Blitz-Fotografie: Dramatisch aus der Hand geschossen

Spektakuläre Blitzszenarien sind immer ein Augenschmaus und gar nicht so schwierig einzufangen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Markus Maurischat).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild ist spät Abends gegen 23:00 Uhr entstanden als ein Unwetter in der Nähe von Koblenz aufzog. Leider ist dieses exakt an Koblenz östlich vorbeigezogen. Mit einem provisorischen Stativ (Ein Karton und ein Buch auf der Fensterbank) versuchte ich mit meiner Nikon D90 einen oder mehrere Blitze einzufangen, nur leider war das Gewitter viel zu weit weg. Da ich vorher noch nie versucht hatte, Blitze zu fotografieren (vor kurzem erst der Umstieg von Analog Spiegelreflex auf Digital), belichtete ich mit der ‚bulb‘ Einstellung. Herausgekommen ist dabei dieses Bild, dieser Glückstreffer. Nicht nur, dass ich tatsächlich einen Blitz erwischt habe, wenn auch ein wenig dünn, sondern durch die Belichtung sticht die Farbe des Himmels heraus in Kombination mit den Wolken. Hierbei habe ich den Auslöser ca. 5 Sekunden gedrückt und auf gut Glück nach dem Blitz losgelassen. Mit der Blende hatte ich zunächst verschiedene Variationen ausprobiert, entschied mich dann allerdings für einen Mittelwert (11), da ich pro Versuch das Bild nicht länger als 6-7 Sekunden mit diesen Werten belichten wollte. Alle weitere Versuche scheiterten leider, was aber denke ich auch daran lag, dass das Gewitter partout nicht näher kommen wollte…

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Markus Maurischat:

Dein Bild, Markus, hat meiner Meinung nach schon recht gute Ansätze. Zum Beispiel ist es von Vorteil, dass du etwas Landschaft und Gebäude in den Vordergrund eingebaut hast. Diese bilden eine gute Größenreferenz, und die Lichter in und an den Häusern lassen die Szenerie auch nicht nur dunkel erscheinen.

Die Beleuchtung stellt normalerweise einen guten Farbkontrast zum Himmelsblau dar, der hier allerdings etwas durch die ausgefressenen Lichter untergeht. Das warme Gelb des Kunstlichtes bleibt leider auf der Strecke.

Was auch schon ein guter Ansatz war, ist, die Kamera auf ein Stativ oder wenigstens ein Behelfskonstrukt zu stellen. Karton und Buch sind allerdings nicht optimal gewählt, da keines von beiden die Erschütterung des Spiegelschlages auffängt, sondern eher noch verstärkt (Der hoch- und wieder runterklappende Spiegel erschütttert die Kamera). Bei vielen Kameras kann man das übrigens mit „Mirror up“ vermeiden, indem der Spiegel „lange“ vor Öffnung des Verschlusses hoch- und erst danach wieder runtergeklappt wird.

Hier wäre es ratsam, noch einen weicheren Gegenstand unterzulegen. Entweder einen Bohnensack oder einfach einen Schal, Pullover, Tuch etc.. Deinem Bild haftet nämlich ein deutliche Unschärfe an. Diese kann mehrere Ursachen haben:

  • Das manuelle Auslösen auf deinem Hilfsstativ ohne Draht- oder Fernauslöser, mit dem Du selber die Kamera erschütterst;
  • der schon erwähnte Spiegelschlag der Kamera;
  • ein minderwertiges Objektiv, welches an den Rändern zu Unschärfe neigt.

Am Objektiv liegt es hier wohl eher nicht, dafür ist die Unschärfe zu ausgeprägt auf Bewegung zurückzuführen; Der Wolkenhimmel ist dennoch scharf, weil er vom Blitz einen Sekundenbruchteil beleuchtet wurde.

Zu starkes Abblenden fällt ebenfalls aus, da Blende 11 sicher noch sehr nahe an der optimalen Arbeitsblende liegt und keinen optischen Fehler durch Beugung verursacht.

Was kannst du beim nächsten Mal besser machen?

