Farbenlandschaft:
Effekt oder Impression, nicht mischen

Farbe, Formen, Tiefe sind wichtige Elemente der Landschaftsfotografie. Die lassen sich mit technischen Effekten verstärken, welche aber diskret bleiben müssen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Philipp Pohl).

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen in Port Hedland, Western Australien um 5:30 am Morgen. Wunderschöne Himmel sind hier keine Seltenheit, und trotzdem hat mich gerade dieser beeindruckt. Das Bild ist aus 3 Einzelaufnahmen entstanden und als Panorama zusammengesetzt, da ich kein UWW besitze aber den Effekt sehr mag. Außerdem vereinfacht es, den Betrachtet ins Bild hinein zu ziehen und den Vordergrund mit ins Bild zu bekommen. Anschließend bei der Bearbeitung in Richtung DRI „entwickelt“. Ich hab mir bei der Aufnahme und Bearbeitung einige Gedanken gemacht, jedoch möchte ich gerne den Eindruck eines Profis lesen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Philipp Pohl:

Ein stürmisch-regenbogenhaft-morgendlicher Himmel über einer Flachlandschaft prangt in diesem Bild und weckt Aufmerksamkeit durch starke Farbkontraste von rotgelb in der linken oberen Bildecke mit einem abklingenden Sturm und dem dunklen, blauen Dämmerungshimmel zwischen den Wolken auf der rechten Bildseite.

Den Mittel- und Vordergrund des Bilds machen ein knallgelber Lastcontainer und ein Blatt Sperrholz aus, das unmittelbar vor dem Fotografen liegt.

Dies ist eine sehr vielschichte Aufnahme, worin ihre Stärken ebenso wie ihre Schwächen liegen:

Einerseits ist es Dir gelungen, von einem nicht sonderlich spannenden Standpunkt aus und in einer sehr schwierigen geographischen Lage – Flachland – eine interessante Landschaftsaufnahme zu gestalten.

Dazu hast Du zwei Objekte in den Vordergrund gerückt, die aus einem reinen Landschafts- ein vorurbanes Stimmungsbild machen und zugleich für die ansonsten kaum zu erreichende Tiefenwirkung sorgen.

Drei Dinge spielen dem Bild in die Hand und lassen uns verweilen: Als erstes ist der Farbkontrast der Komplementärfarben von Rot/Gelb und den Brauntönen ein Magnet, dem sich kaum jemand entziehen kann; nach diesem „Stopper“ folgt der Tiefeneffekt, den Du durch die beiden Objekte im Vordergrund der Weitwinkel-Aufnahme erreichst. Und als drittes erforschen wir den Bildinhalt – die frostig-verschneite Location mit dem Container und dem Sperrholz, die den Eindruck erwecken, wir blickten von einer trostlos-zerfallenden Geisterstadt über die Ebene hinweg zur Zivilisation, die sich am Horizont unter dem Sturm am Ende der Telefonleitung versteckt.

Hier liegt aber wie gesagt auch die Schwäche des Bildes. Denn die beiden Objekte im Vorder- und Mittelgrund sind von ihrer Rolle her nur Beilage, im Bild aber Hauptgang – und das eigentlich spannende Element, der von Sturm und Lichtung, Sonnenuntergang und Regenbogen aufgeteilte Himmel rückt so weit in den Hintergrund, dass er seine Wirkung nur kurz entfalten kann und nicht wirklich ergründbar ist.

Es stimmt, dass der Verzerrungseffekt uns ins Bild hineinzieht. Der Preis, den Du dafür zahlst, besteht in der Suche des Betrachters nach dem Grund für die Betonung der beiden Objekte: Warum würde ein Fotograf angesichts dieses prächtigen Himmels ein Stück verrotteten Sperrholzes und einen Container ins Zentrum rücken? Dahinter muss sich eine Aussage verbergen, die ich aber nicht entdecken kann – der Effekt verrät sich als Selbstzweck.

Das um so mehr, als Du die Kante der Sperrhozplatte so weit in den Aussenbereich des Weitwinkels ragen lässt, dass der Verzerrungseffekt penetrant wird: Was in der Landschaftsfotografie mit organisch-chaotischen Linien häufig unproblematisch ist, wird störend, wenn uns bekannte Objekte mit Geraden und Winkeln, deren Massstab wir im Kopf haben, erkenn- und fassbar wird.

Das ist der Fischaugen-Effekt, der wohl durchaus originelle Bilder ausmachen kann, sich dafür aber vollständig in den Vordergrund drängt und das Motiv zum Statisten machen muss – und in den uns bekannten Fischauge-Bildern auch darf. Das passiert im untersten Teil des Bildes, während im oberen Teil eine Landschaftsfotografie mit unterstützendem Effekt erstellt wurde. Wenn Du an dieser Aufnahme auch nur das unterste Fünftel wegschneidest, so dass der überspitzte Winkel des Sperrholzes und das Etwas, was aussieht wie das Bein des Stativs, wegfällt, wirkt die Aufnahme sofort „seriöser“. Und nein, der UWW-Effekt ist damit nicht „weg“, sondern er ist auf das für eine Landschaftsaufnahme passende Mass reduziert.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *