Landschaftsfoto: Stimmung?

Landschaftsfotos bestechen mit beeindruckender Natur, mit Lichtstimmung. Diese kann man durch Nachbearbeitung verstärken – oder zerstören.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Fred Knöchelmann).

Kommentar des Fotografen:

„Winter“ im Hochmoor: Nachdem in den beiden letzten Jahren die Winter sehr schneereich waren, scheint er diesmal auszufallen. Ort: „Ewiges Meer“, nördlich von Aurich.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Fred Knöchelmann:

Hochmoor im Winter. Man kann bestimmt stundenlang dort herumwandern und begegnet keinem Menschen. Kompositionell finde ich Deine Aufnahme ansprechend, wenn auch der Baum im Vordergrund zugleich zu dominant wirkt und auch oben abgeschnitten ist. Die Einöde der Landschaft verleiht dem ganzen etwas Melancholisch-Träumerisches. Der Himmel spiegelt sich im Wasser und gibt der Szene zusätzliche Tiefe. Den Horizont hast Du gut getroffen, wenn auch die Sonne nach rechts verschoben ist. Das hätte man durch einen veränderten Standpunkt korrigieren können, wodurch wahrscheinlich auch die Platzierung des Baumes verbessert worden wäre.

Bei diesem Bild dachte ich ansonsten erst, es handele sich um ein HDR, denn so, wie die Lichtstimmung hier ist, wirkt sie für mich unnatürlich. Da ist die Sonne rechts, die tiefliegend durch die Wolken bricht, und dann der dunkle Himmel links. Du hast allerdings nicht erwähnt, das Foto so zusammengesetzt zu haben, und andere typischen Merkmale sind nicht zu sehen. Und das ist auch mein Hauptkritikpunkt an Deinem Bild – der Eindruck eines HDR, das hier fehl am Platz gewesen wäre, läßt sich einfach nicht verscheuchen. Die Stimmung, die im Foto mit angelegt ist, die ja eigentlich melancholisch und einsam sein sollte, wird dadurch beeinträchtigt. Man kann natürlich mit solchen Gegensätzen spielen, aber das sollte man gekonnt tun.

Etwas stimmungsvoller, weil dunkler.

Ich habe daher das Bild in Photoshop so nachbearbeitet, daß wieder etwas mehr Stimmung hineinkommt. Zu Demonstrationszwecken und im Hau-Ruck-Verfahren, denn man kann es durchaus noch feiner abstimmen. Durch das Abdunkeln insbesondere der Ränder nach der Sonne hin wirkt es, wie man es erwartet hätte. Zwielicht, Einsamkeit, nur der Betrachter zwischen Moor und Himmel, endlose Weite.

In der Rubrik „Bildkritik“ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Kommentare
  1. Fred Knöchelmann sagte:

    Hallo Sofie,

    vielen Dank für das Interesse an dem Bild und für Deine Bildkritik.
    Ein wenig überrascht bin ich allerdings über die Annahme, dass es sich hier um eine Aufnahme handelt, die HDR-mäßig behandelt worden sein könnte. Dies ist nicht der Fall, und ich will versuchen, dies zu erklären.
    Die Lichtstimmung hier in der Küstenregion der Nordsee ist in den Wintermonaten bei tiefstehender Sonne etwas ganz Besonderes. Der klare Himmel über der Landschaft – selbst bis zum Sonnenuntergang noch blau – und die vom Meer mit geprägte Bewölkung schaffen das einzigartige Licht. Diese nicht alltäglichen Lichtverhältnisse nutze ich selbstverständlich aus, und dies führt bei richtiger Entwicklung (ich arbeite mit LR 3) zu diesem Ergebnis.
    Mein Ziel war auch, mit dem Bild das Erleben dieser Moorlandschaft mit graduierter Tiefenwirkung zu visualisieren. Ich benutzte deshalb ein Ultraweitwinkelobjektiv, Brennweite KB-äquivalent 14 mm, um eine durchgehende Schärfentiefe zu erzielen.
    Was mich jedoch besonders an Deiner Kritik wundert ist die Empfindung: “ Die Einöde der Landschaft verleiht dem ganzen etwas Melancholisch-Träumerisches.“ Träumerisch mag ja noch zutreffen, weil ich durch die Bildkomposition versucht habe, einen malerischen Charakter darzustellen. Den Eindruck von Melancholie sollte es nicht erwecken. Diese Stimmung erzielst Du aber bewusst mit Deiner Bildnachbearbeitung.
    Dies soll nicht als meine Kritik an der Deiner Kritik verstanden werden. Ich habe nur versucht, meine Sichtweise darzustellen.

    Beste Grüße
    Fred

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    • Sofie Dittmann sagte:

      Nein, das habe ich selbstverständlich nicht als Kritik verstanden. Um es noch einmal anders zu formulieren, so wie beschrieben kommt Dein Foto für mich rüber. Ich sagte auch nicht, es sei ein HDR, sondern nur, es wirke wie eines.

      Es gibt Dinge, die der Betrachter über das Foto nicht weiß, und daher auch nicht automatisch mit einbezieht, wenn er ein Bild sieht. Deshalb, von uns hier so viel zitiert, „ein Bild muß von sich heraus wirken“.

  2. Dr. Thomas Brotzler sagte:

    „Bei diesem Bild dachte ich ansonsten erst, es handele sich um ein HDR, denn so, wie die Lichtstimmung hier ist, wirkt sie für mich unnatürlich.“

    So auch mein spontanes Empfinden – furchtbar „hochgejazzte“ Tonwerte, gerade im Schattenbereich … ich habe grundsätzlich nichts gegen irreal anmutende Elemente oder Stimmungen im Bild, wenn diese den Eindruck einer Abstraktion, Übersetzung oder Entfremdung unterstützen sollen. Aber beim hier angestrebten Landschaftsidyll sehe ich dafür nun überhaupt keine Indikation …

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  3. Andreas Wenter sagte:

    Hallo Sophie – ich geb dir nicht ganz recht, denn beide Varianten (sowohl Deine als auch die von Fred) haben Stimmung – und zwar gegensätzliche. Deine Variante ist düster, traurig und trostlos – Fred´s Variante sehe ich positiver, die Sonne geht auf, der Himmerl erhellt…
    aber das ist alles wie immer rein subjektiv ,-)
    mir gefällts jedenfalls – lg Andi

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