Schlange in Nahaufnahme: Foto? Digitale Kunst? Nein, doch Foto?

Je nach Art der Aufnahme können Fotos von sich aus wie digital erzeugte Bilder wirken. Die Frage ist dann, wieviel Perfektion man einer solchen Aufnahme abverlangen kann, insbesondere, wenn sie unter kontrollierten Bedingungen entstanden ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Georg May).

Kommentar des Fotografen:

Die giftig-grüne Mamba lauert auf Beute…

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Georg May:

Ja, Deine Aufnahme dieser Schlange war eine, bei der ich mehrmals hinschauen mußte. Foto? Digitale Kunst? Hybrid? Nein, doch Foto?

Das liegt zum einen an den Farben des Bildes – Grün dominiert fast ausschließlich – aber auch an der gestochen scharfen Wiedergabe der Schuppen, des Auges und so weiter.

Durch die lange Brennweite in Verbindung mit einer dafür relativ großen Blende ist der Rest des Bildes verschwommen, das Tier hebt sich gut ab. Eine insgesamt für mich sehr gut gelungene Aufnahme, die nicht nur für ein gutes Auge spricht, sondern auch für die benutzte Ausrüstung. Wenn das Objektiv hier nicht so gut wäre – die Aufnahme gäbe längst optisch nicht soviel her. Manchmal hilft es eben, das richtige Handwerkszeug dabeizuhaben.

Es gibt nur zwei Diskussionspunkte, die mir sofort ins Auge stachen:

Erstens einmal sind Teile des Schlangenkopfes bleich-grün bis ins Weiße ausgebrannt, während andere Teile der Schlange, die im selben Einfallswinkel des Lichtes lagen, davon nicht betroffen sind. Das fällt bei dem extremen Farbton, den das Tier an sich hat, zumindest mir negativ auf, denn dadurch wird diese Grenze zum digital erzeugten Bild, an das diese Aufnahme visuell anlehnt, wieder verdrängt.

Will sagen, wie ich auch anderswo erwähnt habe, wenn man mit etwas „liebäugelt“, solle man es auch konsequent durchhalten. Es ist eine Sache, gekonnt dann eine Störung ins Bild zu bringen oder sie dort zu belassen, damit das Foto ein Foto bleibt. Es ist eine andere, sie dort zu belassen, weil man sie nicht entfernen konnte – oder es schlicht übersehen hat.

Ich nehme an, daß das an der Beleuchtung im Terrarium und der an sich glänzenden Oberfläche des Schlangenkopfes lag. Wenn Du RAW fotografiert hast, hättest Du allerdings noch eine etwas dunklere Kopie des Bildes erzeugen (geht etwa in Lightroom sehr einfach) und es in Photoshop mit dem Original so „verheiraten“ können, daß die Highlights nur noch Highlights sind, und nicht große, bleich-grüne bis fast weiße Flächen.

Woran ich ausserdem lange geknabbert habe, ist die komplett mittige Anordnung des Schlangengesichts. Während Du die Diagonalen sehr gut getroffen hast und auch das Auge vertikal fast perfekt im Goldenen Schnitt liegt, ist ansonsten das Auge horizontal perfekt mittig. Du hättest hier etwas weiter von der Schlange weg zoomen können, aber dann würde man die Details und insbesondere diesen kalten Glanz im Auge verlieren.

Man könnte das Bild rechts beschneiden, aber damit würde das Tier visuell enthauptet. Wenn man nichts verbessern kann, ohne es zu verschlechtbessern, sollte man ein Foto (kompositionell) so lassen, wie es ist. Und das würde ich hier tun.

Nachwort: Ich habe mich begeistert auf den Link zu „Deiner“ Webseite gestürzt, um noch mehr Schlangenbilder zu sehen – und landete auf einer Webseite eines Kaffs in der Eiffel? Gibt es da Mambas?

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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15 Kommentare
  1. daniel sagte:

    wow wie einzigartig doch die natur ist!
    schaut öich das reptil an, wie ist das möglich schuppe für schuppe am richtigen platz. bin echt fasziniert.
    kompliment an den fotografen.

    wie ist das mit der schärfe zwischen körperschuppen und unterkiefer? ich meine schuppen des körpers bis bis kiefer sehr scharf, dann der unterkiefer in selber distanz nicht wirkich scharf obwohl in selber distanz oder?. hebt das eine vom andern etwas ab und macht das bild interessanter. wurde dafür noch was bearbeitet oder liege ich in diesem punkt falsch? bin halt technisch interessiert;)

    danke für die tolle aufnahme

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    • Georg May sagte:

      Hallo Daniel,
      bei einem Motivabstand von 1,30 m ergibt sich bei den Aufnahmedaten des Fotos ein Schärfebereich von nur 8 mm. Diesen habe ich so gelegt, dass der Kopf der Mamba schon im hinteren Bereich der Schärfenebene liegt, drim sind auch die Schuppen im Vordergrund deutlicher zu erkennen. Der Kopf der Schlange hat eine Höhe von ca. 20-25 mm. Das Foto zeigt also schon eine Vergößerung des Motivs. Zwar noch kein Makro. aber eben eine Vergrößerung.

