Nan Goldin: Berliner Leben

Immer wieder lebte und lebt Nan Goldin in Berlin. Die Bilder ihres Berliner Lebens sehen wir nun in – Berlin, wo sonst?

Nan Goldin: Self-Portait in my Blue Bathroom, Berlin 1991, Sammlung Berlinische Galerie © Nan Goldin

Die Berlinische Galerie zeigt 80 ausgewählte Fotoarbeiten von Nan Goldin, die zwischen 1984 und 2009 in Berlin entstanden sind. Dazu gibt es bisher unveröffentlichtes Archivmaterial aus Nan Goldins eigenem Besitz.

Nan Goldins Fotografien sind Bilder ihres Lebens. Die Bilder wirken wie Schnappschüsse und zeigen in Fülle und schwirrender Farbigkeit die „Familie“ Goldins – ihre Freunde, Bekannten und Liebhaber. Mit 14 Jahren verließ sie ihr Elternhaus und lebte in einer Subkulturszene von Drag Queens, Transvestiten und Homosexuellen. Zuerst lebte sie in Boston und ab 1978 in New Yorks Lower East Side. 1991 kam sie durch ein DAAD-Stipendium für ein Jahr nach Berlin und blieb mit kurzen Unterbrechungen bis 1994.

Seither ist sie immer wieder in die Stadt gekommen. Und seit 30 Jahren fotografiert sie für die Erinnerung und Bewahrung, gegen den Verlust. So urteilte die Hasselblad-Jury, die ihr 2007 den „Nobelpreis der Fotografie“ verliehen hatte.

Nan Goldin: Amanda on my Fortuny, Berlin, 1993

Die Berliner Ausstellung zeigt einen Überblick über das, was Nan Goldin während ihrer Aufenthalte verwirklicht hat: Künstlerporträts, Interieurs, Selbstporträts, Stillleben und Straßenszenen geben Einblicke in das Leben einer Bohème. Goldins Fotografien scheinen mit ihrer Schnappschussästhetik keinen Wert auf den sorgfältig komponierten und ausgeführten Farbabzug zu legen. Aber ihre vielen kunsthistorischen Verweise zeigen, dass ihre Fotos nicht ausschließlich aus dem Affekt heraus entstehen. Manche der Stillleben sind durchaus als „klassisch“ zu sehen und offenbaren Goldins sensiblen Umgang mit ihren Sujets.

Nan Goldin: Bloody bedroom in a squatted house. Berlin, 1984

Immer wieder hat sich Nan Goldin auch mit Innenräumen beschäftigt. Ein in ihren Fotografien stets wiederkehrendes Motiv sind leere Betten und Hotelzimmer. Die Städte, die Goldin bereist, finden sich in der Darstellung der bewohnten Hotelzimmer wieder. Sie reichen von pompösen Suiten in teuren Fünf-Sterne-Hotels und heruntergekommenen Absteigen bis zu zerwühlten Matratzenlagern in den WGs der Achtzigerjahre und fein komponierten Settings in ihrem eigenen Apartment. Die Hotelzimmer stehen als Symbol: Viele Menschen bewohnen sie nacheinander, ohne sich je kennenzulernen.

Nan Goldin: Piotr at breakfast, Berlin 1995, © Nan Goldin / Courtesy Matthew Marks Gallery, New York

Die Ausstellung mit Nan Goldin ist ein Highlight des Monats der Fotografie in Berlin. Siehe dazu Modernes Leben, neue Bilder. Die Hasselblad-Stiftung gab damals zur Preisverleihung den bei Steidl in Göttingen erschienen Bildband The Beautiful Smile (Affiliate-Link) heraus.

Nan Goldin – Berlin Work, Fotografien 1984 bis 2009
Bis 28. März 2011
Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, Alte Jakobstraße 124-128, D-10969 Berlin
+49 (0) 30-789 02-600, bg@berlinischegalerie.de
Geöffnet täglich (außer Dienstag) 10 – 18 Uhr,

Nan Goldin bei Wikipedia
Berlinische Galerie

2 Kommentare
  1. Sofie Dittmann sagte:

    tut mir leid das sagen zu müssen, aber nan goldins werke haben mir noch nie gefallen. weiß nicht genau, warum – es ist nicht so sehr das experimentelle, sondern die art, wie sie menschen ablichtet. andere moderne fotografen erfassen leute auch so, aber nicht mit dieser brutalität…

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