Kinderporträt in Schwarzweiß: Den besonderen Augenblick abwarten

Warten lohnt sich, insbesondere bei vielfotografierten Motiven. Dann bekommt man oft ein Motiv geboten, das sich von Gewöhnlichen, das man schon hundertmal so gesehen hat, abhebt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Michael Krämer).

Kommentar des Fotografen:

Eines meiner Lieblingsmotive zur Zeit, mein Enkelkind. Das Wachsen, Lernen, Entdecken und Erfahren mitzuerleben und im Bild festzuhalten macht unheimlich Freude.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Michael Krämer:

Das eigene Kind, insbesondere das erstgeborene, und Enkelkinder gehören in unserer Gesellschaft wahrscheinlich zu den meistfotografierten Personen. Jeder Schritt, jedes Lächeln wird festgehalten. Das war bei meiner Tochter damals so, die wohl das meistfotografierte Kind der Stadt war, und ich kenne eigentlich nur Fälle, die die Regel bestätigen. Man kann sich dem Zauber von (Klein-)Kindern auch nur schwer entziehen:

Alles ist neu, alles ist aufregend, und sie gehen auf Dinge mit einer Neugierde und Begeisterung zu (und ein), die uns Erwachsenen schon längst abhanden gekommen ist.

Es ist da schwierig, Fotos von diesem Motiv zu schießen, die auch für Unbeteiligte interessant sind. Freunde von uns haben Zwillinge, und ich bekomme online immer die gleichen Fotos auf Schaukeln und im Sandkasten zu sehen. Eine andere Bekannte stellt immer nur Fotos ein, in der ihre Tochter in die Kamera starrt, als hätte sie diese zum ersten Mal gesehen. Süßes Kind, aber das war es dann auch.

Du hast hier Deine Enkeltochter in einem Moment festgehalten, in dem auch ich gerne länger verweilen möchte. Die Kleine spielt selbstvergessen in einem Brunnen. Ich sitze in Gedanken mit am Rand des Brunnens und schaue ihr beim Entdecken zu. Es erinnert mich an die Zeit, als meine Kinder in dem Alter waren. Augenscheinlich ist sie nicht nur äußerst unterhalten dadurch, sie hat einen Riesenspaß – und war wahrscheinlich klitschnaß später, aber wen kümmert das.

Glückwunsch zu dieser meines Erachtens gelungenen Porträtaufnahme. Ein hübsches Motiv, gut fotografiert. Die Kleine hebt sich von ihrem Hintergrund durch die gewählte Blende/Brennweite gut ab. Es gibt nur einen Punkt, den ich zu kritisieren habe: ich wettere hier schon eine ganze Zeit gegen digitale Einrahmung von Fotos, weil diese meiner Meinung nach nie zum Bild beitragen. Ein gutes Foto wird dadurch nicht besser, ein schlechtes auch nicht. Den Effekt hätte ich hier weggelassen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare
  1. Nobby sagte:

    Ich war so fasziniert vom obigen Foto, dass ich den Rahmen erst nach Lesen des Profikommentars entdeckt habe! So what :-) Gratuliere zu dem absolut gelungenen S/W Bild!

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  2. Michael Krämer sagte:

    Hi Ihr,

    manchmal macht man Dinge, manchmal lässt man sie. Es ist einfach Tagesform. Das Bild hängt bei uns ohne Rahmen, im Netz ist es nur mit Rahmen und wie Reinhard schon anmerkte bin ich eigentlich gegen digitale Rahmen, aber man kann ja mal testen was andere dazu meinen und so fühle ich mich mit der Kritik ganz gut:)

    Danke für die Kritik und auch deine Anmerkung Reinhard.

    Allen ein schönes WE mit tollen Motiven und viel wichtiger, de richtigen Blick für diese.

    Micha

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  3. Reinhard Witt sagte:

    Glückwunsch Micha… freut mich ehrlich…
    Warum Du, der immer gegen diese Effekte wie Rahmen gewettert hat, jetzt so urplötzlich eigentlich DEN Fehler seines Lebens begeht – :-) bleibt mir verschlossen…
    Zoe ist und bleibt Blickfang genug – auch ohne irgendeine Bea und im Grunde Deines Herzens weißt Du das auch… :-)

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