Landschaftsfotografie: Harte und weiche Kanten

Gegensätze und Kontraste schaffen Spannung. Unter Umständen müssen sie aber stark akzentuiert werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Karlheinz Hummel).

Kommentar des Fotografen:

Hallo zusammen, ich habe dieses Bild in Oregon/USA in der Nähe der bekannten Painted Hills aufgemommen. Canon EOS 500D mit Blende20 1/60sec. ISO 100. Bitte um konstruktive Kritik zur Verbesserung meiner Fähigkeiten. Vielen Dank.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Karlheinz Hummel:

Ein Feld mit Heuballen vor einem Hügelzug mit trockenem Gras und einigen Büschen ist in dieser Farbaufnahme zu sehen.

Die Bildbeschreibung macht es schon deutlich:

Viel hat diese Aufnahme inhaltlich nicht zu bieten, und dennoch gibt es ein paar Dinge dazu zu sagen.

Wer die Landschaft westlich der Sierra Nevada kennt (Kalifornien, Oregon), wird sie in diesem Bild sofort erkennen. Farben und Licht sind an der US-Pazifikküste einzigartig und eindeutig; weil es sommers praktisch nicht regnet, sind die Hügel des Graslandes in dieser Jahreszeit braun bis goldgelb und die Bäume grün, im Winter, der eine Art Regenzeit ist, kehrt sich das Farbverhältnis um, die Büsche und Bäume wirken heller als das satte Grün des Graslandes.

Du hast hier eine Landschaft im Sommer abgebildet, die allerdings von etwas anderem lebt als vom Gegensatz zwischen Bäumen und Grasland. Es sind die Formen der Heuballen, die rechteckig und kantig, im abendlichen Licht mit klaren Schatten abgehoben, zu den weichen Kanten der Hügel kontrastieren.

das ist eigentlich ganz passend und verhilft dem Bild zu einem Blickfang. Darüber hinaus aber bietet das Bild, wie eingangs erwähnt, nicht genug, um den Blick länger zu fesseln.

Dabei hast Du in den Ansätzen alles richtig gemacht: Du hast eine Bildaufteilung gewählt, die nicht zu mittig ist, einen Vordergrund gesucht und für eine ungleichmässige Verteilung der Heuballen im Bild gesorgt.

Das reicht aber hier noch immer nicht. Die Aufnahme wirkt flach und zweidimensional und hat wenig, was zum Verweilen einlädt.

Das liegt zum einen am Motiv selber, das nun mal nichts direkt Spannendes bietet, am gleichmässigen blauen (in den Augen vieler Landschaftsfotografen „dreckigen“, weil unbefleckten) Himmel, der zu grossen Distanz zu den Heuballen, die so keinen echten Vordergrund bilden, und an den Farben, die im goldenen Abendlicht völlig verblassen.

Du hättest, um das gleiche Bilder spannender zu gestalten, nah an eine der Heuballen herangehen und sie stark in den Vordergrund bewegen können; ausserdem mit einem etwas erhöhten Standort (auf einer Heuballe) für mehr Perspektive und damit mehr Tiefe im Vordergrund des Heufeldes sorgen können. Vor allem aber hätte es sich wahrscheinlich gelohnt, auf die ersten fünf, zehn Minuten nach Sonnenuntergang zu warten. Diese kurze Zeit verwandelt meiner Erfahrung nach die langweiligste Landschaft im US-Westen in eine pastellene Farbenpracht voller Variationen.

In der Rubrik ?Bildkritik? analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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