iPhone-Schnapschuß: Vordergrund dominiert Hintergrund

Wenn der Vordergrund mit dem Hintergrund zu sehr konkurriert, kann das einem Foto abträglich sein.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jan Thomas Michaelsen).

Kommentar des Fotografen:

Ein Spaziergang zum Leuchtturm bei Dorum, prächtiges stimmungsvolles Nebelwetter, Sichtweite unter 100 Meter, tausend Motive springen ins Auge… und natürlich die Spiegelreflex vergessen. Glücklicherweise ist das Telefon immer dabei. Also aus der Not eine Tugend gemacht. Ich bin mit der Qualität der Kamera des iPhone 4s sehr zufrieden, die Nachbearbeitung in Apple Aperture und Nik Silver Efex tat ihr übriges.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Jan Thomas Michaelsen:

Man sollte eben immer notfalls noch ein As im Ärmel oder ein iPhone in der Tasche haben, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Besser ist meines Erachtens eine Kamera, wenn sich ja auch mittlerweile eine große Fangemeinde von „iPhoneography“ gebildet hat. Allerdings wäre Dir dann die Gelegenheit flöten gegangen. Mit der mickrigen 3.2 MP „Kamera“ auf meinem LG hätte ich es jedenfalls garnicht erst versucht.

Mir gefällt die nachdenkliche Nebelstimmung in diesem Bild, das Verträumte. Auch die Schwarzweißumwandlung halte ich für eine gelungene Wahl. Aufnahme und Nachbearbeitung haben jedoch für ein beträchtliches Bildrauschen gesorgt, das ich mit Noise Ninja oder einem anderen Filter behoben hätte. Körnung ist eine Sache, Bildrauschen eine andere.

Ansonsten fielen mir bei Deinem Foto zwei Dinge ins Auge: Erstens einmal ist das Bild nach rechts hin verzerrt. Der Leuchtturm im Hintergrund ist gerade, aber nach vorne hin insbesondere zur unteren rechten Ecke ist eine deutliche Verzerrung zu beobachten, die ich auf das Objektiv des Telefons zurückführe. Das kann man digital zumindest teilweise wieder entstrecken, ohne dadurch am Foto zuviel „herumzuschneiden“.

Zweitens ist da der Laternenmast im rechten Bildteil, der das Foto optisch komplett dominiert. Schon allein von der relativen Größe her und dann der Tatsache wegen, daß er dunkel und voll sichtbar ins Bild ragt, während der Leuchtturm selbst als Silhouette angedeutet im Nebel verschwindet.

Es ist schon richtig, daß das Foto von einem gut platzierten Gegenstand im Vordergrund profitieren würde, allerdings ist dieser hier so dominant, daß er mit dem Hintergrund konkurriert. Das wäre leicht zu beheben gewesen, hättest Du nur ein paar Schritte zurück gemacht und Dir mehr Zeit genommen, Dein Bild zu komponieren. Der Laternenmast wäre immer noch im Vordergrund, hätte aber nicht die gleiche optische Dominanz.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare
  1. Sofie Dittmann sagte:

    Zufall = Murphy, oder zumindest kommt es mir oft so vor. Außerdem ist Lampe nicht automatisch = Lampe, also hochladen und dann werden wir es uns bei Gelegenheit zu Gemüte führen.

    So, wie alles bereits theoretisch einmal musikalisch komponiert wurde, ist auch alles so schon theoretisch einmal gemalt worden. Heißt aber nicht, daß ich jetzt meine Kamera weglege, oder ein bestimmtes Motiv nicht ablichte. Es heißt aber auch, daß es insbesondere bei vielfotografierten Motiven schwierig ist, noch etwas Neues aus ihnen herauszuholen. Deine Herausforderung! :)

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    • DKlein sagte:

      Ja ! Das ganze Leben ist so eine Herausforderung !
      Obwohl viele doch behaupten, man müsse „einfach nur das sein, was man ist“.
      Grobe Irreführung ! Viel wäre dazu zu sagen.

      Jedenfalls…man hofft doch, daß unter den 99 Millionen Bildern, die es schon gibt, die eine Million
      entmutigend besserähnlicher Bilder nicht GERADE DANN an der Wegeskreuzung vorbei kommen, wenn man selbst darüber will…
      Aber genau das tun sie…
      (Ich lache gerade)

  2. DKlein sagte:

    Stimmt !
    Aber komposerisch reizvoll.
    Vielleicht hätte eine auf dem linken Steggeländer sitzende Person zwischen Vorder- und Hintergrund optimal vermittelt.
    Nur wenige Meter vor den entschwindenden Spaziergängern, mit dem Rücken zum Wasser, nach links über ihre Schulter
    blickend.
    Aber man ja nicht alles haben.

    Außerdem fällt mir auf – ausgerechnet in dem Moment, in dem ich einigermaßen spontan mein erstes Bild hier hoch laden möchte – eine Lampe in spezieller Position über einem
    Brückengeländer – taucht hier eine andere Lampe über einem Geländer auf.

    Ich habe schon öfter mal sinniert, wie oft Zufall irgendwie kein Zufall ist. Statistische Invarianz heißt das glaube ich. Man macht seinen vieltausend Meterlauf.
    Flachland, Felder, Wiesen. Weit voraus eine Wegeskreuzung.
    Dort parkt ein Kinderwagen, zwei Mütter im Gespräch, Fahrradfahrer von vorn, von links ein Hund und von rechts eine Traktor.
    Es wird sich so entwickeln, daß alle genau dann zusamentreffen, wenn man an der Engstelle vorbeikommt.
    Und man muß dann mitten in der Landschaft warten wie an einer Ampel, bis alle durch sind und kommt aus dem schönen Tritt.
    Zufall ? Murphy ?

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