HDR:
Blick in den Lauf

Mit HDR und selektiver Schärfe lassen sich Dinge in den Vordergrund rücken, die wir nicht so oft „sehen“.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Pascal Steinbusch).

Kommentar des Fotografen:

HDR Aufnahme eines Panzerrohrs, sozusagen ein Porträt eines Panzerrohrs.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Pascal Steinbusch:

Der Lauf einer offenbar ausrangierten Panzerhaubitze ragt uns in diesem grau braunen Farbbild direkt ins Blickfeld. Ihre Mündung mit den Öffnungen zur Streuung des Mündungsfeuers liegt in der Schärfe der Offenblende-Aufnahme, mit HDR ist der Kontrastumfang erhöht wurden, und wir sehen die rostigen Kanten. Der Hintergrund des breitformatigen Bildes wird vom Turm des Gefährts und einem Wald gebildet, die beide in der Unschärfe verschwimmen, während der Himmel zwischen den Bäumen ausbrennt.

HDR, die Technik zur Erhöhung des Kontrastumfangs von Fotografien, wird meist mit grossen Blickwinkeln und Übersichtsaufnahmen bei geschlossener Blende angewandt:

In dem Bild sollen möglichst viele Details sowohl durch Schärfentiefe als auch Kontrastbereich sichtbar werden.

Insofern sticht Deine Aufnahme aus der Masse heraus, weil sie trotz Weitwinkel durch grosse Nähe und offenbar eine offene Blende eine stark begrenzte Schärfentiefe nur auf der Mündung des Haubitzenlaufs aufweist. Damit zwingst Du die Blicke des Betrachters auf dieses eine Detail und degradierst alles andere zum Hintergrund, was dann Sinn macht, wenn man mit einem Bild auf ein Detail, einen unbeachteten Teil eines Motivs hinweisen will oder einfach eine sehr ungewöhnliche Perspektive betonen will.

Das tust Du in diesem Bild und legst es zusätzlich durch den Breitenbeschnitt wie ein Kinobild an – der Briefkastenschlitz erhöht die Wirkung wie in einem historischen Kriegsdokumentarfilm, und die braune Tönung trägt das ihre dazu bei.

Allerdings fragt man sich unweigerlich, ob all diese starken Teilbetonungen nötig sind. Du türmst hier Effekte aufeinander, die jeder einzelne schon mit Bedacht angewandt werden wollen.

Die Farbtönung ist eindeutig am ausgebrannten Himmel mit Gelbstich zu erkennen; das Ausbrennen des Himmels wirft die Frage nach dem Zweck des HDR auf (man hätte auch einfach auf die Laufmündung belichten können), und die Schärfentiefe drückt mir ohnehin eine selektive Wahrnehmung auf, die nicht zu umgehen ist: Als Betrachter fühle ich mich von diesem Bild übermässig in eine Richtung gezwungen.

Das würde grundsätzlich zum Motiv passen – wenn dieses der furchterregende Lauf einer Waffe wäre, blanker Stahl mit scharfkantigen Rillen im gezogenen Lauf, in dessen schwarzes Loch wir blicken. Die Beklemmung, die magische Anziehungskraft der Öffnung, die Tod und Vernichtung verspricht, wäre damit ausgedrückt.

Aber die harmlos verrostete Mündung hier passt so gar nicht zur Bedrohungsperspektive, die das Bild eigentlich einzunehmen versucht. Würde hier im Laufabschluss eine Schnecke kriechen oder ein Pflänzlein wachsen, dann würde die Betonung wieder mehr Sinn machen. Das heisst, dass hier Technik im Übermass für eine Bildaussage eingesetzt wurde, die so nicht zu den angewandten Kniffen passen will – kein schlechtes Bild, aber eins, das durch den Bruch von Bild und Aussage verwundert.

Hinzu kommt, dass die Komposition mit dem abgeschnittenen unteren Teil des Laufs irritiert. Während die Bildaufteilung grundsätzlich gut funktionieren würde – Laffettenturm links hinten, Lauf durch die Mitte nach rechts vorne – stört sich das Auge sofort am angeschnittenen Kreis der Lauföffnung. Ich behaupte, dass kein Regisseur eines Kriegsfilms den Lauf einer Kanone dem Zuschauer ins Gesicht drücken und dabei seine untere Kante anschneiden würde…

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Antworten
  1. Pascal says:

    Ersteinmal großen Dank an euch, dafür das hier ehrliche und wahrscheinlich auch kompetente Kritik geübt wird!!

    Ich habe, ehrlich gesagt, mir in dem Moment der Aufnahme was dabei gedacht aber habe es dann doch wieder verworfen.

    Also zunächst hatte ich das ganze schon bedrohlich wirken lassen wollen, wollte eigentlich das ganze Bild etwas abdunkeln bzw entsprechend bearbeiten und kein HDR daraus machen. Da ich aber nicht wirklich Erfahrung mit HDR-Aufnahmen hatte, habe ich mehr oder weniger rumgespielt und bin zu diesem Ergebniss gekommen.

    Die 3 Bilder habe ich mit P******atix (KAnn ich hier Programme nennen?) übereinander gelegt und nachträglich etwas bearbeitet, weichgespült habe ich nichts zumindest nicht bewußt da ich nicht weiß wie so etwas geht. Die weiter Bearbeitung bzgl Sättigung, Kontrast etc habe ich dann mannuell übernommen und habe mir dabei nicht wirklich mühe gemacht bzw etwas gedacht.
    Da mir das Endresultat für mein ungeübtes Auge doch relativ gelungen erschien, wollte ich echte Kritik.

    Letztenendes kann ich nur sagen das ich mich über Kritiken und Kommentare freue da ich noch in Übung bin was die Fotografie betrifft. Da ich vergebens nach Seiten oder Foren gesucht habe wo man richtige Kritiken bekommt, habe ich mich kurzerhand entschloßen das Bild einfach mal hier einzusenden und abzuwarten.
    Werde in Zukunft sicher noch öfters hier stöbern und vielleicht auch nochmal ein Bild einsenden.

    Gruß Pascal

    Antworten
  2. Martin says:

    Mir gefällt an diesem Bild, dass der Panzer selbst durch die Tarnung erst auf den zweiten Blick auffällt. Die angeschnittene Unterseite des Laufes stört mich aber auch. Als interessante Bearbeitung fände ich eine teilweise Freistellung des Laufes (von unten ausgehend über die gesame Bildbreite), sodass der Eindruck entsteht der Lauf rage aus dem Bild hinaus. Dazu wäre eine leicht höhere Aufnahmeperspektive noch geeigneter.

    Antworten
  3. Wolfgang says:

    Das mit dem abgeschnittenen Lauf war das, was mir schon beim Öffnen des RSS-Feeds unmittelbar als „Fehler“ ins Auge gesprungen ist. Auch die Bearbeitung zeigt merkwürdige Dinge, so wirken die Bäume rechts im Hintergrund schärfer als der doch weiter vorn stehende Panzer. Wurde hier beim Panzer weichgespült oder täuscht der Eindruck?
    Auch bei den anderen Kritikpunkten stimme ich Peter zu. Die Perspektive ist klasse, aber eine Aussage vermisse ich.

    Gruß
    Wolfgang

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