Porträt: Gesicht im Profil

Das Seitenporträt hat eine lange Tradition in der Kunst. Es zeigt den Kopf wie ein Scherenschnitt. Solche Bilder haben eine starke formale Kraft, die aber von der Gesichtsform des Models abhängt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Gohlke).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild wurde damals speziell für einen Wettbewerb zum Thema „Stille“ in unserem örtlichen Fotoclub erstellt. Aufgenommen habe ich es mit einfachem Dauerlicht (Baustrahler!) in meinem Arbeitszimmer zuhause. Modell stand mir die zauberhafte Romina.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Alexander Gohlke:

Ich freue mich schon, die ganze Bildserie anlässlich der Photo Münsingen 2011 bewundern zu dürfen. Die Grundidee, ein Gesicht von der Seite aufzunehmen und so dem Bild eine grosse Ruhe zu vermitteln, finde ich interessant.

Die Seitenansicht war in der ägyptischen Kunst die Regel:

Die Künstler konnten so auf einfache Art Bildgeschichten erzählen. Auch seit der Renaissance werden Seitenporträts eingesetzt, um den Menschen auf eine etwas andere Art zu porträtieren.

Battista Sforza und Federigo da Montefeltro aus dem Jahr 1472

Alexander Gohlke gelingt es gut, mit dem dunklen Hintergrund und dem schönen Seitenlicht das Gesicht herauszuarbeiten und zu betonen. Durch das Schliessen der Augen des Models (und dem dadurch fehlenden direkten Einbezug des Betrachters durch den Blick) liegt die ganze Konzentration des Betrachters auf der Gesichtsform. Die Qualität solcher Aufnahmen hängt dann, neben den technischen Aspekten, vor allem von der Schönheit und der Formvollendung der Gesichtskonturen ab. Romina zeigt uns ein sehr schön geformtes, entspanntes Gesicht – und wir fragen uns, wie sie wohl von vorne aussehen würden.

Solche Bilder entwickeln ihr visuelles Potenzial aber erst so richtig in einer Serie. Deshalb freue ich mich auf die anderen Bilder in Münsingen. In einer Serie kann ich nicht nur die Formschönheit eines einzelnen Gesichtes zeigen, sondern auch die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Menschen. Dann würden die Bilder uns noch mehr erzählen und gesamthaft eine stärkere Wirkung entfalten.

Fazit: Eine klare fotografische Idee, die gut umgesetzt wurde. Das Einzelbild benötigt ein sehr formschönes und interessantes Gesicht, mit einer Serie könnte zusätzlich die Vielfalt der Menschen angedeutet werden, was das Ganze noch wesentlich interessanter machen würde.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare
  1. Alex Gohlke sagte:

    Hallo Uwe!

    Vielen Dank für deinen freundlichen Kommentar zu meinem Bild!

    Zum Aufbau (soweit ich mich noch erinnern kann…):
    Ich nutzte einfache Baustrahler aus dem Heimwerkermarkt bzw. Dauerlicht von der Firma Hedler (genau weiß ich das nicht mehr; hatte beides aufgebaut).
    Das Model „blickte“ direkt in die Lichtquelle. Sie saß etwa 1m bis max. 1,5m von der Lichtquelle entfernt.

    Der dunkle Hintergrund wurde mit schwarzem Molton-Tuch erreicht. Rechts (hinter dem Körper des Models) diente ein großer, schwarzer Abschatter dazu, das Licht zu schlucken. (Den Abschatter hab ich aus Styroporplatten selbst gefertigt.)
    Ich habe das Modell in einem Abstand von max. 1,5m fotografiert. (Mehr Platz ist gar nicht in meinem Arbeitszimmer.)

    Im Grunde also ein recht einfacher Aufbau: ich musste nur noch auf den richtigen Weißabgleich achten, da das Baustrahlerlicht ja sehr warm rüberkommt.

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    • Uwe Kath sagte:

      Hallo Alexander,

      danke für die Info’s. Motiviert zum ausprobieren versuch ich auch mal ein solch tolles Portrait zu „schießen“.

      Gruß Uwe

  2. Uwe Kath sagte:

    Hallo Alexander,

    finde das Thema „Stille“ super umgesetzt. Besonders die geschlossenen Augen und das entspannte Gesicht tragen auch meiner Meinung nach zum Transport der Botschaft bei.
    Die Exif Daten sind ja ersichtlich, kannst Du das Setup in Deinem Arbeitszimmer etwas näher beschreiben?

    Gruß Uwe

    Antworten

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