wie die der Austrocknung des Aralsees in Usbekistan.

Hans Peter Jost hat all diese Facetten des Baumwollanbaus und der Baumwollverarbeitung in seinen Schwarzweißfotografien festgehalten. Zusammen mit den Reiseberichten von Christina Kleineidam bieten sie einen Einblick in die ethnische, kulturelle und geografische Vielfalt der Welt der Baumwolle und machen die globalen Zusammenhänge vom Produzenten bis zum Konsumenten durchsichtiger.

Hans Peter Jost: China 2007

Hans Peter Jost, Jahrgang 1953, wurde in Zürich geboren und lebt in Italien. Die Website von Hans Peter Jost zeigt neben den Bilder von „Baumwolle weltweit“ auch etliche andere Seiten seiner Arbeit.

Das Buch Baumwolle Weltweit (Affiliate-Link) erschien 2009 bei Lars Müller Publishers in Baden/Schweiz (es gibt eine deutsche und eine englische Ausgabe).

Hans-Peter Jost – Baumwolle weltweit
Bis 6. Juni
Textilsammlung Max Berk / Kurpfälzisches Museum, Brahmsstraße 8, D-69118 Heidelberg
+49 (0)6221-800317, kmh-textilsammlung-max-berk@heidelberg.de
Geöffnet Mittwoch, Samstag, Sonntag 13 – 18 Uhr

Hans Peter Jost
Kurpfälzisches Museum Heidelberg

1 Antwort
  1. Sven sagte:

    Es wird so oft von Wassererbrauch gesprochen. Das Baumwolle oder Kaffee zig Liter bis zur Ernte benötigen ist verständlich, unverständlich bleibt mir jedoch der Carbonprint der die Lasten auf den Verbraucher (bzw. Industrienationen) abwälzt.

    Wasser an sich ist im Überfluß vorhanden, sofern man nicht gegen die Natur z.B. die Grundwasservorräte über jeden Verstand anzapft – was dann auch zum austrocknen eines Aralsees führt. Vielleicht sollte man Wasser endlich als „Rohstoff“ oder „Bodenschatz“ begreifen der auch einen Wert hat und nicht für jedes Vorhaben verschwendet werden sollte.

    Und während z.B. Deutschland seine nicht vorhandenen Bodenschätze importieren muss ist die Überlegung Wasser zu importieren für andere Länder vielleicht auch nicht so abwegig. Auf jeden Fall würde dies Dumpingkosten – unter denen alle zu Leiden haben – auf lange Sicht angleichen.

    Derzeit ist Wasser wie Erdöl vor 80 Jahren – Jeder denkt es ist im Überfluß vorhanden und man kann damit machen was man will, Hauptsache man erziehlt auch nur den geringsten Nutzen aus der freien Verwendung.

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