Alpenbild: Erinnerung an alte Meister

Diese Aufnahme erinnert mich an Bilder von Ansel Adams. Die kontrastreiche Wiedergabe in Schwarzweiss passt zu diesem Motiv. Allerdings lenken noch zu viele Dinge vom Kern der Aufnahme ab.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Johann Kühnl).

Kommentar des Fotografen:

Almsee und Totes Gebirge, Oberösterreich. Wo meine fotografischen Vorbilder in der Landschaftsfotografie liegen, ist vermutlich leicht zu erraten. Für mich ist die klassische „straight photography“ in schwarzweiß immer noch die beste Methode, um den Charakter dieser Landschaft darzustellen, auch wenn ich mittlerweile diesen Stil in die digitale Fotografie übertragen habe.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Johann Kühnl:

Kontrastreiche Landschaftsaufnahmen in Schwarzweiss haben eine lange Tradition in der Fotografie. Ein Meister dieses Fachs war Ansel Adams mit seinen grossformatigen Aufnahmen aus der Sierra Nevada.

Diese Aufnahme von Johann Kühnl erinnert mich an eine Aufnahme von Ansel Adams von den Grand Tetons:

Allerdings fehlt der Aufnahme von Johann Kühnl die Geschlossenheit und Präzision, sowie auch die Beherrschung des maximalen Kontrastumfangs, die die Bilder von Ansel Adams auszeichnen.

Eine gute Regel bei der Gestaltung von Bildern ist es, sich zu überlegen, welche Bildbereiche für die angestrebte Bildaussage überhaupt notwendig sind. Wenn wir unter diesem Gesichtspunkt dieses Bild anschauen, so erkennen wir schnell, dass die zu hell wirkende Kiesfläche unten links eigentlich nichts Wesentliches zum Bild beiträgt. Im Gegenteil, sie zieht den Blick des Betrachters wegen ihrer Helligkeit an und lenkt so vom eigentlichen Motiv, der schönen Bergkette, ab. Ein engerer Schnitt im Panoramaformat löst dieses Problem elegant.

Akzentsteigerung durch Beschnitt

Ein weiterer Problempunkt sind die unschönen Streifen von Flugzeugen am Himmel. Diese geben dieser Naturlandschaft einen unschönen Realitätsbezug. Solche unnatürlich wirkende gerade Linien passen nicht in eine natürlich entstandene Berglandschaft. Leider lassen sich aber nicht alle Linien leicht entfernen. Ich habe aber versucht, die am meisten störende wegzustempeln.

Ansel Adams war ein Meister der Schwarzweissfotografie und nützte den maximal möglichen Kontrastumfang der Schwarzweissfilme optimal aus. Dadurch vermied er ausgefressene Lichter und abgesoffene Tiefen. Unsere digitalen Sensoren verfügen leider nicht über den gleich grossen Kontrastumfang wie die Schwarzweissfilme. Insbesondere bei den Lichtern zeichne sie wesentlich schlechter. Zum Aufnahmezeitpunkt mit der hochstehenden Sonne sind die Helligkeitsunterschiede zwischen dem Wolken am Himmel und der Berglandschaft zu gross, sodass die hellsten Bereiche überstrahlen. Ein anderer Aufnahmezeitpunkt (z.B. früher Morgen oder später Nachmittag) könnte diese Problematik entschärfen.

Fazit: Ein sehr schönes Motiv mit einer guten Schwarzweissdarstellung, die aber noch durch einen anderen Schnitt und eine weniger kontrastreiche Lichtsituation verbessert werden könnte.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare
  1. Dr. Thomas Brotzler sagte:

    Ich teile die Leidenschaft des Fotografen für die Schwarzweißfotografie, nicht jedoch dessen Interpretation der Ausgangsszene …

    Zum einen sind Mikrokontrast und Schärfe derart hochgefahren, daß das Bild von Artefakten durchzogen ist und insgesamt viel zu hart wirkt. Zum anderen ist die im Farboriginal dunkle Waldpartie, die dem Bild Tiefe und Stimmung verleiht, hier übertrieben abgewedelt, so daß sich der räumliche Effekt völlig verflüchtigt.

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  2. ute sagte:

    Mich stört der Kondensstreifen übrigens überhaupt nicht. Eher macht mich so eine Zivilisationsspur darauf aufmerksam, dass es eben kein weltabgeschiedenes Idyll ist, sondern auch so eine wunderbare Landschaft nicht fern von allem ist. Vorbild Ansel Adams fotografierte zu anderen Zeiten, heute hat der Luftverkehr andere Ausmaße.

    So eine Spur auszuradieren finde ich unnötig, aber das ist wohl eine Geschmacksfrage. Aus meiner Sicht ist so eine Spur kein unangenehmer Stilbruch.

    Ggf. würde ich wohl eher vor Ort und Stelle warten, bis die Streifen nicht mehr zu sehen sind, und eine längere Rast machen, wenn möglich, so dass ich auch noch ein Foto mit „idealem“ Himmel machen kann. ;-)

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    • Johann Kühnl sagte:

      Hallo Ute,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. In meiner „klassischen“ Landschafts- und Naturfotografie vermeide ich alle Spuren der Zivilisation, weil ich ein bißchen spürbar machen will, daß in der Natur ein völlig anderer Zeitbegriff herrscht. In der Zivilisation sind 100 Jahre eine ganze Epoche, in der Natur sind 100 Jahre garnix und 1000 Jahre nicht viel. Diese Wirkung geht aber verloren, sobald irgendeine zeitbezogene Spur zu sehen ist, sei das nun ein Wegweiser, eine Stromleitung oder ein Kondensstreifen.
      LG Hans

  3. Johann Kühnl sagte:

    Erstmal schönen Dank für die Besprechung und die Kritik! Ich werde versuchen zu erklären, warum ich das so gemacht habe. Allerdings: Mit dem Kondensstreifen hast Du recht, das ist ein Stilbruch, der muß weg.
    Mit dem Schnitt kann ich mich aber nicht anfreunden: Für mich ist der Vordergrund bildwichtig, er erzeugt die Tiefe und auch das Gefühl, mitten drin zu stehen, schneidet man das weg, wird es für mich zu kulissenhaft. Ich hätte gerne was fotogeneres gehabt als diese fade Schotterbank… war halt nicht.
    Die Lichter sind an der Grenze, aber die wirklich zeichnungslosen Stellen sind minimal. Der Kontrast war zwar hoch, aber durchaus unterzubringen. Ich habe hier http://www.outdoor-images.at/download/_D219900_fokussiert.JPG
    die Originalversion eingestellt, weil das ja vielleicht ganz interessant ist: Will man alle Tonwerte unterbringen, muß man ein flaues und unterbelichtetes Bild machen und eben entsprechend nachbearbeiten. Das brauch ich einem Martin Zurmühle aber nicht erzählen…
    Deswegen würde es mich interessieren, ob Dir die Lichter auch bei genauerer Betrachtung tatsächlich zu hell sind. Wenn man die Wolken extra bearbeitet, entsteht meist dieser HDR-Look, den ich gar nicht mag, da gehe ich lieber an die Grenze der Zeichnung. Soviel also zu meiner Intention,
    LG Hans

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