Gegenlicht-Symbolfoto: Endstation Sehnsucht

Gegenlicht- und andere Extreme lassen sich in der Fotografie hervorragend für Symbolfotos einsetzen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Philipp Koch).

Kommentar des Fotografen:

Güterzug an Endstation. Aufnahme bewusst im Gegenlicht gemacht, um das eigenliche Objekt klar als Silhouette rauszuheben.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Philipp Koch:

Ein Bahnwagen oder eine Lok, von der am rechten Bildrand nur ein kleiner Teil und die Puffer zu sehen sind, die sich gegen den abendlichen Himmel im Hintergrund schwarz abzeichnen, steht einem Prellbock auf der linken Bildseite gegenüber. Die Querformat-Gegenlichtaufnahme ist auf den Himmel belichtet und zeigt das Vordergrund-Motiv nur als Silhouette.

Eine gute Wahl, dieses Motiv im Gegenlicht als Silhouette zu fotografieren.

Deine tiefe Position gegenüber der beiden Objekte sorgt dafür, dass sie sich gut gegen den hellen, aber nicht wolkenlosen und deshalb nicht völlig langweiligen Himmel abzeichnen.

Zugleich bieten sowohl das Fahrzeug rechts mit seinem Geländer, den Kupplungs- oder Bremsschläuchen und den Puffern genügend Details innerhalb der Sihouette, dass man sich das genauer ansehen mag; der Prellbock links dagegen steht just in einem Winkel zur Kamera, der die Konstruktion, die auf Widerstand gegen die Objekte auf den Schienen ausgelegt ist, sehr schön zeigt und das Objekt sofort erkennbar macht.

Mit ihrer relativ eindeutigen, harten und von Details wenig verfälschten Aussage eignen sich solche Fotos gut für Symbolaussagen. Die Reduktion dient der Verstärkung einer einzigen Aussage, die unübersehbar wird. Es ist ein plakatives Stilmittel, das deswegen bei ohnehin starken Symbolwerten verstärkend eingesetzt werden kann.

Hier wird der Widerstand des Prellbocks nicht nur durch die Komposition (die ebenfalls recht aufdringlich und direkt ist), sondern auch durch die Reduktion auf die Schemen der beiden Objekte verstärkt. Man stelle sich das gleiche Bild mit einer Belichtung auf die der Kamera zugewandte Seite des Zugs und des Prellbocks vor – die Aussage wäre wohl kaum mehr fassbar, der Zweck des Bildes nicht mehr sofort zu spüren.

Für meinen Geschmack hättest Du die Belichtungszeit noch stärker auf die Wolken am Himmel einstellen und verkürzen können, um danach die Silhouetten in der digitalen Dunkelkammer durch eine Absenkung der Halblichter erst herbeizuführen.

Auch wenn die Ausbrennung in der Bildmitte noch nicht wirklich stört, hätte eine durchgehende Zeichnung in den Wolken wohl noch einen anderen Bildeindruck erweckt.

Ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob ich nicht die Oberleitung zumindest aus dieser Perspektive aus dem Bild geklont hätte. Man könnte argumentieren, sie zeige einen Weg über den Prellbock auf den Schienen nach links aus dem Bild, aber ich halte sie, vor allem mit dem nur teilweise sichtbaren Distanzhalter, für eine Ablenkung.

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3 Kommentare
  1. Philipp Koch sagte:

    Hallo Peter

    Ich möchte mich hiermit ganz herzlich für deinen Kommentar bedanken. Deine ausführliche, sachlich und fachliche Auseinandersetzung mit meinem Foto bringt mich sehr weiter – Eine solche konstruktive Kritik mit doch positivem Vordergrund motiviert.

    Vielen Dank dafür.

    Philipp Koch

    Antworten
  2. Konrad sagte:

    Gefällt mir sehr gut das Bild !
    Deine gewählte Perspektive wertet die Modtive stark auf. Auch die Aufteilung zwischen Prellbock und Wagon ist stimmig. Einzig allein die Leitungen stören das Gesamtbild etwas. Ansonsten TOP !

    Antworten

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