Herbstspaziergang: Farbenspiel und Bildausschnitt

9 Kommentare
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    Roland Horni sagte:

    @Peter, nein, ich verstehe Dich schon richtig und begreife, was Du meinst. Ich meine auch das übertriebene „auf Effekt“ hin bearbeiten, z.B. dass ein Sonnenuntergangsbild tiefblutrot erscheint und alle dann: „Wow, was für Farben“! rufen, obwohl ein leuchtendes orange und das nicht einmal Flächen deckend, dem Bild besser täte. Man kann z.B. auch mit einem Polafilter übertreiben, ein fast schwarzblauer Himmel versetzt viele auch ins Staunen.
    Was ich hier noch gelernt habe ist, dass man darauf achten muss, sich nicht missverständlich auszudrücken! Ob es mir jetzt gelungen ist?

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    Roland Horni sagte:

    Danke Sofie für die Kritik meines Bildes. Und für das Zit. des Haikus von Matsuo Bashô, das wohl nicht ganz passt, weil ja dort eben eine den Weg geht… Doch ich sah diesen Weg und ging ihn dann auch noch und ich spürte in mir diese Poesie, die ich aber nicht in entsprechende Worte hätte fassen können. Wohl deshalb entstand das Foto.
    Zu den von Dir gemachten Kritikpunkten kann ich keinem widersprechen. Auch ich hätte eigentlich gerne leuchtendere Farben im Bild gehabt, fuhr dann aber die Sättigung und Luminanz wieder nach unten, da nämlich, wenn ich in Photoshop die Funktion „Farbumfangwarnung“ einschalte, alles sofort grau unterlegt wird. (Was ich aber auch oft ignoriere und dann mit den gedruckten Farben auch enttäuscht werde, das ist aber ein eigenes, umfangreiches Kapitel) Der quadratische Schnitt, den Du vorschlägst, da frage ich mich, wieso ich nicht selber darauf gekommen bin. Wohl wegen dem berühmten Brett vor dem Kopf…. er bewirkt ja genau das, was ich auch gerne erreichen wollte, und das ist, dass die Baumgruppe links im Bild vorne eine Art Torbogen in den Waldweg hinein bildet. Ausserdem befindet sich die Spaziergängerin fast perfekt im goldenen Schnitt. Den beschnittenen Teil kann man gut entbehren, er bringt nichts zum Bildinhalt und Aussage bei. Es gibt aber Bildbetrachter, denen gefällt das Querformat im allgemeinen besser. Du hast mich aber davon überzeugt, dass es nun besser wirkt, Sofie!
    Ich verstehe den Kommentar von Manfredo, sehe es aber doch so relativ wie Peter Sennhauser, dass oft mit ein paar Photoshoptricks Unzulänglichkeiten aufgepeppt werden. Und ich gebe zu, auch ich bin nicht ganz davor gefeit… lasse aber immer wie mehr die Finger davon und lösche lieber ein Bild, als es irgendwie zu pushen. Doch einfach Bilder mit Rauschen, Unschärfe und andern Unzulänglichkeiten zu produzieren, hat sicher nicht viel mit „Back to the roots!“ zu tun.

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      Peter Sennhauser sagte:

      Roland, Du hast mich missverstanden: Ich bin nicht ein Gegner, sondern ein verfechter einer mässigen Bildnachbearbeitung.

      Das ist es aber nicht, was man auf Flickr sieht, sondern heftige, spektakuläre Effekte, angewandt auf mässige oder gar schlechte Bilder – und das finde ich bedauerlich, weil es die Effekte entwertet.

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      @Roland So, wie Du auf Deine innere Stimme gehört hast, als Du das Foto aufgenommen hast, ist es ebenfalls grundsätzlich richtig, das Foto so zu bearbeiten, wie Du es für richtig hältst. Ob es anderen dann auch gefällt, ist in diesem Augenblick für mich Nebensache. Ja, es gibt Regeln, es gibt Richtlinien, wie bestimmte Genres auszusehen haben. Und die sollte man kennen und auch ausprobiert haben, bevor man sie bricht. Aber meiner Erfahrung nach ist der erste Impuls meistens der richtige.

