Schneelandschaft:
Klassische Landschaftsmalerei

Ein Bild wie aus der klassischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhundert. Diese sehr schöne Gestaltung könnte noch etwas optimiert werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gerd Dörfler).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen letzten Winter. Das Bild sollte die Kälte und Trostlosigkeit des Winters verdeutlichen.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Gerd Dörfler:

Die Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts (zum Beispiel der Luzerner Maler Robert Zünd) hielten sich bei der Bildkomposition an klare Regeln, die die Akademien formuliert hatten.

Eine dieser Regel besagte, dass im Zentrum des Bildes ein Weg oder eine Wasserstrasse, möglichst leicht geschwungen oder S-förmig, in die Tiefe führen sollte.

Dadurch erhält das Bild eine grosse Tiefenwirkung und die starke geometrische Form wirkt als starkes gestalterisches Element.

Das ist dir bei diesem Bild auch sehr gut gelungen. Die dunkle Fahrbahn wirkt ausgesprochen plakativ und wirkungsvoll. Du hast eine geschickte Brennweite gewählt, die die Strasse im Vordergrund sehr breit, nach hinten dann schnell schmäler werdend zeigt. Als grafische Form könnte die Strasse auch Sinnbild für den Strassenverkehr eingesetzt werden. Der tiefe Horizont betont die Grösse des Baumes im Vordergrund und den kalten Winterhimmel und gibt dem Bild eine grosse Weite. Z

usätzliche Blickpunkte bilden die beiden einzelnen Bäume, die einen wichtigen Grössenbezug liefern. Die Illusion einer einsamen Landstrasse wird allerdings durch die beiden seitlich angeordneten Windschütze etwas gestört. Diese wollen nicht so gut zur Szene passen. Auch das nach hinten Kippen des vorderen Baumes passt nicht ganz zu dieser sonst sehr strengen Komposition. Ich habe mal versucht, das bei meiner Variante zu korrigieren.

Perspektivenkorrektur angewandt.

Was meiner Meinung nach aber nicht ganz gelingen will, ist die Vermittlung der Kälte und Trostlosigkeit des Winters. Dazu sollte die Fahrbahn eigentlich mit einer dünnen Schicht Schnee bedeckt sein. So wirkt das Bild zu „warm“, denn der Betrachter weiss, dass die Sonne genügend stark oder die Temperatur genügend hoch ist, um den Schnee zu schmelzen.

Fazit: Eine sehr gekonnte Bildgestaltung, die noch in kleinen Bereichen verstärkt werden könnte und eine schöne Bildstimmung, die aber nicht ganz die Zielsetzung (Kälte und Trostlosigkeit) erreichen kann.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Antworten
  1. Zurmühle Martin says:

    Eure Anmerkungen sind berechtigt. Der schräge Baum wirkt dynamischer und betont die Bewegung. Der gerade Baum wirkt ruhig und statisch. Je nachdem, was man aussagen möchte (Ruhe und Einsamkeit oder Dynamik und Bewegung), ist die eine oder andere Variante besser. Dass der schräge Baum durch die Linie der Straße optisch gerade wird, sehe ich so nicht, zumal der hintere Baum gerade steht und so eine Bezug schafft.

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  2. schüttelbirne says:

    Die klassischen Maler im 19. Jahrhundert haben sich auch an eine andere Regel gehalten! Sie erkannten, dass (zb. ein ins Lot gelegter Pfahl, oder ein Baum! ) der auf einem schrägen Boden steht, für das Auge unangenehm wirkt und und so den blick auf sich zieht. Bei diesem Bild sehe ich die gleiche Wirkung, wenn der Baum mit der Strasse “mitläuft“ ist er unauffällig, senkrecht wirkt er zu stark in Szene gesetzt und stehlt der Strasse die Show.

    Ein mögliches beispiel:

    (Die horizontale Linie des Weins sticht einem schnell ins Auge (

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  3. Blue says:

    Die perspektivisch korrigierte Version erscheint mir zu glatt und langweilig. Die Neigung des Baumes durch die Verzerrung bringt für mich Dynamik ins Bild und lässt geradezu einen Sog zur Straße entstehen – das ist klasse! Und wird durch ein Graderücken zerstört. Von daher m.M.: so lassen!
    Grüße

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  4. Esther Bachmann says:

    … zu warm – oder zuviel Salz, was für mich wieder eine gewisse Trostlosigkeit ausdrückt, es wird immer gleich gegen die weisse Pracht gekämpft…

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