Architekturfoto:
Schönheit der Form

Die Schönheit der Form hat eine sehr lange Tradition in der Kunst. Andreas Wecker gelingt es mit seinem Bild, diese Schönheit exemplarisch herauszuarbeiten.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andreas Wecker).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand unter der Lichtskulptur zwischen den beiden Hochhäusern Kastor und Pollux Ende August letzten Jahres gegen 19 Uhr. Ich fand die Verbindung der beiden Hochhäuser (auch wegen deren Namen) durch die Linien der Skulptur sehr interessant, weswegen ich dem Bild den Titel „Koalition“ gab.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Andreas Wecker:

Die Griechen haben die Schönheit der Formen und der Proportionen zu einem ersten Höhepunkt gebracht:

Sie entwickelten die Regel des Goldenen Schnittes, und die Philosophen und Mathematiker diskutierten die Schönheit der verschiedenen geometrischen Körper und Formen.

Andreas Wecker steht mit seinem Bild in dieser 2500 Jahre alten Tradition. Auch er zelebriert die Schönheit klarer Formen: Linie, Rechteck, Kreis. Was seine Komposition besonders stark macht, ist die Balance der verschiedenen Bauteile der Hochhäuser.

Seine Gestaltung ist nicht symmetrisch, und doch gleichen sich die beiden Seiten aus. Die Klammer bilden die beiden grosszügigen Bögen aus Stahl, die das Bild gliedern, die beiden wuchtigen Baukörper verbinden und ein sehr visuelles und dynamisches Element in die sonst ruhige Komposition bringen.

Ohne diese beiden Bögen wäre das Bild bei Weitem nicht so spannend und interessant. Die verschleierten Wolken neutralisieren den Hintergrund und tragen zu dieser entrückt wirkenden Bildstimmung bei, und die Wiedergabe in Schwarzweiss passt perfekt zum Motiv. Die strenge horizontale Gliederung der Fassaden kontrastiert zu den beiden elegant geschwungenen Bögen. Insgesamt eine in jeder Beziehung gelungene Aufnahme, die den Betrachter verweilen lässt.

Möchte ich auf sehr hohem Niveau nörgeln, so wäre zu prüfen, ob ein etwas engerer oder weiterer Zuschnitt nicht besser gewesen wäre. Durch den sehr nahen Abstand zwischen der Bildkante und der Geschosstrennung wird die leichte Objektivkrümmung am Rand erkennbar. Bei einem etwas grösseren Abstand fällt so eine schwache Krümmung nicht mehr auf.

Fazit: Eine wunderschöne Aufnahme, die die Kraft von schönen Formen in der Fotografie zeigt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Andreas W. says:

    Lieber Martin,

    vielen Dank für deine Bildkritik. Wie du richtig erkannt hast, bin ich ein ganz großer Freund von klaren Linien und Formen. Oft wirken aber diese klare Gestaltungsmittel wie Symmetrie, Rechteck und Kreise nach kurzer Zeit langweilig. Das erkenne ich selbst an meinen Aufnahmen. Ich ertappe mich immer wieder wie ich genau solche Kompositionen vor Ort suche und später am Rechner mir der Reiz an der Aufnahme fehlt. Mein neugestecktes Ziel ist es deshalb zwar bei klaren Linien zu bleiben, aber in der Gestaltung darauf zu achten, dass wenigstens ein Teil im Bild aus den Regeln bricht. Ich denke das baut zusätzlich Spannung auf. Bei diesem Bild ist es eben die Stahlkonstruktion.

    Ich habe schon paar mal ein Kommentar zu dem Bild gelesen, dass auf einen quadratischen Schnitt hinweist. Ich bringe es bis heute leider nichts übers Herz die Spiegelung im linken Gebäude zu kastrieren. Was die Verzeichnung angeht, so muss ich defnitiv hier wenigstens per EBV nachkorrigieren. Das fiel mir bis heute nämlich gar nicht auf, ist aber wohl berechtigt.

    Ich bedanke mich bei Dir und dem ganzen Team von fokussiert.com für die Kritik und die Wahl des Fotos des Monats.

    Schöne Grße aus Frankfurt

    Antworten

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