Konzeptfoto: Gefräßiger Baum

Wenn man mit offenen Augen durch den Alltag geht, kann man auch in seiner unmittelbaren Umgebung auf gute – nein, witzige – Motive stoßen. Wie man sie dann festhält, bleibt dem einzelnen überlassen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Christian Gruber).

Kommentar des Fotografen:

Der gefräßige Baum wird sich mit der Zeit das Schild sicher einverleiben. — Ein Motiv, an dem ich jeden Arbeitstag vorbeifahre, wobei ich schon unzählige Varianten abgelichtet habe. Das Schild ist grob in ca 2,5 Metern Höhe auf dem Baum und ist zu ca 30 Grad in den Baum hinein geneigt. Als Foto mit der vorhandenen (nicht sichtbaren) Straße rechts wird das Schild zu klein. Das Waldstück im Hintergrund ist auch ziemlich konfus. Ich hab bisher etwas am Kontrast und an der Farbstättigung variiert. Als Negativ erscheint es auch nicht uninteressant, bin mal auf die Kritik gespannt.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Christian Gruber:

Sehen lernen ist etwas, was einem keiner wirklich beibringen kann. Über Jahre hinweg muß man sein Auge schulen, und die Belohnung sind dann Fotos, über die andere meistens sagen werden, ein bestimmtes Motiv hätten sie so nie gesehen:

Wo und wie man dieses Motiv dann abbildet, bleibt dem Fotografen überlassen.

David Hurn sagte einmal, Fotografie sei eigentlich sehr einfach, da der Fotograf eigentlich nur bestimmt, wo er steht, und wann er auf den Auslöser drückt.

Ich selbst hatte auch mehrmals solch ein Motiv wie Deinen gefräßigen Baum in meiner unmittelbaren Umgebung, an dem ich mich zur Verwunderung meiner nicht fotografierenden Umgebung regelrecht festgebissen habe. Kompliment, daß Du nicht aufgegeben hast, Dich damit zu beschäftigen.

Diesen Baum haben bestimmt auch andere fotografiert, aber mit Sicherheit wohl eher so als Schnappschuß („Schaut mal, ist das nicht lustig?“). Du dagegen hast Dir intensiv überlegt, wie man das Motiv, das einem zwar spontan ins Auge springt, das aber trotzdem mehrere Darstellungsmöglichkeiten bietet, am besten in Szene setzt. Und genau diese Überlegungen machen einen guten Fotografen aus.

Meines Erachtens hast Du genau das richtige getan und bist näher rangegangen. Baumstamm und Schild sind gut komponiert, und der Wald im Hintergrund ist zwar noch präsent, aber nicht störend.

Was mich stört ist, daß das Bild verschwommen wirkt. Da keine EXIF Daten vorhanden waren, kann ich zu Einzelheiten keine wirklichen Aussagen machen. Ich vermute mal, daß die Verschlußzeit trotz offener Blende etwas zu lang war, oder daß beim Einscannen (Du erwähnst ein Negativ) die Bildqualität gelitten hat.

Anstatt an den Farben noch weiter zu drehen, würde ich hier persönlich erwägen, das Foto in Schwarzweiß zu verwandeln – etwa mit Silver Efex. Da farblich nicht besonders viel passiert in diesem Bild, aber gute Kontraste vorhanden sind, würde es dem Foto meines Erachtens einen gewissen Pfiff verleihen. (Ich sollte hier noch erwähnen, daß ich ein großer Fan von Schwarzweißfotos bin…)

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Kommentare
  1. biffar1 sagte:

    Der gute Matt Hardy hat einmal gesagt: „…beauty can be seen in all things, seeing and composing the beauty in what separates the snapshot from the Photograph.“ Leider (nicht böse sein) sehe ich in deinem Foto weder das eine noch das andere. Vielleicht solltest du es wirklich einmal mit der Licht-Anregung von Swonkie versuchen.

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  2. Berthold Riedel sagte:

    Ich dachte auch spontan an eine Schwarzweißversion. Um das Grün des Schildes zu erhalten evtl. eine colourkeyversion?

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  3. Swonkie sagte:

    ich finds irgendwie unspektakulär. weder licht noch komposition sind spannend.

    wie siehts denn von der seite aus? vielleicht könntest du im detail zeigen wie sich das holz um das schild schlingt. dass da zimmer drauf steht finde ich nicht wichtig, weil es keine besondere pointe hat und die meisten leute ja schon diverse eingewachsene schilder gesehen haben.

    beim licht lässt sich bestimmt noch viel machen. neben schönem natürlichem licht (sonnenuntergang) kann ich mir auch eine dramatische künstliche beleuchtung gut vorstellen mit einem mobilen blitz – evt. bei halbdunkelheit damit es fast wie eine studioaufnahme mit schwarzem hintergrund wirkt.

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  4. Christian Gruber sagte:

    Erstmal danke für das Lob.
    Und sorry, hier die Aufnahmedaten, keine Ahnung wieso die nicht dabei sind: EOS 500d mit EF 50mm 1:1.8 II Objektiv bei 1/800s F 1,8 ISO100 und logisch 50mm.
    Mit Negativ war das digitale Negativ gemeint, bei dem das Schild Rot Schwarz wir, die grünen Blätter werden violett und die Lichtkreise werden schwarz.
    Schwarzweiß gefällt mir insofern nicht, da dann die grüne Farbe des Schildes grau wird (wobei ich sonst auch ein SW – Fan bin).
    Den verschwommener Eindruck habe ich irgendwie auch. Einerseits hat aber das Schild wirklich durch die Witterung gelitten. Andererseits habe ich mittlerweile (Fotozeitpunkt und Einreichen ist schon etwas länger aus) gelernt, das die Offenblende dieses Objektivs nicht so das optimale ist, vor allem in Kombination mit dem Autofokus.

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