Porträt mit Aufhellblitz: Warum einfach, wenn…

In Situationen mit Gegenlicht oder hartem Kontrast durch hohen Sonnenstand lässt sich mit dem Aufhellblitz einiges retten. Besser ist es, solche Situationen zu vermeiden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christian Unterdorfer).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand während eines Ausflugs am Alpsee in Hohenschwangau. Aus dem Spaß am Fotografieren entstand mein „erstes Fotoshooting“ mit diesem Ergebnis. Das Model zu fotografieren war kein Problem, der Hintergrund dagegen schon. Erst in der Nachbearbeitung mit PSE8 konnte ich den Himmel sichtbar machen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Christian Unterdorfer:

Eine Junge Frau sitzt auf einem Felsbrocken vor einem See. Hinter ihr steigt ein Wald den Hang am andern Seeufer hinauf zu den Felsgipfeln der Berge, über denen in einem knallblauen Himmel einige weisse Wolkenfetzen treiben.

Erinnerungsfotos aus Ferienorten und von Ausflugszielen machen es bisweilen nötig, unter suboptimalen Bedingungen zu fotografieren.

Hier hattest Du das Licht der Sonne – laut Exif-Daten um 15/17 Uhr, nach meiner Einschätzung des Sonnenstandes eher näher am Mittag – faktisch senkrecht leicht hinter dem Modell: Das ist ungefähr der ungünstigste Lichteinfall, den es geben kann. Die Schatten sind winzig, der Kontrastumfang riesig und das Licht ist knallhart.

Teile dieser unbefriedigenden Situation lassen sich mit technischen Mitteln überbrücken: Mit einem Reflektor können im Schatten liegende Objekte indirekt aufgehellt werden, oder aber man benutzt, wie Du es hier getan hast, den Aufhellblitz. Das ist dann nicht zu umgehen, wenn Du aus zeitlichen Gründen den widrigen Verhältnissen nicht ausweichen kannst und genau dieses Bild haben willst.

Hier scheint das aber nicht der Fall gewesen zu sein: See und Wald und Berge sind nicht wirklich spannend und einzigartig genug, als dass sich dieses Porträt zu so ungünstiger Zeit aufdrängt. Hättest Du Zeit gehabt, bis zum Abend zu warten, dann hättest Du wahrscheinlich Lichtverhältnisse angetroffen, die weit bessere Porträtaufnahmen erlaubt und das Modell nicht zum Zukneifen der Augen gezwungen hätten; wenn es denn gerade jetzt sein musste, hättest Du das Modell so aufstellen können, dass die Sonne anders einfällt und der Blitz nicht gewissermassen das gesamte aus der Gegenrichtung eintreffende Licht kompensieren müsste.

Der integrierte oder auf der Kamera im Blitzschuh steckende Blitz sorgt hier ausserdem bei der enormen Leistung, die er bringen musste, für Schlagschatten (zwischen den Knien des Modells).

Alles in allem hast Du hier die schlechtesten Verhältnisse gewählt und mit technischen Mitteln ein akzeptables Bild geschaffen. Ich gehe davon aus, dass der Himmel, denn Du, wie Du sagst, im Original nicht sehen konntest, aus den überbelichteten Bildteilen des RAW-Files holen konntest. Weitere Mängel der Aufnahme sind der abgeschnittene Fuss des Modells und die Tatsache, dass der See um fast zwei Grad nach links kippt…

Das fotografische Vorgehen müsste genau umgekehrt sein: Suche die besten Verhältnisse, die schönste Location, das beste Licht, und setz dann genau soviel Technik ein, wie es braucht, um das Bild zu perfektionieren. Dadurch erst erhältst Du Gelegenheit, Dich auf die wesentlicheren Dinge, die Komposition , den Ausdruck, die Aussage zu konzentrieren – die Kriterien, die ein wirklich gutes Bild ausmachen, während die Technik nur eine Voraussetzung ist.