  • Erstens ein besseres Stativ nutzen.
  • Zweitens mittels Fernauslöser auslösen – eine Regel, die man grundsätzlich bei Stativfotografie einhalten sollte
  • Drittens die Spiegelvorauslösung oder deine *live view* Funktion nutzen, die ja auch den Spiegel hochklappt.

Tja, und wenn es

  • viertens am Objektiv liegt,

musst du wissen, wieviel du investieren möchtest.

Entzerrt und aufgehelltIch hoffe auf jeden Fall deine Investition in diese Bildkritik hat sich gelohnt. Ich habe dein Bild etwas entzerrt und mit der Tiefen/ Lichter Funktion bearbeitet.

Noch ein letzter Rat zum Schluss:

Bei Blitzfotografien immer schön in einem Gebäude oder Auto bleiben, damit du noch lange Freude an deinem (Fotografen-) Leben hast!

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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9 Kommentare
  1. Thomas Rathay sagte:

    Ich habe gerade noch mal etwas gelesen:
    „…Wenn man Gewitter beobachtet, so stellt man fest, dass sich Blitze in eingermassen regelmäßigen ABständen zeigen. Diese kann man auszählen und sich mit geöffnetem Kameraverschluss vorbereiten…“
    Kommt mir ähnlich wie bei Meereswellen vor…

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  2. Frank sagte:

    Ich versuche Gewitter nie mit Bulb einzufangen, dafür bin ich zu langsam. In Ruhe pirsche ich mich mit Blende 8-16 an die richtige Zeit ran in „M“ (ISO 100), um dann mit Fernauslöser einfach immer mal wieder abzudrücken und zu hoffen, dass ein Blitz während der Sekunden, die der Verschluss offen ist, sich zeigt. Mit ein bisschen Glück hat man dann am Ende zwischen den 20-30 Bilder wirklich 3-4 hervorragende Blitzbilder. Wenn du erst drückst wenn Du ihn siehst, ist es wohl eher schon zu spät :-)
    Grüße und weiter viel Glück!
    Frank

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  3. Markus sagte:

    Danke danke für die Tipps!
    Meine nächste Anschaffung wird natürlich ein ordentliches Stativ sein, ich schwanke noch zwischen Manfrotto und Cullmann. Und der kabellose Selbstauslöser kost ja nicht die Welt ;)

    Wenn ich dieses Equipment habe und sich nochmal ein Gewitter die Ehre gibt, hört ihr von mir… (vorausgesetzt es wird was).

    M

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  4. Swonkie sagte:

    kleiner hinweis zur D90:
    liveview bringt nichts, weil der spiegel vor dem auslösen runterklappt, dann wieder hoch wie beim normalen auslösen – man hat also sogar noch mehr geklapper.
    dafür hat die kamera eine funktion für spiegelvorauslösung.

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  5. jens sagte:

    ok, bei 6 sekunden belichtungszeit kann ich das mit dem spiegelschlag noch verstehen. allerdings nicht mehr jenseits der 30″. da ist es nicht mehr notwendig, den spiegel vorher weg zu klappen.

    krasse farbe hat der himmel. :-)

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    • Peter Sennhauser sagte:

      Jens:

      ist es nicht mehr notwendig, den spiegel vorher weg zu klappen

      Streng technisch betrachtet stimmt das. Allerdings schadet es meiner Ansicht nach nichts, sich solche Dinge grundsätzlich anzugewöhnen. Für die Schärfe spielt eine kleine Erschütterung bis zum Windstoss bei Langzeitbelichtungen kaum mehr eine Rolle – aber sobald Du Sternstreifen oder fahrende Autos im Dunkeln fotografierst, kommt die Erschütterung der Kamera beispielsweise wieder ins Spiel und macht sich mit hässlichen „Kerben“ in den Strichen bemerkbar.

  6. Schmitz sagte:

    Leider kann man das Foto nicht runterladen, ich wollte es mal in s/w umsetzen. Der falsche Farbstich des Himmels ist für meinen Geschmack einfach entsetzlich.

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    • Markus sagte:

      Ich kann dir das Bild gerne zukommen lassen. Schicke mir einfach eine Mail an mail at maurix punkt net…

      Gruß,
      M

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