Hasselblad-Preis 2011:
Walid Raad – Konflikt in Nahost

Walid Raad ist der Hasselblad-Preisträger des Jahres 2011. Sein Thema ist die konfliktreiche Zeitgeschichte im Nahen Osten.

Walid Raad: Hostage: The Bachar Tapes (English Version) © Walid Raad. Courtesy Paula Cooper Gallery, New York, Sfeir-Semler Gallery, Beirut & Hamburg, Anthony Reynold Gallery, London

Der in New York lebende gebürtige Libanese Raad widmete sich besonders der zeitgenössischen Geschichte seines Heimatlandes. Nicht nur mit Fotografie, auch mit Video, Text, Installation und Performance.

Die Begründung der Jury für die Verleihung des Preises, der als Nobelpreis der Fotografie gilt:

Walid Raad ist einer der originellsten und außergewöhnlichsten unter den zeitgenössischen Fotokünstlern. Für sein Projekt „The Atlas Group“ wurde er viel geehrt – darin schuf er ganz eigene Ideen über die Beziehung zwischen dokumentarischer Fotografie, Archiv und Geschichte. Um die zeitgenössische Geschichte des Libanons zu untersuchen und zu dokumentieren, entwickelte er ganz neue Methoden, sich der Bildsprache des Krieges anzunähern und für die Art und Weise, politische und soziale Konflikte in der Kunst zu erforschen. Mit Raads Arbeit können wir traditionelle Bedeutungen von Kriegsbildern in Frage stellen und produktiv über Visualisierung, Erinnerung und Gewalt spekulieren.

Walid Raad: BEY82_City_II (from the series Untitled (1982-2007)) © Walid Raad.

Weltweit große Aufmerksamkeit bekam Walid Raad für sein Projekt „The Atlas Group“. Von 1989 bis 2004 widmete er sich darin der gewaltsamen Geschichte des Libanon. Sein umfangreiches Werk erforscht die dokumentarische Praxis, die Beschreibung dieser Geschichte und die visuelle Darstellung von Gewalt. Die Arbeiten zeigen einerseits die brutale Wirklichkeit des Alltags im Libanon während einer entscheidenden Phase der Geschichte. Andererseits denkt er darüber nach, wie Geschichte gedacht, erzählt, geschrieben und in Bildern dargestellt wird.

Walid Raad: Let's Be Honest, The Weather Helped (Iraq) © Walid Raad.

Mit Klugheit und Originalität, so die schwedische Hasselblad-Stiftung, fand Walid Raad neue Wege, Krieg zu zeigen, politische und soziale Konflikte mit der Kunst zu erkunden. Seine weiteren Projekte mit Titeln wie “My Neck Is Thinner Than a Hair”, “Let’s be Honest, the Weather Helped” and “Secrets in the Open Sea” untermauern, dass die Fotografie das geeignete Mittel ist für die prüfende Untersuchung von Visualisierung, Erinnerung und Gewalt.

Walid Raad: Scratching on things I could disavow_plate 1 (2,3,4), 1989 © Walid Raad.

Walid Raad wurde 1967 im Libanon geboren. Wir finden weitere Infos zum Projekt „The Atlas Group“ auf Walid Raads Website.

Zur Jury des Hasselblad-Preises gehörten 2011:

• Sergio Mah (Vorsitz), Kurator und Professor an der Universität Nova of Lisbon, Portugal,

• Clément Chéroux, Kurator, Abteilung für Fotografie, Centre Pompidou, Paris, France,

• Charlotte Cotton, Creative Director, National Media Museum, UK,

• Thomas Seelig, Kurator, Fotomuseum Winterthur, Schweiz,

• Carol Squiers, Kuratorin, International Center of Photography (ICP), New York.

Walid Raad: Notebook Volume 38: Already Been in a Lake of Fire (Plates 57-58), 2004 © Walid Raad.

Der Preis ist mit rund einer Million schwedischen Kronen dotiert, aktuell etwa 113 000 Euro. Eine Ausstellung mit Arbeiten Walid Raad wird am Sitz der Hasselblad-Stiftung im schwedischen Gothenburg am 12. November 2011 eröffnet.

Walid Raad – The Atlas Group
Hasselblad-Stiftung

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