Auch wenn Profis bisweilen mit gigantischen Baldachinen leichte Bedeckung simulieren und darunter mit Strahlern exakt ausgeleuchetet Modelle mitten in eienr Sonnenüberfluteten Strandgegend zu fotografieren: Das sind Konzeptbilder, die nur mit einer ganzen Crew von Helfern zu resultaten führen, die man anders vielleicht ind er Landschaft gar nicht kriegen könnte. Aber unsereins sollte die Technik eher als Hilfsmittel und nur dort anwenden, wo es nicht anders geht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare
  1. Christian Unterdorfer sagte:

    @Swonkie: An HDR hab ich auch schon gedacht, mich aber noch nicht rangewagt. Ich fotografiere erst seit einem Jahr und arbeite noch immer an meiner Technik – und aus solchen „Fehlern“ lerne ich.

    @Peter: Ich denke auch, dass zuerst die Kunst des Fotografierens erlernt sein sollte – und dazu gehört auch die Positionierung eines Models, die Wahl des Hintergrundes und natürlich die richtigen Lichtverhältnisse. Wenn das sitzt, dann ist die Nachbearbeitung nur noch zu „Schönheitszwecken“ notwendig.

    Ich bin mit dem Ergebnis für’s erste mal ganz zufrieden (und das Model auch :-)). Beim nächsten mal wird’s besser werden.

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  2. Peter Sennhauser sagte:

    @Christian: Abgeschnittene Füsse passieren mir auch, das kriegt man wohl nie weg… den Blitz unten links aufzustellen war grundsätzlich wohl genau richtig – das hätte ich auch sehen müssen.

    @Swonkie: Ich glaube nicht an HDR-Porträts. Rein technisch gesehen wär’s zweifellos inzwischen möglich (schnelle Bildfolge, siehe auch hier) – aber an unästhetischen Schatten, knallhartem und Gegenlicht ändert ja auch HDR nicht wirklich etwas.

    Da kommen wir zurück zur Grundsatzfrage: Warum sollte man mit viel Aufwand und einer künstlichen Verdichtung der Kontrastwerte etwas bewerkstelligen, was Abendlicht und bessere Positionierung des Modells harmonisch bewerkstelligen?

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  3. Swonkie sagte:

    ich schliesse mich der kritik an. ich hätte wohl noch versucht die blende aufzumachen um den hintergrund unscharf zu machen und eine bessere freistellung des models zu bekommen. aber eventuell ging das garnicht weil einfach zu viel licht da war (graufilter wäre die lösung).

    vielleicht auch ein fall für ein hdr experiment – 3er serie aufnehmen mit 2 lichtwerten plus / minus und dann am pc experimentieren. keine ahnung wie hdr portraits wirken, aber ich könnte mir interessante effekte vorstellen.

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  4. Christian Unterdorfer sagte:

    Peter, vielen Dank für Deine ausfürliche Kritik.

    Die Bedingungen an diesem See waren nachträglich betrachtet tatsächlich suboptimal. Als Hintergrund um den Felsblock standen ein Busparkplatz, eine Mülltonne und dieser See zur Auswahl. Lezterer schien mir die beste und schönste Variante. Dazu muss ich gestehen, dass mein Fokus zu 95% auf dem Model lag und der Hintergrund sollte nur „nicht schlecht“ sein.
    Der Aufhellblitz (SB-900) stand etwa einen Meter links von mir und hat das Model von unten beleuchtet.
    Den Himmel konnte ich, wie Du sagst, aus der RAW-Datei holen.
    Für den abgeschnittenen Fuss könnte ich mich ohrfeigen (hab ich schon) :-). Das passiert mit leider immer noch.

    Ich fotografiere nun seit einem Jahr und habe Spaß an meinem Hobby und es gibt noch sehr viel zu lernen.

    Nochmals vielen Dank für Deine Kritik und Deine Tips, die ich sehr gerne mitnehme und bei den nächsten Bildern berücksichtige!

    Christian

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