Eine helfende Hand: Straßenfoto mit Berührung

Gute Streetaufnahmen fixieren eine sich spontan vor den Augen des Fotografen entfaltende Geschichte so, daß der Betrachter automatisch ins Foto gezogen wird.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© peter gutzat).

Kommentar des Fotografen:

Immer aus der suche nach was besonderen! in einer stadt in süddeutschland gesehen. so schnell wie es kam, so schnell war das motiv verschwunden. EILE WAR GEBOTEN, eine möglichkeit hatte ich. NUR DIESE !!!

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Peter Gutzat:

Der Reiz guter Straßenfotografie ist, Menschen in ihrem Alltag, in ihrer Umgebung so festzuhalten, daß das Foto zum Augenzeugen wird. Da sich die Situationen genauso schnell verflüchtigen, wie sie dem Fotografen gewissermaßen vor die Linse springen, ist es wichtig, Abläufe vorhersehen zu können, um im richtigen Augenblick auf den Auslöser zu drücken:

Bei vielen bekannten Presse-, Dokumentar- und Streetfotografen fragt man sich unwillkürlich, wie irgendjemand so ein Bild hat aufnehmen können, ohne von seinem Modell bemerkt zu werden. Manche hatten, wie Roman Vishniak oder Henri Cartier-Bresson, ihre Kamera unter einem Taschentuch oder im Mantel. Steve McCurry, der schon seit Jahren für National Geographic in aller Herren Länder unterwegs ist, beschrieb während einer Lesung hier in Ohio seine „Strategie“ in etwa so: Er hält sich so lange an einem Ort auf, bis seine Umgebung regelrecht vergißt, daß er da ist. So bekommt er unbeobachtete Momente geboten, die er sonst nicht hätte aufnehmen können.

Häufig sehe ich im Internet Straßenaufnahmen, die Menschen von hinten zeigen. Auch wenn ich keine genauere Recherchen angestellt habe, könnte ich mir vorstellen, daß das daran liegt, daß der jeweilige Fotograf nicht dieselben Hemmungen hatte, jemanden ohne sein Wissen abzulichten. Insbesondere in Deutschland kann man damit Probleme bekommen. Hier hätte allerdings eine Frontalaufnahme den Moment komplett verpaßt.

Du hast hier einen älteren Mann am Rollator zusammen mit seiner Pflegerin oder einer ansonsten in einen Kittel gehüllten Frau (Verwandte? Familienfreundin?) fotografiert. Ihre Hand hat sie an seinen Rücken gelegt, während er langsam seinen Weg durch den Gang findet. Eine einfühlsame Szene, die mir insgesamt gut gefällt. Die beiden Gestalten füllen den Rahmen des Bildes gut aus, man fragt sich unwillkürlich, was der Hintergrund dieser Szene ist – erster Spaziergang nach einer Operation etwa. Ich persönlich hätte das Foto etwas aufgehellt und die Vignettierung weggelassen – das Foto braucht diesen Effekt nicht und hätte auch so gut ausgesehen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

2 Kommentare
  1. peter gutzat sagte:

    VIELEN dank.

    zunächst möchte ich mich bei allen bedanken, die dieses Foto in die Bildkritik gestellt haben.
    Bei meiner Fotografie geht es mir nicht um den Inhalt, sondern ausschliesslich um die Aussage des Fotos.
    Umsomehr erfreut es mich, dass man mich auf eine Schiene mit den alten Meistern der Strassenfotografie stellt.
    Dafür bedanke ich mich recht herzlich bei allen und wäre froh annähernd an ihre Fotos zu knüpfen.

    Mehr von mir zu sehen gibt es unter diesem Link

    http://en.flickeflu.com/photos/54035820@N06

    Ich wünsche allen Fotografen ausgezeichnete Erfolge.

    Mit freundlichen Grüssen
    Peter Gutzat

    Antworten
  2. Rudi sagte:

    ich komme gerade aus dem Krankenhaus – die Aussage des Bildes (jung-alt, gesund-krank, Fürsorge …) ist absolut getroffen und gibt eine Ahnung von der Wirklichkeit, die sich hinter den Toren der Heime, Krankenhäuser und Anstalten normalerweise verbirgt. Die gehört mehr zu unserer Realität als wir uns wünschen.

    Ja, die Vignettierung ist nicht nur überflüssig, sie stört. Sehr passend allerdings die Unterbelichtung und vor allem die niedrige Aufnahmeposition. Die Gewölbedecke mit den tollen Licht- und Schattenspiel sowie die Lampe eröffnen Raum für weitere Assoziationen des Betrachters.

    Absolut starkes Foto! Und ein Beleg dafür, dass ein gutes Auge durch noch soviel Technikbrimborium nicht zu ersetzen ist.

    „Besser die Kleine in der Hand als die Große im Wohnzimmerschrank!“

    Antworten

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