Schmetterling in Color-Key: Der abgekämpfte Frühlingsbote

Color-Key-Aufnahmen sind sehr beliebt. Damit sie aber gut wirken, sollten einige Aspekte berücksichtigt werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andreas Tober).

Kommentar des Fotografen:

Eine Aufnahme des „ersten“ Frühlingsboten. Ich bin i-wie ein Fan von Colour-Key-Fotos geworden. Dieses hier entstand für eine Themenaufgabe (Frühlingserwachen). Wie ich finde ein ansprechendes Bild, oder? Was meint ihr?

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Andreas Tober:

Dieses Bild spricht mich als „alten“ Entomologen natürlich an. Neben den Tagfaltern habe ich mich allerdings vor allem mit Nachtfaltern (Spinnern und Schwärmern) beschäftigt. Auf jeden Fall freue ich mich wie du über die ersten Schmetterlinge, die nach der Überwinterung im März oder April an warmen Tagen als Frühlingsboten herumfliegen.

Das ist aber auch ein Problem dieser Aufnahme:

Weil dieser Schmetterling hier als Falter überwintert hat (was nur sehr wenige Arten tun), hat er schon ein „biblisches Alter“. Seine Schuppen sind deshalb abgewetzt und seine Farben leuchten nicht mehr. Schmetterlinge sind am schönsten zu fotografieren, wenn sie erst kurz ausgeschlüpft sind. Dann ist ihr Schuppenkleid am schönsten.

Was mir am Bild aber gefällt ist die diagonale Bildgestaltung. So entsteht ein Dialog zwischen dem Schmetterling in Farbe und der schwarzweissen Umgebung. Ein Fehler, der bei Color-Key-Aufnahmen häufig gemacht wird, ist die meiner Meinung nach zu grosse Darstellung des bunten Bereichs. Dieser sollte nach meiner Erfahrung einerseits sehr leuchtende und klare Farben haben (was hier nicht ganz der Fall ist), andererseits auch klein sein. Durch die leuchtenden Farben bekommt dieser Teil des Bildes ein so grosses Gewicht gegenüber dem zurückhaltenden schwarzweissen Bereich, dass bei einer zu grossen Fläche das Bild nicht mehr im Gleichgewicht ist.

Ein Color-Key-Bild hat somit zwei unterschiedlich zu bearbeitende Teile: Das farbige Motiv sollte in möglichst schönen satten Farben gezeigt werden, während der schwarzweisse Bereich eher zurückhaltend und kontrastarm sein darf. Bei diesem Bild wirkt der schwarzweisse Teil eher zu kontrastreich.

Fazit: Mir gefällt die Grundidee mit dem Schmetterling sehr gut, auch die Gestaltung überzeugt, hingegen kann der Schmetterling selbst seine Schönheit hier nicht zeigen und wirkt farbig zu dominant im Bild.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort

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  1. […] fast konterkariert wird. Außerdem kann ein Color-Key-Effekt durch übertriebenen Einsatz schnell kitschig oder peinlich wirken.Beim Foto von Lars Röglin passt der Effekt jedoch erstaunlich gut.Das hat mehrere Gründe. Fangen […]

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