Erinnerungsfoto: Hüpfer am Kugelstrand

Ein tolles Souvenirfoto hat meistens einen persönlichen Wert. Damit darf das Bild alle Regeln brechen und muss keine weiteren Ansprüche erfüllen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ralf Brzuska).

Kommentar des Fotografen:

Hier ein Bild aus meinem Urlaub in Neuseeland ein Sonnenaufgang auf der Südinsel. gesprungen von Stein zu Stein die Steine sind die so genannten Moeraki Boulders ein coole Erinnerung

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Ralf Brzuska:

Ein Sonnenaufgang an einem Meeresstrand. Im Vordergrund sind eine Reihe grosser runder Gesteinskugeln zu sehen, dahinter geht die Sonne genau in der Bildmitte unter. Vorne rechts ist die Silhouette eines Menschen zu sehen, der mit gestreckten Armen von einem der Steinbrocken auf den nächsten zu springen scheint.

In der Tat, das ist sicher ein sehr bleibendes und wirksames Souvenir von einem Sonnenaufgang an einem bemerkenswerten Strand. Als solches hat es für Dich zweifellos auch einen ganz besonderen Wert.

Aber andern erschliesst sich dieser nicht:

Als alleinstehendes Bild ist es für mich eher ein Motiv, das aus persönlichen Gründen so fotografiert wurde, das ich aber künstlerisch ganz anders ins Bild setzen würde.

Zunächst einmal ist die Sonne im genauen Mittelpunkt des Bildes, was Spannung aus der Komposition herausnimmt.

Dann wären die runden Kugeln am Strand, die ich auch anderswo schon gesehen habe, ein sehr lohnendes Subjekt für eine Landschaftsaufnahme mit einer entsprechenden Inszenierung. Und schliesslich ist der hüpfende Mensch ein Fremdkörper, der als Erinnerungsbild gut passen mag, ansonsten nichts zur Aufnahme bei-, sondern ihr eher abträgt. warum das alles ein Schnappschuss sein soll, erschliesst sich mir nicht wirklich: Die Sonne pflegt relativ langsam auf- und unterzugehen, und der hüpfende Mann ist wohl sorgfältig geplant.

Demnach ist es ein Konzeptfoto, hinter dem eine Überlegung und damit eine geplante Bildkomposition steht. Die hält aber ausser dem für ein Souvenir keinem weiteren Anspruch stand.

Dagegen ist nichts einzuwenden, es ist aber auch so, dass man zum Bild nicht viel mehr sagen kann als das: Wenn es eine Landschaftsaufnahme werden sollte, hast Du zu wenig aus dem Motiv gemacht, wenn es ein Konzeptfoto sein soll, hast Du die Aussage zu wenig betont. Und wenn es eine tolle Erinnerung ist, dann erfreu Dich daran und lass Dir nichts einreden.

Eine Bemerkung am Rande noch: Ich sehe oft die Wasserzeichen in irgendeiner Kunstvollen Schriftart, die aussehen wie die Stempel eines billigen Kalenderverlags. Erstens: Solange man noch keinen Namen hat, braucht man ihn nicht hinzuschreiben, und wenn man einen hat, eigentlich noch viel weniger. Vor allem aber sind wir begeisterten Amateure alle keine Firmen und schon gar keine amerikanischen – „Müller Photography“ macht allenfalls Sinn auf den Postkarten des Dorffotografen, in einer Flickr-Fotosammlung ist es, gelinde gesagt, überflüssig.

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8 Kommentare
  1. Christian Gruber sagte:

    Da es hier vielleicht auch interessierte zum Bild als solches gibt mein Eindruck: Zuerst hab ich gedacht, da steht ein Ast im Vordergrund im Bild rum :-) .
    Was ich in der Situation versucht hätte wäre eine Drittelaufteilung mit der Person linkes Drittel und Sonnenuntergang rechtes Drittel und eine andere Sprungpose. Kamera etwas weiter unten, damit der Sprung besser erkennbar wird. Zeit wäre gewesen.

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  2. drachenkind sagte:

    das finde ich jetzt ein bißchen dreist von dir ejal. wer sagt dir das meine facebook follower kids sind? und wieso kunstmarkt? hast du dort einen namen? also ich nicht. das habe ich auch nicht vor. trotzdem habe ich einen namen, zumindest gibt es menschen denen „drachenkind“ ein begriff ist. und mit diesem namen arbeite ich auch. den gab es schon vor facebook…

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  3. Ejal sagte:

    „Einen Namen haben“ bedeutet, auf dem Kunstmarkt eine Rolle zu spielen, nicht auf Facebook 800 Kids zu Followern gemacht zu haben… Es bleibt im Sinne des Autors albern, so oder so.

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    • drachenkind sagte:

      stimmt, dietmar..das liegt daran..oh wei jetzt komm ich mir doof vor…das ich schon einen namen habe und mit dem auch arbeite. natürlich will ich das die leute sehen, das ist ein „echtes drachenkind“. das ist werbung für mich und darauf will ich aufbauen.

    • Dr. Thomas Brotzler sagte:

      Auf Deinem Facebok-Account sah ich, daß Du auf diese Weise einzelne Bilder als eine Art „fotografischer Visitenkarte“ gekennzeichnet hast, nicht aber jedes einzelnes Foto … das erscheint mir sehr folgerichtig im Sinne der Selbstvermarktung und insofern habe ich persönlich damit keine Verständnisschwierigkeiten.

  4. drachenkind sagte:

    „Solange man noch keinen Namen hat, braucht man ihn nicht hinzuschreiben, und wenn man einen hat, eigentlich noch viel weniger. Vor allem aber sind wir begeisterten Amateure alle keine Firmen und schon gar keine amerikanischen – “Müller Photography” macht allenfalls Sinn auf den Postkarten des Dorffotografen, in einer Flickr-Fotosammlung ist es, gelinde gesagt, überflüssig.“

    richtig! den satz kann ich nur unterschreiben, auch als wasserzeichen… warum „arts“ ? was hat ein „aufdenknopfdrückfoto“ mit kunst zu tun?

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    • Dietmar sagte:

      Interessanterweise hast du selber deinen Namen in deinen Fotos ?!?!?!?

      Viele Grüße
      Dietmar

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