Brandenburger Tor: Der Teufel liegt im Detail

11 Kommentare
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    Markus sagte:

    „Fast vollkommen“ ist wie „ein bisschen schwanger“ ;-)
    Gerade in der Architekturfotografie ist doch „fast ausgerichtet“ eben doch daneben, wie hier bei einigen Fotos ja auch schon angemerkt wurde. Von daher kann ich Daniels Einwand gut verstehen. Entweder man legt es auf Symmetrie an, dann sollte sie – soweit in der Realität möglich – perfekt sein, oder man bricht mit ihr – dann aber so deutlich, dass es auch gewollt aussieht.

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    daniel sagte:

    Erst einmal, finde ich das Foto sehr gelungen. Was mir aber als erstes aufgefallen ist, dass das Bild Symmetrisch sein soll, stimmt leider nicht… wenn man genau hinschaut sieht man dass der Fotograph zu weit links steht. Einfach zu erkennen bei den inneren Säulen, oder an den äusseren Fenster bei den hinteren Häuser an den Bildrändern. Aber vielleicht fällt einem dies ja auch nur auf wenn man schon ein ähnliches Foto am gleichen ort gemacht hat. Dass Problem mit den vielen Touristen habe ich mit Graufilter gelöst, leider auch nicht so ganz zufriedenstellend. Darum werde ich dass wohl auch einmal so wie du am morgen oder spät abends versuchen wenn weniger Läute vor Ort sind. direkt link

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    Dr. Thomas Brotzler sagte:

    Auch für mich wirft das Foto einige Fragen auf, die Sabina vielleicht noch klären kann …

    Das eine ist ja ein ausgeprägtes Clipping und Blooming – also diffundierende Überstrahlungen – rund um die Sonne, wie man es auch bei konventionellen Aufnahmen sieht. Das andere sind die hier schon angesprochenden Aureolen. Zunächst dachte ich auch an „Photomatix quick and dirty“, aber dann wurde ich stutzig. Sabina spricht selbst von einer konventionellen Aufnahme, nicht von einer Belichtungsreihe. Die Freihändigkeit ist ein weiteres Indiz in diese Richtung. Mittlerweile glaube ich, daß die ungewöhnliche Helligkeit des Motivs (die Gegenlichtsituation ließe eher einen Scherenschnitt erwarten) eher von einem massiven lokalen Abwedeln herrührt, und daß die Randsäume Ausdruck einer unsauberen Freistellung sind.

    Der wohlmeinenden Rezension kann ich mich aufgrund solchermaßen beschriebener, erheblicher technischer Mängel nicht uneingeschränkt anschließen. Sofie, was ist mit Deinem sonst doch so scharfen Auge?

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      Sofie Dittmann sagte:

      Ich suche mir persönlich nur Fotos aus, zu denen ich a) überhaupt etwas zu sagen habe, und b) etwas Konstruktives zu kritisieren. An Verissen bin ich persönlich nicht interessiert, denn m.E. ist das Ziel einer Bildbesprechung hier u.a., daß die Fotografin in der Zukunft etwas verbessern kann. Im allgemeinen sind meine Kritiken also eher „wohlwollend“.

      In diesem Sinne konzentriere ich mich generell auch nur auf ein oder zwei Dinge, denn eine umfassendere Behandlung würde den Rahmen desjenigen, was mir hier möglich ist, sprengen. Das ist oft das, was mir als erstes ins Auge springt – hier die Kompositionsmängel. Die Auraeffekte können hier durch die Art der Nachbearbeitung entstanden sein, durch die Art der Aufnahme, oder es ist tatsächlich ein Pseudo-HDR – wie dem auch immer sei, ich sehe sie als nicht so gravierend wie andere, von mir angesprochene Mängel.

