Friederike Brandenburg: Zurückgelassenes

Friederike Brandenburg lässt uns Dinge sehen, die dem Vergessen und Verschwinden anheimgegeben wurden: Zurückgelassenes.

Friederike Brandenburg - aus: Zurückgelassen © Friederike Brandenburg

Friedrike Brandenburgs Arbeit wird aktuell im Rahmen der Reihe Talents des Berliner C/O vorgestellt, zusammen mit den Texten der ebenfalls jungen Kunst- und Kulturvermittlerin Sophia Greiff.

„Talents“ präsentiert Fotografen und Kunstkritiker an der Schwelle zwischen Ausbildung und Beruf und mit Friederike Brandenburg und Sophia Greiff ist es bereits die zwanzigste Ausgabe.

Friederike Brandenburg - aus: Zurückgelassen © Friederike BrandenburgEin hellblaues Autodach, verborgen zwischen wild wachsendem Farn und saftig-grünen, schützenden Bäumen. Ein heruntergekommenes Holzhaus in einer verschneiten Landschaft, die ehemals kräftige Farbe der Hauswand stumpf und abgeblättert. Einsam und verwaist, nutzlos und ausrangiert stehen diese Findlinge in weiter Landschaft – an Orten, wo sie nicht hingehören. Friederike Brandenburg geht den Spuren der Zivilisation in einer nur vermeintlich unberührten Natur nach. Abseits der befahrenen Wege, in schattigen Waldlichtungen oder auf weitläufigen, offenen Flächen findet sie menschliche Hinterlassenschaften.

Friederike Brandenburg macht sichtbar, was andere vergessen wollen und aus ihrem alltäglichen Umfeld entfernt haben. Aber die Spuren der Zivilisation sind keine unheilbringenden Boten, die auf die Bedrohung der Umgebung hinweisen. In den Fotografien ist die Natur kein verletztes Opfer – sie ist intakt und vital. Als distanzierter Beobachter der sich verändernden Landschaft eröffnet Friederike Brandenburg in ihrer nüchternen Betrachtung verschiedenste Wege der Ansicht – als nachdrückliche Anregung zur Reflexion über das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt. Zurückgenommen und unaufdringlich dokumentiert Friederike Brandenburg ihre Eindrücke und hebt das visuelle Zusammenspiel der vorgefundenen Objekte hervor.

Ein Auszug aus dem Interview, das Sophie Greiff mit der Fotografin führte:

In Deiner aktuellen Arbeit konzentrierst Du Dich auf zurückgelassene Objekte und menschliche Spuren in der Landschaft. Wie bist Du auf dieses Thema gestoßen? Sind Dir die Artefakte zufällig begegnet oder musstest Du Dich auf eine längere Spurensuche begeben?

Rückblickend würde ich es als längere Spurensuche bezeichnen. Es begann im Jahr 2007 während eines Auslandsaufenthalts in Norwegen. Meine Freundin Denise und ich wollten über die Ostertage mit dem Rucksack die Lofoten nördlich des Polarkreises erkunden. Von allen Seiten war uns von dieser einzigartigen Landschaft vorgeschwärmt worden. Da ich mir vorgenommen hatte, ein neues Fotoprojekt zu starten, aber noch nichts Konkretes im Sinn hatte, fuhr ich allein drei Tage früher los. Angekommen in dem kleinen Fischerort Å, startete ich meine Erkundungstour und stieß auf eine große Ansammlung von Schrott in einem Felsspalt. Das hat mich innehalten lassen und nachdenklich gestimmt. Ich konnte nicht verstehen, wie man sich in einer so atemberaubenden Kulisse so achtlos seines Abfalls entledigen kann. Von dem Moment an war ich sensibilisiert für jeden jeden Schrott, der irgendwo in der Landschaft herumlag. Und wie der Zufall es wollte, traf ich am Abend in meiner Unterkunft einen Fotografen, der für Greenpeace unterwegs war. Wir kamen ins Gespräch und er berichtete von einem Schiffswrack weiter nördlich der geplanten Route. Das ermutigte mich nach weiteren Artefakten in der Landschaft Ausschau zu halten, und ich konnte auch Denise für mein Vorhaben begeistern. Wir waren wie ein Magnet, der einsame Metallgegenstände anzog, nur dass wir uns von ihnen wieder lösen konnten.

Friederike Brandenburg - aus: Zurückgelassen © Friederike Brandenburg

Friederike Brandenburg (Jahrgang 1983) studierte von 2003 bis 2009 Kommunikationsdesign an der Folkwang-Hochschule Essen und an der Kunsthochschule Oslo. Sie lebt und arbeitet in Hamburg. Wir finden die Bilder aus der Reihe „Zurückgelassen“ und noch mehr auf Friederike Brandenburgs Website.

Sophia Greiff (Jahrgang 1982) studierte Kulturwissenschaften in Frankfurt/Oder sowie Kunst- und Kulturvermittlung an der Universität Bremen. Zurzeit arbeitet sie als freie Autorin in Hamburg sowie als Kuratorin und Produzentin für die Online-Fotoplattform Bite!Magazine.

Im Katalog zur Ausstellung setzt sich die Kunst- und Kulturvermittlerin Sophia Greiff mit den Fotografien von Friederike Brandenburg kritisch auseinander. Der Band Zurückgelassen (Affiliate-Link) erscheint im Deutschen Kunstverlag.

Talents 20 – Zurückgelassen
Friederike Brandenburg / Sophia Greiff

Bis 28. September
C/O Berlin, Postfuhramt, Oranienburger Straße 35/36, D-10117 Berlin
+49 (0)30-28 09 19 25, info@co-berlin.com
Geöffnet täglich von 11 bis 20 Uhr

Friederike Brandenburg
C/O Berlin
Bite/Magazine

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