Naturfoto: Mohn-Details

Etwas so Alltägliches, dass die meisten Menschen es nicht mal mehr sehen, rückt hier in den Mittelpunkt des Fotos und erweitert damit unsere Wahrnehmung.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Anne Berlin).

Kommentar der Fotografin:

Mich reizte es, den Mohn mal anders als „üblich“ zu zeigen. Besonders gefiel mir jedesmal wieder, wie wunderschön die feinen Härchen der Pflanze im Gegenlicht leuchteten. Dies ließ sich besonders schön im frühen Morgenlicht festhalten, das zudem noch die Pflanzen in ein wunderschönes Licht tauchte. Canon EOS 1000D, 150mm Makro, 1/2000, f 3.2, ISO 200

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Anne Berlin:

Das Motiv ist simpel: Eine Mohnblume im Gegenlicht. Die Farben sind auf Gelbtöne reduziert. Trotz dieser einfachen Zutaten ist es der Fotografin gelungen, ein sehr ansehnliches Bild festzuhalten.

Das liegt vor allem an zwei Punkten:

Erstens hat sie sich die Zeit und Geduld genommen, nach so banalen und naheliegenden Motiven zu suchen, dass sie von den meisten Menschen nicht mal wahrgenommen werden.

Ich gebe zu, dass selbst ich, wenn ich im „Fotografier-Modus“ durch einen Park streife, selten mehr als einen Blick über die feinen Gräser schweifen lasse. Da es vielen Leuten so geht, wirkt das Foto trotz der alltäglichen Pflanzen sehenswert, da wir etwas ganz anders wahrnehmen, als wir es in der Realität tun würden. Das Foto erweitert unsere Wahrnehmung. Genau das zeichnet gute Bilder aus.

Zweitens ist die Komposition sehr harmonisch. Bei minimalistischen Motiven ist es essenziell, dass die wenigen Zutaten genau passend im Bild positioniert werden. Das hat auch Anne Berlin getan.

Das Bild teilt sich entlang einer imaginären Linie, die grob von der linken oberen Ecke zur unteren rechten Ecke reicht. Der Teil oben rechts besteht aus einer großen ruhigen Fläche, der untere Teil wird von den filigranen Gräsern eingenommen, die mit viel Details die Ruhe oben etwas auflockern.

Der Schwerpunkt des Bildes, die einzelne hochragende Mohnblume, ruht gut auf der gedachten Ecke, wenn das Bild längs und quer gedrittelt wird. Durch die Biegung im Stängel wird der Blick erst hoch und dann wieder zurück ins Bild gelenkt. Das Gegenlicht hebt den Mohn vom Hintergrund ab. Ohne diese Lichtstimmung wäre das Bild nur eine matte Momentaufnahme, so hat das Foto Posterqualität.

Einzig etwas störend, aber in der Größe von mir nicht richtig zu beurteilen, ist die Schärfe. Das Bild könnte etwas schärfer sein bzw. die Schärfe hätte etwas genauer auf der hohen Mohnblume liegen können.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Swonkie sagte:

    mich stört der schwache kontrast. alle bildbereiche sind in mittleren bis hellen tönen (das in der kritik verlinkte bild ist ein gutes gegenbeispiel).
    ich habe auch nicht das gefühl dass meine wahrnehmung erweitert wird. dazu ist der anblick zu alltäglich.

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