Schnappschuß in Bauruine:
Ein paar Schritte mehr

Wenn ein Foto Potential hat, kann man mit nur ein bisschen Nachbearbeitung daraus ein Kunstwerk machen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Gerhard Frenzel).

Kommentar des Fotografen:

Eine Bauruine, die hier zwar am Rand des Industríegebietes steht, aber trotzdem die Landschaft verschandelt. Im inneren ist dieses Loch, was mich nahezu festhielt, es irgendwie zu fotografieren. Nach ca 30 verschiedenen Blickwinkeln ist dieses daraus enstanden.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Gerhard Frenzel:

Dein Bild hat mich aus den von Dir genannten Gründen angesprochen. Diese Öffnung hält einen fest, man muss sie förmlich fotografieren. Das Bild dann aber nicht weiter zu bearbeiten, heißt, es bei einem Schnappschuß zu belassen, wo ein Kunstfoto möglich gewesen wäre.

Wie schon ad nauseum hier ausgeführt, kommen in den allerseltensten Fällen Bilder vollkommen aus der Kamera.

Da sind die Licht- und Kontrastverhältnisse, die Situation an sich, die Zeit, die der Fotograf sich nimmt, um das Bild zu komponieren. Bei Deinem Foto kann ich keinerlei Nachbearbeitung erkennen, und doch wäre es so einfach gewesen, mit einem oder zwei Mausklicks (OK, es waren ein paar mehr) aus diesem Foto das herauszuholen, was bereits angelegt war: etwas Außerordentliches.

Entzerrt, entfärbt, Kontrast erhöht.

Erschwingliche Programme gibt es zu Hauf, und meines Erachtens ist es auch für einen ernsthaften Amateur angezeigt, sich mit seinen Fotos auch NACH der Aufnahme noch etwas zu befassen. Je länger man fotografiert, desto weniger Zeit wird es kosten, denn bestimmte Dinge wurden bei der Aufnahme bereits berücksichtigt und „ausgebügelt“.

Ich selbst war regelrecht baff, als ich diese Aufnahme durch Photoshop „zog“. Ich habe zunächst den Kontrast erhöht und die Farben etwas verstärkt. Allein dadurch treten die dunklen Flächen (Decken), die sich graduell nach oben erhellen, besser hervor.

Ich habe es auch etwas entzerrt, denn Du hast hier, wie ich es auch getan hätte, Symmetrie angestrebt, sie aber nicht voll erzielt. Schließlich habe ich es in Schwarzweiß verwandelt, und da erhält das Bild einen Ausdruck, der mich persönlich beeindruckt. Ich hatte erwartet, daß das Foto in monochrom gut aussehen könnte, aber jetzt treten die Strukturen im Beton stärker hervor, das ganze wird zum Kunstfoto.

Was man aber auch dann erst sieht, ist, daß sich an der unteren linken Bildecke ein Betonträger befindet, den es rechts nicht gibt. Bei der Aufnahme wäre das wohl zu vermeiden gewesen, und er stört mich persönlich, weil er die Symmetrie beeinträchtigt. Ich habe ihn deshalb zu Anschauungszwecken wegretouchiert (was man allerdings sieht, denn ich habe nicht die nötige Zeit darauf verwandt). Das wäre allerdings nicht unbedingt nötig gewesen.

In der Rubrik ?Bildkritik? analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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9 Antworten
  1. Wolfgang says:

    Mir gefallen im Original die Graffitis sehr, sie geben dem Bild Würze.
    In der grafischen s/w Ausarbeitung von Sofie, die ich klasse finde, hätte ich sie wohl weggestempelt, oder aber als Colourkey herausgehoben.
    Es kommt in der Tat darauf an, was man aussagen will.

    Gruß
    Wolfgang

    Antworten
  2. thomaspom says:

    ja, eine beeindruckende ausarbeitung in sw!
    was die fotografische leistung natürlich nicht schmälern soll. der standpunkt ist prima gewählt und die komposition des bildes gelungen.
    beim sw fehlt mir nur die farbe der graffitis, die das ganze in seiner künstlerischen wirkung noch steigern könnte. meine meinung, ist natürlich geschmackssache.

    dieses motiv könnte ich mir auch gut als hdr oder pseudo-hdr vorstellen.

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    • Sofie Dittmann says:

      Ja, DA kommt es dann darauf an, worauf Du als Künstler hinaus willst. Wenn Du die Graffiti etwa als Color key drinläßt, ist das Deine persönliche Sache. Ich denke aber, daß es hier auf die graduellen Unterschiede in den Flächen mehr angkommt…

    • Sofie Dittmann says:

      Ja, nicht soviel Dramatik, aber Du hast ja auch nicht den Kontrast so sehr erhöht. Gefällt mir WESENTLICH besser, wenn ich auch finde, daß der quadratische Schnitt nicht unbedingt sein müßte. Entzerren reicht schon. Aber das Prinzip hast Du ja angewendet… :)

  3. Dr. Thomas Brotzler says:

    Well done, Sofie! Sowohl die bildliche Ausarbeitung wie auch die textliche Heranführung an die „nötigen letzten Schritte“ gefallen mir sehr gut. Es ist „Unterricht vom Feinsten“, und das frei Haus. Auch ist Wiederholung das Schicksal der Lehrenden, da müßte einem eigentlich keine „nausea“ und schon gar kein „projectile vomiting“ widerfahren :o) …

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    • Sofie Dittmann says:

      Vielen Dank für Deine lieben Worte. Es hätte sowieso „ad nauseam“ heißen sollen… :) Wiederholungen sind für MICH OK, aber ich denke immer daran, daß Ihr als Leser das dann auch zum Hundertsten Mal lesen müßt… Jaja, nicht zu vermeiden, und ja auch lehrreich.

  4. peter gutzat says:

    guten tag,

    es bedarf etwas zeit,SICH AUF DIESEM FOTO ZURECHTZUFINDEN!!!
    der spontane eindruck war UNWISSENHEIT……….was ist das !

    nach längerer beschauung alles ok. möchte diese arbeit nicht schmälern. ABER die ÜBERARBEITET VERSION von fr. dittmann
    ist einfach besser gelungen, der kontrast zeichnet sich hier KLAR AUS. schwarz-weiss foto leben von dieser eigenschaft usw..

    einfache kostenlose bildbearbeitungs programme gibt es im NETZ an groh.ich arbeite sehr gerne mit picnik>>>>>einfach und gut.übung macht den …..

    wünsche weiterhin schöne kontrastreiche s/W fotos

    gruss peter gutzat

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