Schaufelradbagger: Die Story im Bild

Exotische Technik in Schwarz-Weiss, in Verbindung mit Landschaft und Mensch: In diesem Bild steckt alles.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Rosemarie Pawlitte).

Kommentar der Fotografin:

Der größte Schaufelradbagger der Welt ist im Moment in Tagebau Garzweiler eingesetzt. So gut ich konnte habe ich versucht eine Verbindung herzustellen, indem die Kühltürme im Hintergrund zu sehen sind. Reicht das für die Bildaussage “ Einsatz im Tagebau “ – Oder ein neuer Versuch, von einem anderen Standpunkt aus?? Wichtig war mir bei dem Bild auch, dass Grössenverhältnis darzustellen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Rosemarie Pawlitte:

Das Rad eines gigantischen Schaufelradbaggers ist im harten Kontrast einer hoch stehenden Sonne in diesem Schwarz-Weiss Bild zu sehen. Vor dem Schaufelrad steht ein Mann in etwas ratloser Haltung, in Jackett und nicht in einem Outfit, das hierher passen würde. Links hinter dem Schaufelrad sind Kühltürme einer Industrieanlage zu sehen.

Ein Bild, in dem alles drinsteckt:

Eine Geschichte, die Faszination exotischer Technik, das Spektakel eines Monsters und der Hintergrund der Ausbeutung der Welt durch den Menschen – man entschuldige mein Abschweifen.

Ist es Dir gelungen, die Verbindung zwischen Kohelkraftwerk und Schaufelradbagger herzustellen? Mehr als das, finde ich.

  • Erstens handelt es sich um eine faszinierend klare und in der Tonwertverteilung perfekte Aufnahme, die den wahrscheinlich riesigen Kontrastumfang dieser Situation hervorragend abdeckt.
  • Zweitens hat die Aufnahme eine starke Linie, für mich führt sie von oben rechts aus dem Förderband des Schaufelrads dessen Kurve entlang in die Bildmitte – und dort direkt zu dem Mann, der vor dem Monster steht.
  • Drittens steckt in der Aufnahme bei diesem Menschlein, das zwar in Chefkleidung und jedenfalls nicht in Baggerfahrer-Overall hier steht, eine Geschichte: Das Monster steht still, wir wissen nicht warum, es muss sich aber bewegen – man denke sich etwas aus. Das fällt leicht, denn der Mann scheint am Telefon zu sprechen und schaut sich aus einer ganz leicht abgewendeten Position nach dem Bagger um.
  • Viertens haben wir im Hintergrund den passenden Kontext in Form der dampfenden Kühltürme und qualmender Schlote, die wie in einer Chronik aus dem Mittelalter, aber elegant genug in leichter Unschärfe das Umfeld dieser ganzen Maschinerie darstellen.

Hätte man dies Szene noch besser einfangen können? Technisch halte ich das Bild für hervorragend, von der Komposition her ist es etwas gedrängt: Der Mann hat im Vordergrund kaum Boden, die Schlote links haben sehr knapp Platz, und die Schaufeln des Rades passen oben ebenfalls grade noch ins Bild. Auszoomen oder zurückgehen war wahrscheinlich nicht drin, hätte dem Werk aber vielleicht noch einen Zacken mehr gegeben.

Aber die Perspektive, die ist goldrichtig. Nicht nur wegen des Hinter- und des Vordergrunds, sondern auch durch den leicht schrägen Blick auf das sehr imposante und spannende Schaufelrad.

Dass der Himmel die Wattewolken der Kühltürme aufgreift und bis nach vorne wiederholt, ist angesichts der direkten Sonne auf dem Motiv erstaunlich, aber vom Ausdruck her ein weiterer Glücksfall.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

3 Kommentare
  1. Rosemarie sagte:

    Herzlichen Dank Peter für die konstruktive Kritik. Solchen Dimensionen so nah zu kommen, ist schon ein Erlebnis. Wenn das Wetter, ein Sonne/Wolken Wechselspiel sich dazu gesellt, macht sich Sprachlosigkeit breit. Die Gedanken schlagen Purzelbaum…ich kann Dein gedankliches abschweifen sehr gut verstehen.

    Habe das Motiv von einem anderem Standpunkt aus fotografiert. Das Schaufelrad hatte sehr viel mehr Platz, der Kontext allerdings fehlt dazu, die Kühltürme usw. fehlten. Vielleicht finde ich den richtigen Standpunkt noch. Jedenfalls weiss ich nun, Dank Dir Peter, worauf ich achten muss.

    @Swonkie: herzlichen Dank für Deine Anmerkung zu dem Bild. Wie oben schon geschrieben bleibe ich dran und kann möglicherweise dieses gigantische Teil in einem weicheren Licht und einer besseren Komposition hier zeigen.

    @appel: auch Dir herzlichen Dank für Deine Anmerkung. Ja, die Dimension ist schon allerheftigst. Schön, dass da Erinnerungen geweckt wurden in Dir.

    Rosemarie

    Antworten
  2. appel sagte:

    eine wunderbare arbeit.

    durch den gigantischen größenunterschied von mensch und technik, erinnert es mich sehr stark an gullivers reisen.

    lg appel

    Antworten
  3. Swonkie sagte:

    imposantes bild. die kühltürme im hintergrund habe ich überhaupt nicht bemerkt weil der vordergrund so viel zu sehen gibt.

    würde mich sehr interessieren wie das monster bei weicherem licht wirkt.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.