Sportfoto: Orientierungsloser Skirennfahrer

Sportfotografie setzt ein paar Regeln voraus: Verschlusszeit – Blende – Brennweite. Es fehlt die Motivklingel.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gerhard Buthmann).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild wurde beim Ski Worldcup Garmisch-Partenkirchen 2010 aufgenommen. Es zeigt den Schweizer Carlo Janka beim Abschwung des Riesenslaloms.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Gerhard Buthmann:

Sportfotografie ist mein Steckenpferd, deshalb möchte ich auch kurz etwas zu dem Bild von Gerhard schreiben.

Es ist leichter bei Sportarten, die man selber betreibt, gute Bilder zu bekommen, als wenn man keine Ahnung von Regeln und Ablauf hat.

Nun kann ich zwar nicht Alpinskifahren, wie ich gestehen muss, aber bei diesem Geschwindigkeitssport gibt es doch viele Gleichnisse der Abfolgen und Bewegungsrichtungen wie beim Biken auch.

Und Bildaufbau und Komposition erfolgt ja sowieso meist nach bekannten Regeln.

Von der Aufnahmetechnik her gibt es an dem Bild nichts auszusetzen: Kurze Verschlusszeit, damit der stiebende Schnee noch als solcher zu erkennen ist, und eine Blende von 7,1 bringt auch die nötige Schärfe an den Mann, so dass alle Werbeschriftzüge lesbar sind. Durch die lange Brennweite von 500mm löst sich der Hintergrund dennoch gut in Unschärfe auf.

Da sich hier viel weiß vor weiß abspielt, habe ich mal versucht, dem Bild einen Highkey-Touch zu verpassen.

Doch nun noch der wesentliche Makel, der dieser Aufnahme meiner Meinung nach anhaftet.

Auf dem Foto erkennt man nicht genau, was der Fahrer gerade macht. Aus der Bildbeschreibung geht hervor, dass er wohl gerade bremst. Auch die Richtung der Augen geht in Richtung Bremspunkt, doch erschließt sich erst auf den zweiten Blick und für einen Kenner der Skiszene, denke ich.

Ansonsten fühle ich den Athleten etwas eingeengt im Bild festgehalten. Es fehlt der Raum für die Bewegung. In meinem grob bearbeiteten Bild habe ich dem Rennfahrer etwas mehr Raum gegeben und zwar aus der Richtung aus der er kommt. Nun wirkt die Begrenzung durch das Bild wie eine Barriere vor der er abbremsen muss.

Da ich aber natürlich mal auf Gerhards Webseite nachgesehen habe, sehe ich: Es geht auch anders.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare
  1. Uwe S sagte:

    Könnte es sein, dass der Sportler sich bereits hinter der Ziellinie befindet, und nun bis zum Stillstand abbremst, um nicht in die dichten Reihen der Zuschauer zu knallen? OK, das bleibt reine Spekulation, weil der Fotograf diese an sich interessante Szene nicht aufs Bild gebracht hat.

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    • Swonkie sagte:

      Könnte es sein, dass der Sportler sich bereits hinter der Ziellinie befindet, und nun bis zum Stillstand abbremst, um nicht in die dichten Reihen der Zuschauer zu knallen?

      ja so habe ich das verstanden. während einem rennen sieht kein fahrer so aus – es sei denn er ist aus der spur geflogen – beim bremsen schon. ich weiss zwar nicht was „abschwung“ bedeutet, aber ich denke damit ist das bremsen im zielbereich gemeint.

  2. Swonkie sagte:

    diese „highkey“ variante finde ich ugnlücklich weil viel zu viel zeichnung vom schnee und anzug verloren geht. klar als abstraktes bild kann man so etwas machen. aber das original gefällt mir viel besser.

    vielleicht könnte man versuchen den rechten und oberen bildrand mit einem gradienten aufzuhellen um den selben effekt zu erreichen ohne details im restlichen bild zu zerstören und die farben negativ zu beeinflussen.

    ich stimme aber zu, dass die pose nicht gerade sehr dynamisch und spannend ist.

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    • Matthias sagte:

      Ich schließe mich Swonkie in seinen Ausführungen über die highkey-Variante an. Der Skifahrer wirkt auf mich leicht verwirrt, als wäre er falsch abgebogen und schaut dem richtigen Weg nach. So finde ich den Titel recht passend und die Aufnahme an sich gelungen. Der aufgewirbelte Schnee vermittelt bei fehlender Bewegungsunschärfe die notwendige Dynamik.

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