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      @Roland PS. Hatte ganz vergessen, noch etwas zum Thema Farben anzumerken. Farben akurat hinzubekommen war schon ein Thema, als Fotografie noch analog war. Ich habe zwei Bildschirme, einer davon ist in meinem Laptop integriert und nicht kalibrierbar, der andere ist ein älterer, den man allerdings kalibrieren kann (mit Adobe Gamma). Das ist bereits die halbe Miete, weil die Farben nie so gedruckt aussehen, wie sie auf dem Bildschirm erscheinen. Ich weiß nicht, was Deine PS Einstellungen sind, aber ich habe meinen Farbbereich auf „Adobe RGB“ eingestellt. Der Arbeitsfluß geht also ungefähr so: Monitor kalibrieren (dafür gibt es auch sündhaft teure Geräte), Adobe RGB einstellen. Wenn Du selbst druckst (PS sollte in den Einstellungen bestimmen, wie gedruckt wird, nicht der Drucker), mach ein paar Probeabzüge, damit Du weißt, wie Du nachlegen mußt (manchmal sind Farbstiche drin). Viele der besseren Fotodrucker haben ICC-Profile. Allerdings haben die mich bei meinem Epson 2400 nicht weitergebracht. Ich war am Schluß so frustriert, daß ich beinahe das Ding wieder losgeworden wäre. Bis ich ImagePrint entdeckt habe, was ein sogenanntes Color RIP („Raster Image Processor“) ist. Es gibt für schwarzweiß QuadTone, was nichts kostet, aber ImagePrint kostete mich stolze $1000. Das war es mir aber wert, weil jetzt der Drucker in Farbe genau das macht, was ich will (ich kann Dir eine genaue Kritik des Programms liefern, wenn Du möchtest). Für bestimmte Jobs schicke ich die Bilder an ein Profi-Labor, das normale Fotos druckt, für andere an ein anderes, das wunderschöne Giclees daraus macht. Wenn Du mehr Einzelheiten möchtest, schreib mir doch eine Email, dann gehe ich mehr ins Detail. LG, Sofie

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    Manfredo sagte:

    Klar sieht das bearbeitete Foto besser aus. Aber es ist wie beim Kochen mit Aromaten und Ketchup – wenn die Wolken immer dramatisch sind, der Herbst immer superherbstlich ist usw. – der Bezug zur natürlichen Wahrnehmung geht auf die Dauer verloren.

    Ich gucke inzwischen kaum noch Bilder auf flickr und Co, weil es einfach nur noch ermüdend ist, immer die gleichen superperfekten gestylten und aufgepeppten Fotos zu schauen. Viel interessanter finde ich beispielsweise Aufnahmen wie gestern hier vorgestellt (Selbstportrait), die unkonventionell, verstörend, unperfekt und gegen die Regeln sind. Wenn es noch unscharf und verrauscht gewesen wäre, umso besser.

    Back to the roots! :-)

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      Peter Sennhauser sagte:

      Manfredo, mir geht’s zwar ähnlich, aber es spielt ja immer auch eine Rolle, in welchem Genre man sich befindet. Landschaftsfotografie hat nun mal eine sehr spezifische und enge Ästhetik. Was mich auf Flickr & Co stört ist mehr, dass Unzulänglichkeiten häufig mit ein paar dramatischen Kniffen übertüncht werden.

    • Sofie Dittmann
      Sofie Dittmann sagte:

      Ja, das ist tatsächlich eine Sache des persönlichen Geschmacks. Schau Dir doch mal die Arbeiten von Todd Hido an, auf den ich kürzlich gestoßen bin. Er ist aus Kent/Ohio, lebt derzeit in San Francisco und hängt u.a. dort im MOMA. Seine Landschaften sehen z.B. wie Street aus.

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