Krimiszene: Der Paparazzo und die Security

Wenn Verwackelung richtig eingesetzt wird und zum Motiv passt, kann sie ein gestalterisches Mittel sein. Hier wäre die Möglichkeit gegeben, nur: Sie wurde nicht genutzt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Leoni Huge).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild ist vor einer Kostümparty aufgenommen worden doch leider ein bisschen verwackelt doch gerade das macht das bild auch interessant.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Leoni Huge:

Wie soll so ein Foto bewertet werden? Technisch, kompositorisch, vom Motiv her? Da es in der Kategorie „Schnappschuss“ eingereicht wurde, gehe ich davon aus, dass es spontan und mit dem Smartphone aufgenommen wurde, weil die Fotografin das Motiv interessiert hat. Keine Zeit für Komposition und Technik, schnell draufdrücken und hoffen, dass das Motiv übezeugend ist.

Ist es – halb.

Die beiden jungen Frauen auf einer Kostümparty haben sich als Security-Leute verkleidet. Eleganter, dezenter dunkler Anzug mit weißer Bluse, ein Security-Schild an der Brust, dunkle Sonnenbrille und Knopf im Ohr. So weit, so gut.

Der kritische Blick der rechten Frau passt zu einem Security-Mitarbeiter. Der Blick über die dunkle Sonnenbrille jedoch nicht, denn die Brille ist ja genau dazu da, um sich erstens etwas unkenntlicher zu machen und zweitens nicht erkennen zu geben, wohin der aufmerksame Blick gerade schweift. Die Haltung passt also nicht zum Motiv.

Auch der leicht grinsende Blick der linken jungen Frau trifft nicht die neutral-emotionslose Miene der meisten Security-Leute, mal ganz abgesehen davon, dass – vor allem junge – weibliche Mitarbeiter in dieser Branche mehr als selten sind.

Nur weil das Foto ein Schnappschuss sein soll, finde ich es jedoch zu bequem, zu behaupten, die Verwackelung sei doch „auch interessant“, um eine Absicht dahinter zu suggerieren.

Damit wäre das Mittel der Unschärfe bzw. genauer Verwackelung hier sogar sehr passend – wenn es sich dabei um ein durchdachtes Bild handelte: Ein Foto aus der Sicht des störenden, hyperaktiven Papparazo, der verzweifelt versucht, ein Foto des berühmten Filmstars zu machen und dabei die Security-Mitarbeiter stört, könnte entstehen, kurz bevor beide finster dreinblickenden Frauen ihre Hände nach der ständig lauernden Kamera ausstrecken. Klick, und das Foto würde eine Geschichte erzählen.

So wirkt es leider nur wie ein verwackelter Schnappschuss – was es ja, wie Du selber sagst, eben auch ist.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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