Gletscherbild: Landschaft aus Eis

Gletscher üben eine besondere Faszination auf uns aus. Sie sind Naturgewalt, eine Welt, die nur sehr wenige von nahem kennen. Gelingt es dieser Aufnahme, diese Faszination zu zeigen?

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Monika Metzger).

Kommentar des Fotografen:

Wanderung auf dem Aletschgletscher. Durch die Schwarzweissbearbeitung wollte ich die Formen des Eises besser zur Geltung bringen.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Monika Metzger:

Bis ins 19. Jahrhundert hielten sich die Menschen nur ungern in höheren Lagen der Alpen auf. Mit dem Aufkommen des Tourismus und der romantischen Betrachtung der Bergwelt als einer der wenigen Orte, wo die Natur noch ursprünglich und unverdorben ist, stieg das Interesse an den Alpen:

Maler hielten die ersten Bergsteiger in Gletscherlabyrinths fest und die Menschen waren beeindruckt von der Gegenüberstellung dieser wuchtigen, unaufhaltsamen Naturgewalt und den kleinen, zerbrechlichen Menschen.

Auch bei deinem Bild spielst du mit dieser Gegenüberstellung. Die Struktur des gebrochenen Eises kommt in der schönen schwarzweissen Darstellung gut zur Geltung. Allerdings kannst du in Schwarzweiss natürlich das tiefe, faszinierende Blau des Gletschereises nicht zeigen. Umso wichtiger ist es, die formalen Aspekte zu betonen und durch schöne Grauwerte die Struktur der Gletscheroberfläche zu zeigen.

Der Tonwert- und Kontrastumfang ist gut, alle Bereiche (auch in den Schatten) haben noch genügend Zeichnung und die hellen Bereiche überstrahlen nicht. Du schöpfst dabei das ganze Spektrum von Schwarz nach Weiss voll aus.

Die Menschen oben rechts geben den notwendigen Grössenbezug. Ohne diese Leute wüssten wir nicht, ob es sich um eine kleine Eisfläche oder einen grossen Gletscher handelt. Allerdings überzeugt mich die Platzierung und die Gruppierung der Bergsteiger nur teilweise. Die fünf Bergsteiger ganz rechts hätten gereicht, um diesen Grössenbezug herzustellen. Die Bergsteiger links wirken eher störend im Bild. Zudem fliessen dort die Konturen der verschiedenen Bergsteiger ineinander (im Gegensatz zu der Gruppe rechts, die schön aufgereiht ist und jede Figur getrennt zeigt).

Ich bin vor einigen Jahren auch noch bergsteigen gegangen und habe verschiedene Gletschertouren unternommen. Ich weiss natürlich, dass du in der Regel keinen Einfluss auf eine solche Situation nehmen kannst. Aber manchmal gelingt es mit viel Zeit und Geduld, die genau richtige Gruppe im richtigen Moment der Bewegung zu erwischen.

Trotz dieser kleinen Einschränkung gefällt mir die Aufnahme. Gerade weil sie nur einen Ausschnitt aus dem Gletscher zeigt, lässt sie viel mehr Freiraum für die Fantasie und die Vorstellungskraft des Betrachters und die gewaltigen Dimensionen kommen viel besser zur Geltung.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

2 Kommentare
  1. Monika Metzger sagte:

    Danke vielmals für das Feedback.

    Wie Martin Zurmuehle schon geschrieben hat, ist es leider nicht immer möglich auf die Situation Einfluss zu nehmen. Ich war in einer Seilschaft mit acht Personen unterwegs (leider keine Fotografen ;-)), welche ständig drängten weiterzugehen.

    Antworten
  2. Martin Leonhardt sagte:

    Hallo

    Echt schönes Bild von einem schönen Stück Gletscher ;-)

    Was die Bergsteiger angeht würde es mir am besten gefallen „ohne“ die Gruppe ganz rechts.
    Eine einzelne Person welche noch in die Eisfront blickt wäre wohl das beste.

    Gruß

    Martin

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.