  2. Patrice sagte:

    Gestochen scharf, und geniale Farben. Neben aller perfektion die nötig ist um so ein Bild zu schaffen ( ohne nachbearbeitung im Photoshop ) ist auch imemr ein zumindest kleiner Funken Glück nötig. Der war hier auf jeden Fall vorhanden, die schlage hat punktgenau still gestanden. tolles Bild

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  3. Dr. Thomas Brotzler sagte:

    „Woran ich ausserdem lange geknabbert habe, ist die komplett mittige Anordnung des Schlangengesichts.“

    Lange kauen ist gesund :o) …

    Es gibt ja nicht „die eine richtige Komposition“. Je nachdem, ob man etwas Wuchtiges, Statisches oder eher etwas Bewegtes, Dynamisches ausdrücken will, kann die eine oder andere Motivpositionierung richtig sein. Die Idee macht das Bild.

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  4. Gerhard Frenzel sagte:

    Hallo,
    die Lichtvehaeltnisse zum Fotografieren dort im Terrazoo Rheinberg sind nicht gerade optimal.Das Foto ist wirklich eins der Besten die ich von einer Mamba im Terrarium kenne.
    Es wirkt auf den ersten Blick wirklich wie ein Bild aus dem Rechner, wie die Bilder von z.B. Fredi Voss.

    Gruß Gerhard Frenzel

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  5. Georg May sagte:

    Vielen Dank für die professionellen und ermutigenden Kommentare.
    Bei diesem Foto muß man folgendes wissen das ich besser gleich in die Beschreibung eingefügt hätte:
    Das Foto der grünen Mamba entstand im Terrazoo Rheinberg. Bei uns in der Eifel sind eher Blindschleichen und Kreuzottern anzutreffen:-)
    Die Tierchen im Terrazoo sind vernünftigerweise hinter Glas (sonst wäre ich da nicht heil herausgekommen) und fast ständig in Bewegung, was es dem Fotograf nicht gerade leicht macht sie einigermaßen gut abzulichten.
    Was nur schwer wegzubekommen ist sind die grellen Lichtreflexe der weißen Leuchtstofflampen. Da ich eher Purist, und in Photoshop & Co. nicht die großen Kenntnisse besitze, habe ich da lieber die Finger weggelassen…;-)

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  6. Wolfgang sagte:

    Fantastisches Foto mit offensichtlich einem fantastischen Objektiv!
    Ich finde die Bildgestaltung sehr ansprechend und eigentlich nicht verbesserungswürdig. Das mittige Auge zieht mich sofort in seinen Bann.
    Die hellen Stellen auf dem Kopf sind wohl Spiegelungen der Beleuchtung im Terrarium. Bei der Bearbeitung in CameraRaw könnte man hier mit „Wiederherstellen“ wohl noch etwas reduzieren. Für mich ist das aber eher eine Marginalie.

    Gruß
    Wolfgang

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  7. Dr. Thomas Brotzler sagte:

    Gerade diese Komposition mit der fallenden Diagonalen als bedrohlichem Element und dem Auge in der Mitte als statischen, den Blick des Betrachters in den Bann ziehenden Fixpunkt spricht mich hier sehr an.

    Zu den Glanzlichtern auf Nase und Stirn (sagt man das bei Schlangen so?): diese sind womöglich nur dort und nirgendwo anders, weil es Spiegelungen sind – belichtungsmäßig sehr schwer zu kontrollieren; auf einen Versuch mit einem Polfiter hätte man es ankommen lassen können.

    Und ja, die Mambainvasion im Eifeldorf finde ich auch beunruhigend :o) …

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  1. […] geht an die kristallklare Mamba.Klick für Legende und Vollansicht. (Bilder fokussiert-Leser) Die giftig-grüne Mamba hat bereits viel zu reden gegeben: Das Bild von Georg May hat ausserdem den Monatspreis des Novembers gewonnen. Er erhält die […]

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