Klassisches Porträt: Magischer Blick

Ein wunderschön ernsthaftes Porträt, bei dem nur Kleinigkeiten auffallen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kerstin Koletzki).

Kommentar des Fotografen:

Fotomotiv aus der Serie „Töchter“ (1995-2010).

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Kerstin Koletzki:

Es wundert mich immer wieder, wieviel Ernsthaftigkeit in Kindern versteckt ist. Etwas, was auf diesem Foto sofort ins Auge sticht. Ich kann mir geradezu die erwachsene Frau vorstellen, die diese Tochter einmal sein wird. Ein Kontrast, der das Bild belebt und den Menschen hinter dem Bild lebendig werden läßt. Ein paar Sachen könnte man noch verändern, um die Konzentration noch stärker auf die Person zu lenken:

Formal wurde hier eine klassische Aufteilung nach dem goldenen Schnitt gewählt, bei dem die Augen ungefähr im oberen Drittel des Bildes liegen. Diese Aufteilung empfinden wir automatisch als angenehm.

Als Hintergrund wurde ein efeubewachsener Zaun ausgesucht, um nicht vom Gesicht abzulenken. Das ist eigentlich auch sehr gut gelungen, denn es ziehen keine störenden Rohre, Kanten oder Helligkeitsunterschiede durch das Bild und lenken damit ab.

Jedoch ist der Hintergrund nicht ganz 100prozentig gleichförmig. Gerade im oberen Drittel hört der Bewuchs auf und macht eine Lücke frei, wodurch der Hintergrund hell hindurch scheint. Das hätte man vielleicht durch einen Standort einen Meter weiter rechts oder links verhindern können.

Als weitere Option hätte man den Efeu noch stärker in die Unschärfe ziehen können. Entweder durch eine größere Blende (1,8 oder 2,8), oder durch ein Teleobjektiv (ab 85 mm), das nicht nur die Ebenen (also hier das Gesicht und den Efeu im Hintergrund) staucht, sondern die Effekt der Unschärfe nochmal verstärkt. Auch durch einen Abstand der jungen Frau von 2 Meter zum Zaun würde der Unschärfeeffekt verstärkt.

Als weiteren Tipp würde ich das Foto auf jeden Fall in Photoshop bearbeiten. Vor allem die Augenpartie könnte gleichmäßig aufgehellt werden. Da auf den Augen die Hauptaufmerksamkeit liegt, würde man deren Wirkung durch geichzeitiges Abdunkeln des Hintergrunds verstärken. Das sind jedoch alles nur Kleinigkeiten, die den letzten Schliff geben würden. Die Magie des Blicks ist eingefangen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare
  1. Christian Gruber sagte:

    Ein sehr interessantes Portrait. In erster Linie ein wirklich gelungener, neutral – ernster Gesichtsausdruck.
    Weiters die reduzierte Komposition – es geht auch nur um das Kind und die Stimmung. Kleidung und Ort sind nebensächlich.

    Nach längerer Betrachtung und Überlegungen zur Komposition wie der Haarsträhne und den Schultern bzw. wieder der Haare darauf bleibt die Frage wie alt ist das Kind hier eigentlich und wie alt sieht es aus?
    Leider (oder interessanterweise) fehlen uns hier die Exifdaten. Mein Eindruck ist, das du eher aus einer relativ nahen Position fotografiert hast. Was mit dem Bildwinkel hier im Resultat auf eine leichte Weitwinkelaufnahme hindeutet. Solche Halbportraits macht man klassischerweise mit einer leichten Telebrennweite, muss man aber nicht wenn es die eigene Intention ist. Insbesondere die Proportionen von Nase und Gesicht zu der Haarfülle und den hängenden im scharz verhüllten Schultern erwecken bei mir diesen Eindruck von Weitwinkel. Dazu gesellt sich noch der dezente Aufhellblitz, der einerseits die Gesichtsfläche herausragen läßt, andererseits aber auch abflacht und alle Details des Gesichtes beleuchtet und ob der Fülle an Schatten und Sommersprossen das Kind älter, irgendwie erwachsen erscheinen lässt. Eigentlich glaube ich, das Kind ist 15, das Gesicht wirkt wie das einer 20jährigen auf mich

    Nehmen wir mal an, es wurde ein leichtes Teleobjektiv verwendet. Dann sehen wir einen ungewöhnlichen großen Kopf, das Gesicht einer 20jährigen, mit einem relativ schmalen Körper – Proportionen, die auf Magermodel hindeuten, was aber nicht zum Gesicht passt.
    Das liest sich etwas übertrieben und irgendwie passt es nicht zum Bild, darum tippe ich hier auf den vorher genannten Weitwinkelbereich.

    Wenn ich mal annehme, das der Blitz nicht entfesselt verwendet wurde, wir hier also einen Hochformatzuschnitt eines Querformatbildes haben, bleibt die Frage, was passiert wäre, wenn der Fotograf hier die Kamera verkehrt gehalten hätte, sodass das Licht von leicht unten gekommen wäre. Oder ein Hausnummer 30x30cm Reflektor in den Händen gehalten von unten Licht reflektiert hätte. Dazu noch am Computer das Bild etwas weichzeichnen.

    Antworten
    • Kerstin Koletzki sagte:

      Kommentar der Fotografin, das Geheimnis lüftend:

      -Objektiv: 50/1.8
      -kein Ausschnitt
      -natürliches Licht, kein Blitz
      -Mädchen war 10 Jahre alt

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