Feuerwerk: Mehr als bunte Kugeln

Feuerwerk ist nicht ganz so schwierig zu fotografieren, wie man meinen könnte. Das Problem besteht darin, insgesamt ein spannendes Bild hinzukriegen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andreas Wenter).

Kommentar des Fotografen:

Jedes jahr im Herbst findet bei uns in Linz / OÖ ein Volksfest mit Eröffnungsfeuerwerk statt. Ich habe von einer Brücke aus das Spektakel fotografiert. Links ist der Vergnügungspark zu sehen und auf der anderen Seite kann man das erleuchtende Gebäude des Kunstmuseums erkennen. Ich setze mich seit einiger Zeit intensiver mit Fotografie auseinander und freue mich über Deine ehrliche Kritik – danke!

Peter Sennhauser meint zum Bild von Andreas Wenter:

Zwei Feuerwerkskörper explodieren in fast totaler Dunkelheit über einem Gewässer. in dem Querformat-Bild sind links und rechts Uferpartien mit erleuchteten Gebäuden zu erkennen, links bei genauem Hinsehen auch ein Schiff.

Grundsätzlich hast Du technisch schon mal richtig auf das Feuerwerk reagiert: Die Blende war nicht zu weit offen, die Belichtungszeit von fünf Sekunden hat gereicht, zwei Raketen abzulichten, und ISO 100 sorgt dafür, dass das Bild nicht körnig gerauscht wird. Die Explodierenden Feuerwerkskörper sind scharf und klar.

Nicht ganz so gut gelungen ist die Abbildung der Umgebung. Zunächst scheinen die Uferpartien leicht verwackelt – Ich gehe davon aus, dass du das obligate Stativ verwendet hast, aber vielleicht hat der Wind es bewegt, oder Du standest auf einer Brücke (die häufig recht heftig schwingen) – jedenfalls ist rechts im Bild klar eine Verwackelung auszumachen.

Das ist hinzunehmen und hier nicht ganz so tragisch, weil die Uferpartien ohnehin nicht sehr gut zu erkennen sind.

Das Problem bei Feuerwerksfotografie ist ohnehin in erster Linie die Komposition. Denn die Feuerwerksspuren allein machen noch nicht in wirklich gutes Bild. Erst im Bezug zur Umgebung kommen sie richtig zur Geltung: Wenn sie sich im Wasser spiegeln, die Zuschauer in gleissendes Licht getaucht und die Stadt im Hintergrund erkennbar ist.

Das ist eine echte Herausforderung – Du hast nämlich keine Zeit zum üben: Gerade bei grösseren Feuerwerken sind die ersten Böller die besten für die Fotografie, weil sich danach der Rauch durch die Luft zieht und namentlich dann, wenn Du gegen den Wind stehst, sich zwischen die Leuchtspuren und die Kamera schiebt.

Für die Vorbereitung solltest Du deshalb einen Standort wählen, der erstens Rückenwind bietet und zweitens möglichst eine spannende Szenerie. Wenn das Feuerwerk am Wasser stattfindet, bieten sich Spiegelungen an, aber es kann sehr vertrackt sein, sich im Vorfeld auszumalen, wie sich das Licht im Wasser spiegeln wird.

Eine zweite Variante ist die Telefotografie eines Feuerwerks, bei dem dann wirklich nur die Explosionen oder sogar nur Teile davon im Bildfeld bleiben – das wäre in meinem Szenarie die Zeit nach den ersten grossen Raketen, die ich mit dem Weitwinkel aufgenommen hätte, wenn der Rauch die Übersicht ohnehin vernebelt.

Was ebenfalls gut wirken kann, sind Aufnahmen vieler Explosionen. Sie lassen sich wie Mehrfachbelichtung bewerkstelligen, indem Du den Verschluss mit dem Fernauslöser via bulb offen behältst und mit einem dunklen Karton das Objektiv abdeckst, um es für die einzelnen Explosionen freizugeben.

Wie gesagt, der Anfang ist gemacht und Du bist auf einem guten weg – aber ein technisch richtig belichtetes Feuerwerk macht leider noch kein richtig gutes Bild.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Andreas Wenter sagte:

    Lieber Peter, danke für die konstruktive Beurteilung. Nächstes Jahr – sofern das Wetter auch mitspielt – werde ich der Bildkomposition noch mehr Augenmerk schenken (ich hab da schon so meine Ideen…) mal sehen!
    Übrigens eine tolle Seite – lg Andreas Wenter

    Antworten

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