Architekturfoto:
M.C. Eschers Fotografien

Abbildungen der Realität wirken bisweilen surrealer als kreative Verfremdungen. An solchen Motiven sollte man sich jedenfalls ausgiebig versuchen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dirk Hunstein).

Kommentar des Fotografen:

Hommage an M.C. Escher – so habe ich das Bild betitelt. Idee war es, die irrealen – unmöglichen – Welten von Eschers Bildern in der Realität nachzubilden. Das Spiel mit Spiegel und Türen, also Durchgängen sowie verschiedenen Ebenen (der Boden scheint im Spiegel höher zu liegen als vor dem Spiegel) machte das Motiv für mich so reizvoll. In der Nachbearbeitung erfolgte keine Bildmontage, also Veränderungen des Bildinhalts, sondern nur Anpassungen von Kontrast, Schärfe usw.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Dirk Hunstein:

In einem Spiegel an einer Wand zwischen zwei Leuchtern mit drei Kerzen oder Kerzen-Glühbirnen ist in dieser Schwarz-Weiss-Aufnahme ein Korridor mit zwei Türen übers Eck zu sehen, von denen die eine deutlich höher als die andere ist. Die Szene wird dominiert von den Schwarz-Weissen Bodenplatten des Korridors.

Ein Bild wie aus einem Videogame – werden junge Leser jetzt sagen:

Die Stimmung in dieser menschenleeren Fotografie würde zum Plot eines Spionagespiels passen.

Es ist düster, verwirrend und ein bisschen unheimlich. Und es ist nicht auf den ersten Blick erfassbar, was eigentlich wohin gehört.

Insofern ist die Hommage an M.C. Escher (Link zur englischsprachigen Wikipedia, die mehr Bilder zeigt) geglückt.

Als Fotografie funktioniert das Bild aus den gleichen Gründen, weshalb Eschers Zeichnungen funktionieren. Die Verwirrung auf den ersten Blick ist gross, das Hirn möchte verstehen, was wo ist. Wir blicken durch einen Raum in einen nicht existierenden Raum hinein und versuchen zu erfassen, was Realität und was Spiegelung ist.

Die Komposition des Bildes ist insofern sehr spannend, als die ganzen Verwinkelungen im Spiegel und nicht in der realen Welt stattfinden. Wir sehen keinen Korridor, sondern in einem Bild das Spiegelbild eines Korridors – Gedankenverrenkung in einer Fotografie, die nicht auf Tricksereien zurückgreift, sind für mich eine sehr interessante Form des fotografischen Ausdrucks.

Die Aufnahme in Schwarz-Weiss umzusetzen, halte ich insofern auch für die richtige Wahl, weil es die Orientierung zusätzlich erschwert und den schönen Plattenboden betont.

Mein einziger Kritikpunkt an der Aufnahme ist deswegen die Kategorie. Ich halte das Bild nicht für eine Architekturaufnahme, sondern für Kreativkunst auf realistischer Ebene. Einmal mehr möchte ich eine Serie ähnlicher Aufnahmen sehen, in der sich das Muster wiederholt und der Effekt zur Perfektion gebracht wird.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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9 Antworten
  1. Torsten says:

    Sorry, Jungs, aber das hier kann nicht wirklich Euer Ernst sein, oder? Bei solchen Kommentaren kann einem die Lust am Lesen und Diskutieren echt vergehen. Hier kommt man sich vor wie in einem Wettbewerb, in dem die Hauptpreise für möglichst komplizierten Ausdruck und die Verwendung von Fremdworten vergeben werden. Das hat nichts mehr mit normaler Wahrnehmung und Fotobewertung zu tun. Schade, dass Fotos wie dieses solchen Diskussionen zum Opfer fallen. Natürlich kann jeder seine Meinung haben und verteten,

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    • Reinhard Witt says:

      …Das hat nichts mehr mit normaler Wahrnehmung und Fotobewertung zu tun…

      Doch, hat es. Jeder so wie er kann oder will. Und es ist doch für den Einsteller noch zusätzlich ein Bonus an Anerkennung wenn erfahrene Fotografen und solche die sich mit Bildern beschäftigen, ein Statement dazu abgeben. Ich fühle mich zumindest geehrt, wenn man durch die Wortwahl einen geschätzten Comment bekommt.
      Allemal lieber als eine SMS ohne Satzzeichen. Horrible…

    • CorinneZS says:

      Schlaues Köpfchen! Wie Du richtig vermutest, handelt es sich um einen Wettbewerb. Dabei belegen Dr. Thomas Brotzler, Reinhard Witt und ich regelmässig die Medaillenplätze, was natürlich Freude macht. (Manchmal frage ich mich, ob die guten Ränge damit zusammen hängen, dass wir die einzigen drei Teilnehmenden sind, aber mir solls recht sein.)

