Laubdach:
Verfremdende Lichtspiele

Manchmal reicht eine ungewöhliche Perspektive für ein spannendes Bild.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sven Ring).

Kommentar des Fotografen:

Allee am Schaumainkai in Frankfurt. Mich beeindruckte das Licht- und Schattenspiel zwischen den hellgrünen Blättern, wirkte es in Farbe noch frühlingshaft frisch, bekommt der „Tunnel“ in der sw-Bearbeitung etwas Geheimnisvolles.

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Sven Ring:

Eine Platanenallee in vollem Laub ist in dieser Schwarz-Weiss-Aufnahme zu sehen. der Blick führt offenbar leicht nach schräg oben in die Kronen der Bäume; durch diese bricht das Licht in gleissenden Ausbrennungen in der Aufnahme nur punktweise herein, das Blätterdach ist relativ dicht und zeigt ein Muster aus Grauwerten. Darunter sind die Stämme der Bäume in der Allee zu erkennen und in der Tiefe des Bildes der Tunnel, den sie bilden.

Diese Aufnahme greift ein einfaches Motiv aus dem Alltag auf, das Dir unterwegs aufgefallen ist – ich würde sie deshalb nicht de Landschaftsfotografie zuordnen, sondern mehr als Schnappschuss bezeichnen, ohne dass das abwertend wirken soll:

Denn schliesslich hast Du hier ein Motiv entdeckt, von denen es in unserer Umgebung viele gibt, die wir aber immer noch viel zu selten sehen.

Bei diesen Platanen sorgen beispielsweise die wellenhaften Verläufe in den ästen für spannende Muster, ein Auf- und Ab in den Helligkeitswerten und eine räumliche Struktur der Fläche.

Ich hätte allerdings den Bildausschnitt enger gewählt und just den Tunnel der Allee weggeschnitten, sprich den gesamten Bildeindruck mehr auf eine abstrakte Ebene gehoben, in der das Subjekt des Motivs nicht mehr so wichtig ist: Was genau dieses spannende Astmuster verursacht, ist nebensächlich, aber das Bild, das dabei entsteht, das ist bedeutend.

BildIch habe das in meinem Beispiel versucht umzusetzen. In dieser Version lasse ich den „Tunnel“ unten rechts ganz weg und mache damit das Motiv weniger erkennbar. Dadurch wird die Musterbildung des Blätterdachs betont und die Fotografie leichtabstrahiert.

Ob es sich damit noch um eine „Landschaftsfotografie“ handelt, kann man diskutieren – dass das Bild spannend ist und der Schwarz-Weiss-Technik gerecht wird, ist hingegen deutlicher. Dass die hellen Teile in der Lichtflut ausgebrannt sind, spielt meiner Ansicht nach in dieser Version eine weit geringere Rolle und wirkt nicht „falsch“, während die rein bildliche Darstellung der Allee die Überbelichtung störend wirken lässt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. Sven Ring says:

    Vielen Dank für die Kritik.
    Der von Dir vorgeschlagene, noch engere Beschnitt gefällt mir auch gut – ganz so mutig wäre ich wohl nicht gewesen. Andererseits fehlt mir dadurch die Tiefenwirkung des Tunnels, das Bild wird flächiger, was bei der Abstraktheit des Motivs gar nicht schlecht ist, mich aber etwas stört.
    Die Belichtung ist mir in diesem Fall ziemlich schwer gefallen – ich arbeite meist mit Zeitautomatik, wähle also die Blende vor, eben wegen der ausgefressenen Lichter. Gibt es da ein paar Tipps?
    Danke für die Anregungen,
    Sven

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Hallo Sven

      Wenn es schnell gehen muss, nutze ich auch die Zeitautomatik (A). Ein Trick dabei, um die Belichtung korrekt zu halten, wenn die Kontrastunterschiede gross sind, ist die Spot- oder Mittenmessung anzuwenden und auf die Lichter zu messen.

      Noch genauer geht es, wenn Du auf manuell umsteigst und dich mit dem Histogramm im Kamera-Monitor vergewisserst, dass Du keine ausgefressenen Lichter hast (Rechtsanschlag der Pixel-Statistik). Glücklicherweise können wir heute ja beliebige Testaufnahmen machen und sie gleich am Bildschirm überprüfen – mach davon Gebrauch, Du lernst schnell sehr viel.

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