Spontanes Porträt: Auf Umgebung achten

Auch bei spontanen Fotos sollte auf Einzelheiten geachtet werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gerd Dörfler).

Kommentar des Fotografen:

Portrait einer jungen Frau auf der Straße, die ich spontan angesprochen hatte. Minimal mit Lightroom nachbearbeitet.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Gerd Dörfler:

Eine junge Frau schaut verschmitzt in die Kamera, ihre leuchtend roten Haare im Kontrast mit ihren blauen Augen. Du hast sie spontan angesprochen, und sie wirkt, als würde sie gerne fotografiert. Ein alles in allem gut gelungenes Porträt, wenn nicht der für mich störende Hintergrund wäre.

Auch wenn Du die junge Dame spontan angesprochen hast, ist es ein gestelltes Foto. Du hattest also genügend Zeit, sie in Szene zu setzen, den Inhalt zu gestalten. Das kann relativ schnell geschehen, es bedarf nur einer Beachtung Deiner Umgebung und dessen, was im Foto (unbeabsichtigt) mit abgebildet wird.

Die extreme Blende und kurze Brennweite haben den Hintergrund verschwimmen lassen – aber nicht genug, um das graue Etwas, das dem Modell regelrecht aus dem Rücken wächst, verschwinden zu lassen. Ich nehme einmal an, es handelt sich um ihren Rucksack (die Träger sind sichtbar). Wenn sie nett genug war, für Deine Kamera still zu halten, hätte sie den Rucksack bestimmt schnell abgenommen.

Streng beschnittenWenn nicht, oder wenn Dir das wie hier erst hinterher auffällt (ist mir auch schon mehrmals passiert, insbesondere am Anfang), kannst Du das Foto eigentlich nur noch so beschneiden, daß man sich auf das Gesicht konzentriert und der Rucksack nicht mehr sichtbar ist.

Ein Aufhellblitz oder Ähnliches ist nicht benutzt worden, das Foto ist mit natürlichem Licht entstanden. Dadurch ist das Foto eher dunkel. Ich persönlich hätte sie etwas mehr aufgehellt, so daß ihre Augen zur Geltung kommen.

Aufgehellt und so beschnitten, daß die Augen der jungen Frau im Goldenen Schnitt sind, hätte Dein Porträt so ausgesehen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare
  1. Gerd Dörfler sagte:

    So, dann mal auch ein paar Worte von mir als Urheber des Bildes ;-)
    Freut mich, dass es unterschiedliche Meinungen gibt. Ich muss gestehen: Den Rucksack wollte ich mit im Bild haben, aber nicht in der Form. Leider kam das unglücklich so zustande, das hätte ich durchaus besser planen sollen/können. War aber in der Hektik des Fotografierens leider untergegangen, da das Bild wirklich sehr spontan entstanden ist. Naja, aber ich hoffe beim nächsten werde ich besser auf sowas achten ;)

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  2. Luciana sagte:

    Ich muss zugeben mich hat, als ich das Foto spontan betrachtete, das graue „Etwas“ auch gestört und sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich konnte es auch nach längerem Betrachten nicht als Rucksack identifizieren. Dieses Etwas wirkt störend und irritierend und lenkt vom hübschen Gesicht zu sehr ab.

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  3. Sofie Dittmann sagte:

    Ich habe ja bereits durchblicken lassen, daß der Beschnitt nicht das Ideale ist. Ich mußte aber bei dem grauen Etwas mehrmals hinschauen, bevor ich erkannt habe, um was es sich eigentlich handelt. Auf den ersten Blick sieht das für mich aus wie ein Müllkontainer.

    Wenn man Zeit hat, mit einem Modell zu arbeiten, sind diese Dinge vermeidbar. Wenn der Rucksack mit ins Bild soll, dann so, daß er auch als solcher im Bild ist und der jungen Dame nicht irgendwas aus dem Rücken wächst.

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  4. Bernhard sagte:

    Da bin ich absolut anderer Meinung. Um den Rucksack geht es doch, ist er doch der Kontext, der uns erzählt, dass es sich um eine Fahradkuriöse handelt, oder wie man das sagt. Er erzählt außerdem die Beziehung, in der der Fotograf zur abgelichteten Person steht, nämlich eine entfernte. Und er gibt dem Bild die Spontanität, die es mit dem vorgeschlagenem Beschnitt nicht mehr hat. Dann ist es nämlich nur noch ein evtl. nettes Bild wie viele andere.

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