      Die Qualität der Fotos, die uns als Kritikern zur Verfügung stehen, bestimmt Ihr als unsere Leser. Ich hatte bereits das Vergnügen, äußerst anspruchsvolle Bilder besprechen zu können. Und das heißt nicht immer perfekte Studiobilder – die sind sogar eher langweilig, denn wer will schon „wow, toll“ als einzigen Satz einer Bildkritik? Es beinhaltet für mich auch sehr experimentelle, auf den ersten Blick unvollkommene Aufnahmen, die allerdings eine Vision und Blickwinkel verraten, die anderen Fotografen abgehen.

      Last but not least ist es für mich hier immer hochinteressant, welche Bilder und Besprechungen was an Leserreaktionen hervorrufen. Manches von dem, worauf ich regelrecht Wetten abgeschlossen hätte, bekommt NULL Reaktion, anderes ist so kontrovers, daß ich schon mehr als baff bin.

      Also, Thomas: mein scharfes Auge sieht mehr, als meine Feder erwähnt, und aus Gründen, die nicht immer ersichtlich sind. :)

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      Dr. Thomas Brotzler sagte:

      Bilddiskussionen im Internet zum einen und solche bei meinen Workshops und Künstlergesprächen zum anderen erlebe ich völlig unterschiedlich. Hinsichtlich des Internets etwa kenne ich sehr wohl die von Dir erwähnte Unwägbarkeit der Reaktion. Und es erscheint mir dort auch ungleich schwieriger, das Bild eines anderen und damit auch die dafür stehende Person in angemessener Weise „anzufassen“. In der realen Situation bekommen wir ja viel mehr Rückmeldungen hinsichtlich der Diskussions- und Kritikbereitschaft des Gegenübers, was wiederum den Kontakt steuert.

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      Sofie Dittmann sagte:

      Mein Kunstmalervater und seine Kollegen waren immer sehr direkt in ihren Verrissen. Ich war mehrmals zugegen, als einer dem anderen mehr oder weniger sagte, er könne nicht glauben, was für einen Mist der andere da gemalt habe.

      Ich fand das immer ziemlich krass. Allerdings war dann die Aussage meines Vaters, die sich positiv zu meinen Fotos äußerte, um so wertvoller. Er meinte nämlich das, was er sagte.

      Die schwierige Balance ist immer, fair zu bleiben – credit where credit is due, wie wir Amerikaner sagen. Wenn ein Bild wirklich schlecht ist, nehme ich es hier garnicht erst als Kritikobjekt an, denn ich habe wirklich NICHTS Positives darüber zu sagen. Wenn man ein Foto zu einem Lehrobjekt für andere machen kann, ist das etwas anderes.

      Allerdings gebe ich Dir recht, es ist schwieriger, darüber innerhalb eines begrenzten Rahmens zu schreiben, als mit jemandem persönlich darüber zu diskutieren.

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      Dr. Thomas Brotzler sagte:

      Ein sehr persönliches Statement. Vielen Dank dafür, Sofie!

      Ich selbst komme ja ursprünglich von der Malerei, und da diese formal noch viel weniger festgelegt ist wie die Fotografie, kann man sich da natürlich trefflich die Köpfe heiß reden. Und auch für mich war und ist die künstlerische Entwicklung ganz wesentlich geprägt von persönlichen Begegnungen – zuvorderst natürlich mit meinen (auf der Homepage benannten) Lehrern und Mentoren, später mit Künstlerkollegen, und heute eben auch mit Ausstellungsbesuchern und Workshopteilnehmern.

      Kunst ist für mich insofern genuin ein Entdeckungs- und Begegnungsprozeß. Das Internet (wie vorbildhaft auch Eure Seite) kann hierbei ein Sahnehäubchen sein, das Erwähnte aber nicht ersetzen.

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    Andreas Wenter sagte:

    Servus Sabine: hatte auch schon mal das Vergnügen eines Sonntag-Morgen bei meinem letzten Berlin Besuch eine menschenleere Innenstadt vorzufinden – zum Fotografieren ein Traum!
    Zum Foto: mit dem Kommentar von Sofie ist meiner Meinung nach alles gesagt! Chapeau!
    lg Andi

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