Natürliches Porträt: Weissraum am Bildrand vermeiden

Das natürliche Licht bietet uns eine Fülle von schönen Lichtsituationen, geignet für Porträtaufnahmen. Allerdings muss nicht nur unser Motiv gut wirken, sondern auch durch eine gekonnte Bildgestaltung verstärkt werden, was hier nur teilweise gelingt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Oliver Zwahlen).

Kommentar des Fotografen:

Ich wollte direkt meine neue Nikon P7000 ausprobieren und bin mit einer Kollegin diesen Sommer nach Hettiswil gefahren um dort mit Ihr ein paar Portrait-Aufnahmen zu schiessen. Ich fand das hier am besten. Wirkt irgendwie sehr natürlich.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Oliver Zwahlen:

Natürlich ist bei Porträtaufnahmen der abgebildete Mensch das Wichtigste. Er sollte auf aussenstehende Betrachter interessant, sympathisch, attraktiv oder anziehend wirken. Oliver Zwahlen zeigt uns eine lockere Porträtaufnahme einer jungen Frau:

Die Pose wirkt recht natürlich, die Lichtstimmung schön. Und trotzdem gibt es ein paar Elemente im Bild, die uns ablenken und die Bildwirkung beeinträchtigen.

Durch eine offene Blende wird der Blick des Betrachters zum Gesicht geführt und der Hintergrund unscharf wiedergegeben. So wird das Gesicht freigestellt und betont. Was allerdings etwas verwirrt, ist der Blick. Er geht nicht in die Kamera, sondern leicht daran vorbei. So werden wir nicht direkt ins Bild gezogen, aber gleichzeitig ist dieser Blick auch sehr unbestimmt. Die Handstellung am Pullover wirkt etwas gestellt, sodass nicht die von Dir angestrebte ganz natürliche Stimmung aufkommen kann.

Ein Problem sind auch die sehr hellen Bereiche links und rechts vom Kopf. Diese wirken sehr dominant und lenken sehr stark ab. Sie stehen in direkter Konkurrenz zum Gesicht. Für Andreas Feininger sind solche hellen Bereiche am Bildrand klare Gestaltungsfehler.

Ich frage mich, ob auch der Grashalm vor dem Model stört. Auf der einen Seite können solche Grashalme vor dem Motiv eine Tiefe suggerieren und den beobachtenden Charakter der Aufnahme verstärken. Hier ist er aber so klein und fein abgebildet, dass er für mich ehere störend wirkt. Die gewünschte Tiefenwirkung kann er so nicht entfalten.

Fazit: Eine stimmungsvolle Porträtaufnahme, die allerdings noch ein paar technische und gestalterische Verbesserungsmöglichkeiten hat.

 

 

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4 Kommentare
  1. Reinhard sagte:

    Mich stört nix an dem Bild… :-) Bis auf die Ansage: … sie sollte an etwas Sinnliches denken… Hm… Ausdruck funktioniert irgendwie anders… insofern gehe ich mit Martin durchaus konform.

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  2. Oliver sagte:

    Hallo

    Besten Dank Martin für deine Bildkritik

    Ich habe ihr damals die Anweisung gegeben, sie solle an etwas sinnliches denken… deshalb wahrscheinlich auch der Blick an der Kamera vorbei.
    Der Grashalm ist mir so gar nicht richtig aufgefallen, erst jetzt wo du mich drauf aufmerksam gemacht hast, stört er mich auch.

    Wahrscheinlich hätte ich einwenig von oben runter fotografieren müssen, um die weissen Flächen nicht im Bild zu haben. Sie stören noch mehr als der Grashalm.

    Besten Dank für die Tips. Werde versuchen diese beim meinen weiteren Fotografien umzusetzten.

    Grüsse Oli

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  3. Frau Zausel sagte:

    Mich stört der Blick auch nicht. Es fördert doch das Kopfkino, wenn man sich überlegen kann, wo die Frau hin schaut oder ist sie einfach nur in Gedanken versunken? Und wenn ja, sind es Sehnsuchtsgedanken? Woran denkt sie? Der Grashalm und die Lichtpunkte stören mich allerdings auch. Wären es mehrere Grashalme, könnte man meinen, es wäre absichtlich so gestaltet, aber so ein einzelner lenkt ab. Aber im Großen und Ganzen ein sehr schönes Portrait. Mir gefällts! LG Frau Zausel

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  4. Diana Roscher sagte:

    Also der Blick stöhrt mich nicht…man muss doch nicht unbedingt in die Kamera schauen um ein tolles Portrait zu bekommen. Ich finde es lenkt auch nicht ab! Das einzige was mich wirklich ablenkt sind die Lichtpunkte rechts und links neben dem Kopf!!!
    Ansonsten ein echt schönes Portrait!

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