      Wer gewinnt, bekommt übrigens eine Zeile in Extraweiss mit unbeschränkten weissen Buchstaben. Das ist ein äusserst praktisches Tool, wenn man Kommentare schreiben will, die niemand sieht und die nicht stören.

      Wir überlegen uns bereits, die Technologie auf eingereichte Fotos anzuwenden.

  2. CorinneZS says:

    Wow, super, genial!*

    *Auf dieser Homepage unerwünschte Kurzform des Lobes, derer zu bedienen die Autorin sich hier gezwungen fühlt, da ihr vor Bewunderung die Worte fehlen

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  3. Reinhard Witt says:

    :-) Hätte man, ja…
    aber ist es nicht so, dass der Umstand es nicht getan zu haben – diese Unvollkommenheit – sich in dieser Surrealität noch fortsetzt, sie nachträglich sogar noch steigert?…
    Mich stört diese leichte „Verzerrung“ nicht – ganz im Gegenteil.

    Antworten
    • Dr. Thomas Brotzler says:

      Hallo Reinhard, hier bist auch Du wieder nach der kontroversen und interessanten Diskussion unter http://fokussiert.com/2011/08/04/digitale-kunst-die-verpasste-mowe/ … nur scheinen wir heute mit vertauschten Standpunkten zu diskutieren – Du aus einer permissiven, ich hingegen aus einer restriktiven Position heraus. Es mag nicht wundern, wenn ich darin den selbstauferlegten Maßstab des eigenen Architektur- und Innenraum-Portfolios referiere. Demnach sollte eine Entschiedenheit in der Komposition liegen – entweder also „akkurat gerade“ oder „granatenmäßig schief“ (wofür ich viele ansprechende Beispiele anderer Fotografen kenne); ein „bißchen schief“ hingegen wirkt doch wie gewollt und nicht gekonnt …

    • Dirk Hunstein says:

      Dr. Thomas Brotzler schrieb:

      „Zugleich hatte ich aber auch das Gefühl, daß an diesem Bild ‚etwas nicht stimmt‘.“

      Damit wäre genau das erreicht, was erreichen ich wollte, nämlich ein gewisses Unbehagen beim Betrachten des Bildes zu erzeugen ;-)
      Vielleicht passt die Kategorie „Architektur“ nicht ganz, aber sie schien mir die passendste, zumal M.C. Eschers Bilder auch häufig Architekturelemente enthalten – und auch seine Bilder verunsichern beim Betrachten: Kann das sein, dass die Treppe wirklich unendlich ist?
      Gruß
      DiHu

  4. Dr. Thomas Brotzler says:

    Diese Arbeit beeindruckt mich von der Motivwahl, der Lichtführung und der Atmosphäre sehr. Zugleich hatte ich aber auch das Gefühl, daß an diesem Bild „etwas nicht stimmt“.

    Es scheinen im Bild einerseits Spiegelungsartefakte dahingehend, daß die reflektierten Türen tonnenförmig verzeichnet wirken. Der alte Spiegel mag nicht plan sein, deswegen ist dies unvermeidbar und kann als atmosphärisches Element hineinwirken. Als problematisch empfinde ich jedoch die stürzenden Linien am Spiegel selbst i. S. einer Flucht nach unten. Der Schattenwurf des Spiegel zeigt, daß dies nichts mit der Aufhängung zu tun hat, sondern offensichtlich von einer – durch die offensichtliche Weitwinkligkeit der Aufnahme noch akzentuierten – Verkippung der Kamera nach unten herrührt.

    Dies entwertet das Bild leider und hätte durch eine – bei Architektur- und Innenaufnahmen generell zu empfehlende – sorgfältigere Ausrichtung bei der Aufnahme oder Nachbearbeitung vermieden werden können.

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