Strandbild: Urlaubsfoto mit Minimenschen

Wenn auf Urlaubsfotos die Familie zu sehen ist, sollte sie auch zu erkennen sein. Hier versuchte die Fotografin einen Spagat zwischen Erinnerungsfoto und Landschaftsaufnahme, die leider misslungen ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sara Obornik).

Kommentar des Fotografen:

Ich bin Hobbyfotografin und lese seit langem mit grossem Interesse die Bildkritiken und versuche die Tipps auch bei meinen Bildern umzusetzen. Dieses Bild entstand im Dänemark-Urlaub im letzten Herbst an der ruhigen Ostsee beim Standspaziergang mit einer einfachen Compact-Kamera. Es gefällt mir vom Bildaufbau sehr gut. (Als Kategorie hätte ich Urlaubsbild gewählt, zu sehen sind meine Lieben. ;-))

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Sara Obornik:

Das gezeigte Foto ist ein Urlaubsfoto mit der Familie der Fotografin drauf für das heimische Fotoalbum. Ihr gefällt der Bildaufbau sehr gut – und damit hat sich die Sache erledigt. Schönes Bild, Klebe-ecken ran und rein ins Album. Da es aber für eine ausführliche Bildkritik eingesandt wurde, können wir es dabei nicht belassen. Ich habe nun das schwere Los, der Fotografin zu sagen, dass mich der Bildaufbau überhaupt nicht überzeugt. Das hat mehrere Gründe. Aber erst mal das Positive:

Der Horizont ist genau waagerecht ausgerichtet und die beiden großen Steine im Vordergrund bilden zusammen mit der Familie im Hintergrund ein Dreieck, zwischen dem der Blick hin- und herwandern kann.

Der radikale Schnitt hilft dem Bild, aber nicht dem Zweck als Urlaubsfoto.Aber halt, habt Ihr etwas bemerkt? Die Familie im Hintergrund auf dem Urlaubsfoto? Was denn nun? Wenn es ein richtiges Urlaubsfoto sein soll, das heißt, ein Foto, auf dem die teilnehmenden Personen alle gut zu erkennen sind und sich später gut an die tolle Zeit erinnern können und die Daheimgebliebenden ebenfalls erahnen können, wie toll der Urlaub war: Dann sind die drei Personen auf dem Bild eindeutig viel zu klein abgebildet.

Wenn jedoch die Schönheit der Natur im Mittelpunkt stehen soll, dann überzeugt leider weder der unaufgeräumte Strand, das dunkle Stück Schlick rechts unten im Bild, noch der diesige Himmel. Zwischen den beiden großen Steinen ist dann zuviel Leere. Diese wird zwar gefüllt von Sand und vielen kleinen Steinchen, diese sind jedoch nicht aufsehenserregend genug, um das Foto „zu tragen“.

Geholfen hätte hier entweder ein ungewöhnlicherer Blickwinkel, zum Beispiel viel dichter in Bodennähe, eine spannendere Gesteinsformation oder ein anderer Beschnitt. Ich habe das Foto versuchshalber mal zu einem radikalen Hochformat-Panorma beschnitten und siehe da: Es ist kein Meisterwerk geworden, sieht aber deutlich spannender aus als die Ausgangsvariante. Allerdings sind die Menschen nicht mehr drauf und der Zweck als Urlaubsbild damit ebenfalls hinfällig.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Kommentare
  1. Christian Gruber sagte:

    Als ambitionierter Hobbyfotograf hat man immer das Problem, familiäre Anlässe (Geburtstag, Urlaub, Ausflug, Schulfeste, Kindergartenfeste, …) irgendwie zu dokumentieren. Das da selten für jedermann spannende Fotos rauskommen ist so, und meines erachtens auch ein Indikator für den Unterschied Hobby – Profi. Es fehlt meist die Zeit und eben noch das routinierte Auge.
    Die Kritik passt, und so werden auch Urlaubsfotos besser. Es geht nur über Üben, selbstreflektion, kritiken, ärgern, üben.

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  2. Gerd Dörfler sagte:

    Hmmmmmm………….also ich muss sagen, für ein Urlaubsbild ist es verdammt gut. Die Besprechung kann ich diesmal überhaupt nicht nachvollziehen. Bei all den Standard Urlaubsbildern, die krumm, schief und ohne Komposition sind, ragt dieses deutlich hervor und man sieht, dass die Fotografin sich was dabei gedacht hat. Technisch ist es auch perfekt, soweit man das beurteilen kann…..Also ich mag’s!

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