Bewegtkamera-Porträt: Einfühlsam unscharf

Die Aufnahmetechnik kann das Gefühl verstärken, das der Fotograf vermitteln will.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Leoni Huge).

Kommentar der Fotografin:

Dieses Bild ist in s/w aufgenommen worden und der Kontrast noch nachträglich bearbeitet.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Leoni Huge:

Ein klassisches Porträt, was den Ausschnitt und die Pose betrifft. Beides ist sehr gut getroffen. Der Anschnitt richtet sich nach dem Goldenen Schnitt, der hier den Kopf anschneidet und dabei das Gesicht im oberen Drittel platziert.

Die Pose ist zärtlich und verträumt. Durch das absolut reduzierte Setting vor einer weißen Wand und die Aufnahme in schwarz/weiß kann der Betrachter sich auf den Ausdruck des Mädchens konzentrieren.

Eine Sache jedoch ist nicht klassisch gelöst worden:

Damit meine ich die Unschärfe im Bild durch die Bewegung während der Aufnahme. Laut Exif wurde das Bild mit 1/20 aufgenommen. Damit ist die Verschlussgeschwindigkeit ein wenig zu langsam, um das Bild scharf abzubilden. Vielleicht hätte ein Stativ geholfen oder man hätte die Kamera irgendwo aufstützen können.

Wenn denn überhaupt ein scharfes Foto gewollt war. Denn meiner Meinung nach passt die leichte Unschärfe sehr gut zu der romantischen Stimmung der Person. Wichtig ist hier, dass die Verwacklung Teil eines Konzepts gewesen sein könnte, die Stimmung zu unterstützen. Wenn es einfach nur ein Versehen war, das dazu geführt hat, dann ist es ein glücklicher Fehler.

Allerdings scheint hier nicht nur die Bewegung, sondern auch der auf eine grössere Distanz gesetzte Fokus(CD an der Wand im Hintergrund) gesetzt zu sein.

Der Berliner Fotograf Jim Rakete hat mal ein Buch mit Porträts gemacht, bei dem er mit einer unglaublich langsamen Verschlussgeschwindigkeit von 1/8 Sekunde gearbeitet hat.

Bei ihm sind aber alle Bilder scharf -das liegt daran, dass seine Kamera (eine sehr grosse und schwere Plattenkamera) auf einem Stativ stand UND die Personen sehr still halten mussten. Vielleicht mal das nächste mal so probieren und schauen, was die Stimmung besser rüberbringt. Bei einer Spiegelreflexkamera könnte man auch eine bestimmte Verschlussgeschwindigkeit einstellen und Bilder mit immer dem gleichen Verwischungseffekt machen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Christian Gruber sagte:

    Abgesehen davon, das ich die Silberkette diagonal vor der Brust entfernt hätte, und den BH – Träger entweder ganz verdeckt oder bewusst platziert hätte, gefällt die Idee.

    Ob Objekte in einem Bild scharf oder unscharf sind, hängt von mehreren Faktoren ab. Verschlusszeit bei bewegungen, Blende und Fokuspunkt ergeben die gewünschte Tiefenschärfe. Im konkreten Bild war meiner Einschätzung der Fokus auf den Hintergrund, aufgrund des Lichtes die Blende groß, bei dieser Brennweite tippe ich mal auf eine Kompaktkamera, wodurch die Beleuchtung für die Verschlusszeit verantwortlich wird.

    Vielleicht mal das nächste mal so probieren

    Plattenkamera klingt nicht nach einem so preisgünstigen Equipment. DSLR gibts schon für diese Motivsituation ab Größenordnung 400,-

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