Sebastian Stumpf:
Fotograf springt von Brücke

Sebastian Stumpf taucht in seinen Fotos und Videos immer selbst auf: Er springt von Brücken und in andere Abgründe.

Sebastian Stumpf: Videostill aus Brücken, 2010Für Sebastian Stumpf ist der eigene Körper das erste und zentrale Medium: Seine Arbeiten sind Performances im ganz wirklichen Sinn, aufgezeichnet von der Kamera.

Das Terrain, auf dem Sebastian Stumpf agiert, sind der öffentliche Raum der Stadt mit seiner vorgegebenen Ordnung und die leeren Räume unserer Kunstinstitutionen, so informiert uns das Museum für Photographie Braunschweig. Sein Auftritt vor der Kamera erscheint uns ebenso artistisch wie subversiv: Die Aktionen erstaunen und verwundern, bringen uns zum Lachen oder verstören uns. So rollt er sich unter dem schließenden Tor einer Tiefgarage hindurch, klettert auf Zierbäumchen in modernen Reißbrettarchitekturen oder benutzt eine Brücke zum Sprung ins Wasser.

Sebastian Stumpf – aus der Serie Highwalk, 2010In seinen Fotografien und Videoarbeiten befasst sich Sebastian Stumpf mit künstlichen Räumen und urbanen Orten – wo der menschliche Körper nur eine abstrakte Rechengröße in einer durchgeplanten Struktur ist.

Er spürt Lücken und Spalten auf, Ausstiege und Sackgassen. In der 28-teiligen Fotoserie „Sukima“ (2009) erscheint sein aufrecht stehender Körper, eingepasst in die strenge Geometrie der Fassaden der Gebäude Tokios, wie ein Wiedergänger von Le Corbusiers Figur des „Modulors“, einer normierten Maßfigur des modernen Menschen.

Sebastian Stumpf: Videostill aus Tiefgaragen, 2008Die Wahrnehmung des eigenen Körpers ist somit in Stumpfs Arbeit nie allein selbstbezogen. Seine Aktionen reagieren auf die Wirklichkeit unseres städtischen Raums, anstatt sie zu dokumentieren. Sebastian Stumpf knüpft so an die Tradition verschiedener experimenteller Bewegungsformen an, wie etwa Parkour. Weitere Bilder von Sebastian Stumpf können wir uns auf der Website der Galerie Kleindienst anschauen – oder in der aktuellen Ausstellung im Museum für Photographie Braunschweig.

Sebastian Stumpf – Nowhere Near
Bis 17. Juli
Museum für Photographie Braunschweig, Helmstedter Straße 1, D-38102 Braunschweig
+49 (0) 531 / 7 50 00, info@photomuseum.de
Geöffnet Dienstag bis Freitag 13 – 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 – 18 Uhr

Museum für Photographie Braunschweig
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