Weihnachtsstimmung: Alles an seinem Platz

Sorgfältiger Technikeinsatz und Lichtoptimierung sind wesentlich, aber nicht die Hauptelemente eines Bildes.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Rabea Kessler).

Kommentar des Fotografen:

Die Kapelle unseres Dorfes in der Abendstimmung. Mit Stativ aufgenommen. Anschliessend hab ich ein hdr gemacht und im Photoshop die nötige Korrektur vorgenommen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Rabea Kessler:

Eine kleine Kapelle im Tiefschnee eines offensichtlich kalten Winterabends: Diese vom Blau des Himmels und der Reflexionen aus dem Schnee dominierte Farbaufnahme ist kristallklar und dank des Einsatzes von HDR schon fast plastisch.

Das Kirchlein ragt einem vermeintlich aus dem Bild entgegen, die Schneemassen türmen sich in weichen Rundungen auf der Landschaft, und das warme Licht der Fenster, des Vorplatzes und des Weihnachtsbaums sorgen für einen idealen Farbkontrast zum kühlen, satten Blau des Schnees.

Hier ist HDR für einmal zum schonenden Einsatz gekommen, die ganze Belichtung macht zwar die Nacht zum Tage, aber das stört auf den ersten Blick nicht:

Bei längerer Betrachtung scheint der Himmel doch deutlich zu hell für den Lichtschein der beleuchteten Stellen im Bild, und auf der Suche nach Schwarzwerten in Schattenzonen wird man beinahe nicht fündig. das ist allerdings just die Eigenart solcher verschneiter Landschaften, in denen das grelle Weiss der Schneemassen jeden Lichtstrahl in den hintersten Winkel reflektiert und für diese seltsam hellen Nächte sorgt – das Bild bringt diese Stimmung sehr gut zum Ausdruck.

Aber darüber hinaus fehlt ihm dennoch etwas – ein klares Subjekt, eine Bildaufteilung, ein Element, das in diese Winternacht hineinzieht. Die Kapelle ist als Motiv insgesamt einfach nicht interessant genug. Weder Architektonisch noch in Details vermag sie zu fesseln. Das liegt auch daran, dass die gesamte Bildkomposition frontal und mittig auf das Gebäude ausgerichtet ist und abgesehen vom Weglein im Schnee vorne links keine anregenden Linien vorhanden sind. Selbst horizontal ist die Kirche gemittet; wir sehen viel Himmel in diesem Bild, der aber absolut nichts beitragen kann zur Spannung.

Und so wird nicht spürbar, welche Aufgabe Du dem Motiv zugedacht hast, abgesehen davon, dass Du etwas haben musstest, um die Winterstimmung überhaupt abzubilden. wenn ich mich als Betrachter frage, worum es hier geht, komme ich zum Schluss, dass jemand mit fotografischen Kenntnissen ein freundliches Bild des Kirchleins für einen Prospekt der Kirchgemeinde schiessen musste. Dabei steht aber der dokumentarische Aspekt dem Bild im Weg, wie auch die Kapelle meinem Blick im Weg steht: Ich möchte mehr von der verschneiten Landschaft sehen, mehr Linien, Wege in den Schneemassen, verschneite Dächer, und dabei darf die Kapelle gerne eine dominante, grossflächige Rolle im linken oder rechten Bilddrittel einnehmen. Aber als Hauptdarsteller frontal und fast Format füllend reicht sie nicht aus, als dass das Bild einem prüfenden Blick der Lichtstimmung standhält.

 

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2 Kommentare
  1. Rabea Kessler sagte:

    Herzlichen Dank Herr Sennhauser für die ausführliche und anregende Bildkritik.
    Ich kann mir gut vorstellen, wie interessant dieses Bild aussehen würde.
    Auch ich habe diese Variante durchstudiert. Leider wird es mir bei diesem Motiv vergönnt bleiben.
    Da die Kapelle nur einseitig sichtbar und ausserhalb des Dorfes liegt. Vor ihr liegen Gräber, für mich weihnachtlich unpassend.
    Die drei Gebäude die es gibt sind dominant und nur von Richtung Kapellen Eingang her zu sehen, sodass (die für mich schönen Fenster) nicht mehr sichtbar wären.

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  1. […] aus St. Petersburg bringt mit seiner Geradlinigkeit die Kälte sehr gut rüber.Rabea Kesslers Kapelle in HDR passt jedenfalls gut in die Adventszeit – und die ist ja schon um die Haustüre. Das Bild ist […]

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