Architekturbild: Formen und Dimensionen

Das Spiel mit starken geometrischen Formen und Gegensätzen sind beliebte wirkungsverstärkende Massnahmen in der Fotografie. Und wenn sie so kraftvoll und gezielt eingesetzt werde wie bei diesem Bild, so ist das Resultat auch ein Genuss für den Betrachter.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Monika Metzger).

Kommentar des Fotografen:

Mit diesem Bild möchte ich die Allianz Arena aus einer neuen Perspektive zeigen. Durch die kühle Tonung soll die plastische Wirkung des Stadions verstärkt werden.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Monika Metzger:

Diese Aufnahme von Monika Metzger verdeutlicht auf sehr gute Weise die Bedeutung und Wirkung der vier „Augen“ meines Bildanalysesystems (Vier-Augen-Modell mit Form-Auge, Erzähl -Auge, Gefühls-Auge und Ich-Auge). Die kraftvollen Formen des runden Gebäudes und der geschwungenen Betonrampen sprechen uns sehr stark auf der Formseite an:

Monika Metzger wählte die genau richtige Brennweite, um diesen Effekt zu verstärken und die Linien sehr grafisch wirken zu lassen. Die starke Betonung der rechten Bildseite wird durch den kleinen, aber durch die präzise Lage sehr bedeutend wirkenden Fahrradfahrer ausgeglichen. Ohne diesen Gegenpol würde das Bild formal nicht die gleiche Spannung entwickeln.

Dieser Radfahrer ist aber auch von grosser Wichtigkeit beim erzählenden Aspekt des Bildes. Monika Metzger nahm ihn an der richtigen Stelle (genau an der Kante des Schattens, so dass er aber von der Sonne noch beleuchtet wird) auf, um diesen erzählenden Aspekt optimal zur Geltung zu bringen. Diese Präzision im Bildaufbau zeichnet den guten Fotografen aus und erinnert uns auch an den Meister in diesem Fach, Henri Cartier-Bresson. Übrigens: Im Moment ist in Zürich im Museum für Gestaltung eine wunderbare Ausstellung der Werke von Henri Cartier-Bresson zu besichtigen. Ein Besuch lohnt sich für jeden Fotografen.

Die drei Personen im Hintergrund geben dem Bild eine zusätzliche Tiefenwirkung. Zusammen mit dem Radfahrer und dem starken Gegensatz zwischen dem kleinen Menschen und der überwältigenden Technik sprechen sie so auch unsere Gefühle stark an. Gegensätze sind immer mächtige Instrumente des kreativen Fotografen, um die Wirkung seiner Bilder zu verstärken.

Das Bild ohne die drei Personen im Hintergrund.Und das Ich-Auge wird durch die kunstvolle Bildgestaltung, das gute Auge der Fotografin, die zum Motiv passende Bildbearbeitung und die kraftvolle Bildwirkung verdeutlicht. Ich gratuliere Monika Metzger zu diesem Bild und möchte sie ermuntern, diese Fotografie auch an Fotowettbewerbe einzusenden. Hier auf fokussiert.com ist sie damit ja auch bereits gut angekommen.

P.S. Etwas wäre noch spannend zu diskutieren. Würde das Bild gewinnen, wenn die drei Personen im Hintergrund nicht da wären? Ohne diese verstärkt sich das Form-Auge, schwächt sich aber gleichzeitig das Erzähl- und Gefühls-Auge wieder ab. Ein schwieriger Entscheid, der wohl nur ein längeres Betrachten der beiden Versionen entscheiden könnte. Im Moment gefällt mir noch eher die Orginalversion.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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5 Kommentare
  1. peter gutzat sagte:

    super arbeit,klasse BEARBEITUNG !!!

    hier gefällt mir auch die überarbeitete variante besser.

    viel mehr aussage u. klarheit im foto………………

    gruss peter gutzat

    t
    o
    p.

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  2. Esther Bachmann sagte:

    Diese Aufnahme mag ich sehr, wunderbar.

    Zur Frage mit oder ohne die drei Personen im Hintergrund: knifflig zu beantworten. Beim Betrachten in Normalansicht war für mich klar, die Personen müssen weg, sie stören die klare Formsprache. Im Vollbildmodus war ich dann nicht mehr so sicher. Ist die Personengruppe nicht doch das i-Tüpfchen?

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  3. Swonkie sagte:

    Gutes Bild. Die Personen würde ich da lassen, wenn schon eher das kleine Ding da wegmachen das wie ein Miniatur-Strommast aussieht.

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  4. ubakel sagte:

    Eine sehr gelungene Aufnahme. Mir gefällt auch, wie der Radfahrer fast entlang der Schattenkante fährt.

    Und mir gefällte die Variante ohne die Dreiergruppe etwas mehr.

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