André Kertész: Ewiger Amateur

„Ewiger Amateur“ nannte er sich selbst, „Fotodichter“ wird er genannt: André Kertész, einer der prägenden Fotografen des 20. Jahrhunderts.

André Kertész: 3. Juli 1979, Original Polaroid SX-70, 7,9 x 7,9 cm, Courtesy Stephen Bulger Gallery

Das Fotomuseum Winterthur zeigt jetzt einen umfassenden Blick auf das Lebenswerk – seine bekannten Bilder aus New York, aber auch viel Unbekanntes, Magazinfotografie, Spätes und ganz Frühes.

André Kertész: Place de la Concorde, Paris, 1928

André Kertész, 1894 in Budapest geboren und 1985 in New York gestorben, förderte Brassaï, inspirierte Henri Cartier-Bresson, gilt als Mitbegründer der Fotoreportage und führte Stilmittel in die Fotografie ein, die noch heute präsent sind. Er war Fotograf und Künstler zugleich, poetisch, forschend, wesentlich, frei in seinem Denken und Wirken, so teilt das Fotomuseum Winterthur mit. Aber es habe lange gedauert, bis seine besonderen Fähigkeiten, seine poetisch-experimentierende Fotografie ihren Platz fand. Mehr als 25 Jahre nach seinem Tod ist er nun anerkannt.

Der Philosoph Roland Barthes nannte Kertészs Arbeit „nachdenkliche Fotografie“. André Kertész bezeichnete sich selbst gerne als „ewigen Amateur“.

Distorsion n° 41, 1933

Sein fotografisches Schaffen war aufs Engste mit ihm und seinem Leben verknüpft.

Auch wenn er etwas dokumentierte, ließ er sich von Gefühl und Instinkt, von der Seele leiten. Sein Werk verglich er gerne mit einem „visuellen Tagebuch“ und sagte selbst darüber: „Ich habe nie einfach ‚Fotos gemacht‘, ich drücke fotografisch mich selbst aus.“

Elizabeth und ich, 1933

André Kertész gilt als einer der „fotografischsten“ aller Fotografen: Er sucht das Spiel von Licht und Schatten, er mag die Verdichtungen und Überlagerungen von Formen, von Augenblicken, und er erkennt im Alltäglichen, Banalen das Poetische, das Schöne und Bemerkenswerte.

Dem „Fotodichter“ Kertész fiel es deshalb lange Zeit schwer, sich im Markt durchzusetzen.

Die Retrospektive im Fotomuseum Winterthur ermöglicht mit rund 250 Fotografien und zahlreichen Magazinbeiträgen einen umfassenden Überblick über all das.

André Kertész: Washington Square, New York,

Vernachlässigte oder unerforschte Lebensphasen werden neu bewertet (sein Leben als Soldat im Ersten Weltkrieg etwa) und neben die Entwicklung der Fotoreportage in Paris und die Verbreitung seiner Bilder in den Magazinen gestellt. Mit den letzteren verdiente er seinen Lebensunterhalt.

Der Bildband André Kertész (Affiliate-Link) erschien als Katalog zur Ausstellung bei Hatje Cantz in Ostfildern. Die Ausstellung wandert nach ihrem Ende in Winterthur weiter nach Berlin in den Martin-Gropius-Bau und dann nach Budapest.

André Kertész – Retrospektive
Bis 15. Mai 2011
Fotomuseum Winterthur, Grüzenstrasse 44+45 , CH-8400 Winterthur (Zürich)
+41 52 234 10 60, fotomuseum@fotomuseum.ch
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr, Mittwoch 11 – 20 Uhr

André Kertész bei Wikipedia
Fotomuseum Winterthur

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