Kirchenfotografie: Leerstellen für die Fantasie

Ungleichheit und Leere kann ein Bild mit der nötigen Spannung ausstatten. Zu wenig Information ist selten ein grösseres Problem, zu viel Information schon eher.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Sprenger).

Kommentar des Fotografen:

Hallo, Dieses Bild habe ich in der Votivkirche in Wien gemacht, mit einer Nikon D70s, dem Sigma 10-20 (1/30sec und f9) und einem Nikon SB-600. Dass die Säulen nicht symmetrisch zu sehen sind, ist Absicht, liess sich wegen des ungleichen Lichteinfalls aber sowieso nicht vermeiden.

Profi Stuart Schwartz meint zum Bild von Florian Sprenger:

Das ist ein beeindruckendes Bild – ein ungewöhnlich abstrahierender Blickpunkt. Auf jeden Fall handelt es sich um eine grossartige Location. Warum:

Die Symmetrie der Komposition wird begleitet von der dramatischen Beleuchtung. Das Licht, welches durch die Fenster zur Linken strömt und die Säulen auf der rechten Seite beleuchtet, hilft Spannung aufzubauen(wobei ich stark davon ausgehe, dass Photoshop auch eine Rolle an dem Zusammenspiel hat).

Das Licht auf den ringförmigen Leuchter aber ist es, welches dieses Bild zum Singen bringt – die Lichtbalance ist perfekt umgesetzt. Es ist ein klares Verdienst des Fotografen, diese Balance hinzukriegen, denn es ist nicht einfach, sowas anzustellen: Es gibt keine Anzeichen von direktem Schatten, welcher die visuelle Schönheit brechen würden. So können wir die heraustechenden Bögen geniessen, welche die führenden Linien ergeben, die uns ins wiederum ins Motiv hineinziehen und mit den den geometrischen Formen kontrastieren. Die sind ausserdem von architektonischen Formen dramatisch eingerahmt.

Doch diese Bögen, die uns hochziehen, sind nicht das einzige, was die Komposition stützt. Daneben schaffen die Fenster über der Leuchterstruktur eine weitere Tiefenebene dieser Fotografie. Die Tiefe wird weiter betont durch die schwarze Leere zwischen den Elementen.

Insgesamt ist die Tonalität des Bildes perfekt. Es gibt sowohl genug Details, die wir ansehen können, als auch Leerraum, der just durch die Absenz von Details einen starken Punkt ausmachen; wir haben genug Information, aber nicht zu viel. Man stelle sich beide Seiten der Kirche gleichmässig beleuchtet vor: das wäre zu viel Information.

Es ist wichtig, diesen Punkt zu verstehen: Zu viel Information ist sehr oft ein Problem eigentlich gelungener Bilder. Weniger ist in Fotografien tatsächlich mehr, weil die Fantasie die Leerstellen gerne auffüllt.

So „sprechen“ gute Fotografien buchstäblich für sich selber.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.