Paolo Woods/Serge Michel: Der wirkliche Iran

Wie leben die Menschen im Iran wirklich – ungeachtet aller Vorurteile? Das wollten Paolo Woods und Serge Michel mit ihrer Arbeit „Land des Lachens – Land der Tränen“ herausfinden.

Paolo Woods - Teheran 2006In 45 Einzelporträts haben der Fotograf Woods und der Journalist Michel ein Puzzle dieser Kulturnation mit dem Image eines „Schurkenstaates“ geschaffen. Ihr Buch vereint Bilder und Interviews. Die Fotos sind aktuell in Köln ausgestellt.

„Walk on my Eyes“ hat Paolo Woods seine Porträtserie mit englischem Titel genannt:.

„Wandle auf meinen Augen“ – das ist eine der vielen blumigen Redensarten, mit denen die Iraner ihrem Gegenüber Ehrerbietung und Respekt ausdrücken; er ist eine Floskel, die „Höflichkeit und Heuchelei in den Rang eines Kunstwerks erhebt“,

sagt der Schweizer Journalist Serge Michel darüber.

Paolo Woods – Teheran 2006Paolo Woods - Teheran 2009

Als Mahmoud Ahmadinejad 2005 zum iranischen Staatspräsidenten gewählt wurde, begannen Woods und Michel ihr Buchprojekt, für das sie der Verbindung zwischen Glück und Islam im Iran nachspürten, so wird dazu mitgeteilt. Es entstand ein fotografisches und sprachliches Porträt von Iranerinnen und Iranern. Es zeigt reiche Händler, junge Rebellen, mächtige Mullahs, Popstars und Prostituierte – ein ganzes Puzzle des modernen Iran.

Die Fotografien und Texte geben einen Einblick in eine Gesellschaft, die sich weit differenzierter und humaner zeigt, als die stereotypen Bilder über das Land zu sagen scheinen. Paolo Woods und Serge Michel befragten die Menschen über ihren Alltag, das Glück und andere Befindlichkeiten und zeigen, dass es trotz sozialer Diskriminierungen und politischer Repression ein ganz normales, also auch glückliches Leben im Iran gibt. Und das unterscheidet sich nicht so sehr von dem in anderen Ländern. Glück bedeutet für die Iraner vor allem Familie und die Freiheiten, die sie sich im Privaten erlauben.

Paolo Woods - Teheran 2009Paolo Woods und Serge Michel blickten mitten in einer politisch turbulenten Zeit – die Entstehung der „Grünen Opposition“, der „Wiederwahl“ Ahmadinejads – bewusst auf das Unspektakuläre und Alltägliche. Sie grenzen sich damit ab von einem Fotojournalismus, der sich in erster Linie für die Darstellungs des Leids, von Gewalt und Unterdrückung interessiert.

Ihr Werk macht deutlich, dass die „schlechten Nachrichten“ nur ein Ausschnitt der komplizierten Realität sind, nur ein Aspekt des Lebens neben vielen anderen, ohne die das Bild vom Iran einseitig, schief oder falsch ist. Die klare Sprache von Paolo Woods lädt den Betrachter ein, zu verweilen und Details zu entdecken. Diese erlauben einen kaum bekannten Blick in die iranische Gesellschaft.

Paolo Woods - Teheran 2006Paolo Woods, 1970 in Amsterdam geboren, ist als Sohn einer holländischen Mutter und eines kanadischen Vaters in Italien aufgewachsen. Heute lebt und arbeitet er auf Haiti. Ende der Neunzigerjahre lernte er den Magnum-Fotografen Paolo Pellegrin kennen und begleitete diesen in den Kosovo. Von dort aus reiste Woods nach Albanien und andere Länder für eine erste Fotoreportage („Un Monde de Brut“). Seither konzentriert Woods seine Arbeit auf Langzeit-Projekte wie „Chinafrica“ oder „American Chaos“. Die realisiert er stets zusammen mit dem Schweizer Journalisten Serge Michel. Wir können uns die Bilder auf Paolo Woods Website anschauen. Der deutschsprachige Bildband Land des Lachens – Land der Tränen (Affiliate-Link)ist 2011 im Riemann-Verlag erschienen.

Paolo Woods – Walk on my Eyes
Bis 18. Dezember
Forum für Fotografie, Schönhauser Straße 8, D-50968 Köln
mail@forum-fotografie.info, +49 (0) 221-340 18 30
Geöffnet Mittwoch bis Freitag 14 – 18 Uhr, Samstag 12 – 18 Uhr, Sonntag 12 – 16 Uhr

Paolo Woods
Forum für Fotografie Köln

1 Antwort
  1. DKlein sagte:

    Auch das eine originelle Buchvorstellung.
    Das Buch von Woods zeigt, wie „anders“ anders der Iran ist, als man hier so denkt.
    Und das führt direkt zu einer politischen Thematik –
    solche Bücher, die zeigen, wie stark das „andere“ Potential
    im Lande Iran ist, werfen die Frage auf, wieso dieses andere Potential die Verhältnisse nicht durchgreifend zu ändern und zu prägen vermag.
    Man vergleiche einmal die Geschwindigkeit ägyptischer Veränderungswehen mit der offensichtlichen Vergeblichkeit
    sämtlicher Veränderungsanstrengungen der iranischen Opposition / der Bevölkerung.
    Meines Erachtens wirken hier starke Kräfte von AUSSEN, die den Iran so halten wie er ist und den Iran die Rolle des
    Schurkenstaates verkörpern lassen.
    Aber das ist kein fotografisches Thema – gehört aber zu so einer Buch – Präsentation dazu.

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