Andy Spyra: Schlachtfeld Kaschmir

Die schöne Landschaft Kaschmir am Fuß des Himalaya ist nur scheinbar ein Garten Eden, und in Wirklichkeit ein Schlachtfeld, wie uns Andy Spyra zeigt.

Andy Spyra: Ohne Titel, aus derSerie: Kaschmir/Untitled, 2008 - 2009

Schon über 60 Jahre herrscht ein blutiger Konflikt – zwischen Indien und Pakistan, zwischen den Kaschmiren und den indischen Besatzern. Andy Spyras Blick darauf ist subjektiv und teilnehmend.

2007 reiste Andy Spyra das erste Mal nach Kaschmir – und kehrte fasziniert zwei Mal dorthin zurück. Tagelang, wochenlang ließ er sich treiben und anstecken von den Extremen, die das Leben und die Landschaft prägen.

Das Kaschmir-Projekt war für den jungen Fotografen auch die Suche nach seiner eigenen fotografischen Sprache. So schwanken seine Schwarzweißbilder zwischen Information und Emotion, zwischen dem eigenen Erleben und dem, was objektiver Bericht genannt wird. Sie zeigen den Zwiespalt von Krisenfotografie zwischen Nähe und Distanz. Kann ein Fotograf nüchterner Dokumentarist, Bildjpurnalist bleiben oder darf er seine Berührung zeigen?

Andy Spyra: Ohne Titel, aus derSerie: Kaschmir/Untitled, 2008 - 2009

Genau diese Fragen stellte die Kunsthistorikerin Christin Müller dem Fotografen:

Was heißt emotional und subjektiv genau?
Mehr als der nüchterne Nachrichtengehalt eines Bildes interessieren mich die Gefühle und Stimmungen, die transportiert werden können. Ich mag es, wenn Bilder einen gewissen Interpretationsspielraum haben, mehr Fragen stellen als Antworten geben und so den Betrachter einen Moment länger mit dem Bild und dessen Inhalt beschäftigen. Dabei versuche ich jedoch immer darauf zu achten, dass sich meine Bildsprache nicht völlig von einer gewissen Verständlichkeit entfernt, da ich mit meinen Bildern immer noch Menschen erreichen möchte. Das wird schwierig, wenn ich nur noch für Fotografen fotografiere, also „Fotografenbilder“ mache, die aufgrund ihrer Bildsprache kaum noch verständlich oder zugänglich sind.

Wie steht es mit dem Verhältnis von Information und Emotion?

Das eine geht nicht ohne das andere, auch wenn mich mehr und mehr der emotionale Aspekt der Fotografie beschäftigt. Ich möchte, dass die Menschen nicht nur sehen, was ich sehe. Sondern auch fühlen, was ich fühle.

Welche Eigenschaften des klassischen Fotojournalismus übernimmst Du und von welchen grenzt Du Dich ab?

Ich bin Fotograf und bezeichne mich selbst nicht als Fotojournalist, weil ich die Verantwortung, die mit diesem Begriff einhergehen, nicht tragen möchte. Ich behandle fotojournalistische Themen und entferne mich dabei bewusst von den visuellen Grenzen, die mit dieser Art von Berichterstattung verbunden sind, da sie für meine Sichtweise auf die Welt zu eng sind … Mich interessiert statt des „Was passiert gerade?“ mehr die Frage des „Wie fühlt es sich an?“ und wie ich dieses „Wie“ dem Betrachter mit den Mitteln der Fotografie vermitteln kann.

Andy Spyra: Ohne Titel, aus derSerie: Kaschmir/Untitled, 2008 - 2009

Andy Spyras Bilder werden derzeit in der Reihe „Talents“ im Berliner C/O gezeigt. Nachwuchs fördern und ihm eine erste Chance für die Zukunft geben – das ist das Ziel dieser Reihe. Und zwar nicht nur für die jungen Fotografen, sondern auch für die jungen Kritiker, wie in diesem Fall Christin Müller.

Andy Spyra, Jahrgang 1984, begann 2008 sein Studium der Fotografie an der Fachhochschule Hannover. Er verbindet das Fotografieren mit Reisen, die ihn bisher nach Indien, in den Balkan und jüngst in den Nahen Osten führten. Wir sehen diese Projekte auf Andy Spyras Website. Er lebt in Hagen.
Christin Müller, Jahrgang 1983 studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Sie lebt und arbeitet in Leipzig.

Talents 18 – Kaschmir
Andy Spyra / Christin Müller

Bis 25. Mai
C/O Berlin, Postfuhramt, Oranienburger Straße 35/36, D-10117 Berlin
+49 30 28 09 19 25, info@co-berlin.com
Geöffnet täglich 11 – 20 Uhr

Andy Spyra
C/O Berlin

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