Tanzporträt: Unscharfer Schnappschuss

Auch mit einer guten Ausrüstung gilt es, nicht die Komposition zu vernachlässigen und sich zu überlegen, welche Aussage ein Foto haben soll.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dirk Valcke).

Kommentar des Fotografen:

Wilder Tanz am Stand von Tamron – Photokina Köln

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Dirk Valcke:

Dieses Foto ist einer der Gründe, warum ich zu der Fotomesse Photokina in Köln meine Kamera nicht mitnehme. Dabei habe ich die gleiche Kamera/Objektiv-Kombination wie der Fotograf des gezeigten Bildes. Aber sie muss auch richtig eingestellt sein.

Doch bevor wir uns der Technik widmen, betrachten wir lieber mal das Bild. Es ist in der Kategorie „Porträt“ eingereicht worden, erfüllt diesen Anspruch gemäss Definition aber nicht:

Der Charakter oder die herausstehende Merkmale eines Menschen sind nicht Hauptbestandteil (vielleicht nicht mal Bestandteil) des Fotos. Selbst in der Kategorie „Dokumentation“ gäbe es viele Motive, welche das Erleben der Photokina besser symbolisieren könnten.

Deswegen ist unklar, was Du mit diesem Foto bezwecken willst, und das macht das Foto uninteressant. Der Tanz selbst ist ungünstig in Szene gesetzt: Das männliche Modell schaut aus dem Bild raus, das weibliche Modell links dreht der Kamera den Hinterkopf zu und verdeckt außerdem die dritte Person auf der Bühne.

Der große Blitz links passt ebenfalls nicht ins Bild, nimmt gleichzeitig aber zu viel Platz darin ein. Die wuselnden Menschen im Hintergrund machen das Bild unruhig und zeigen auch durch die Kopfrichtungen, dass die Show auf der Bühne nicht so bestaunenswert gewesen sein kann.

Der Hintergrund hätte durch eine andere Zeit/Blendenwahl unschärfer gestaltet werden können. Statt Blende 8 hätte auch Blende 5.6 oder gar Blende 4 gereicht. Damit wäre auch die bei der Belichtungszeit von 1/100 Sekunde auf 1/200 bzw. 1/400 Sekunde verkürzt und damit automatisch der zweite Fehler korrigiert worden: Die Bewegungsunschärfe.

Eine weitere Möglichkeit, den Hintergrund auszublenden, wäre eine tiefere Standposition gewesen, bei der die Kamera höher gerichtet wird und somit mehr Decke statt des Publikums als Hintergrund zu sehen ist.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare
  1. Matthias sagte:

    Das Wesentliche ist eigentlich gesagt worden. Ich denke, mit einem anderen Bildauschnitt, niedrigerer ISO und damit eine Belichtungszeit die nahe der Offenblende Bewegungsunschärfe als dynamisches Bildelement zuläßt, wäre mehr rumgekommen

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  2. Christian Gruber sagte:

    Also wilden Tanz stelle ich mir anders vor. Insbesondere fehlen mir zum Tanz die Füße.
    Wenn du deine Ausrüstung richtig einsetzen willst (mein 3,2MPixel Handyphotofunktion schafft dieses Bild auch), musst du dich vorher informieren, wie die Show abläufen wird, dir einen passenden Platz suchen und warten. Oder eventuell dieselbe Show zweimal ansehen (schätze mal das das kein einmal – Event war).
    Von der technischen Seite reden wir besser nicht, da weis ich nicht wo ich anfangen soll.
    Portrait wäre es geworden, wenn du z.B. den rechten Tänzer vor dem Nebel alleine abgelichtet hättest, wobei dann wieder der wilde Tanz fehlt…

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  3. dmone sagte:

    Auch mit der besten Ausrüstung kann ein „Schnappschuss“ nur zu einem Schnappschuss werden, wenn es denn einer ist. Auf die Idee, ein solches Foto als Porträt einzureichen, wäre ich beim besten Willen nicht gekommen.

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