Badende Frau: Pose und Schärfe

Schwierige Beleuchtungssituationen verlangen der Kamera und dem Fotografen mehr ab, daher sollte man sich Zeit nehmen, wenn man sich Zeit nehmen kann.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Dave Makoun).

Kommentar des Fotografen:

Ich habe dieses Foto im letzten Herbst im Rahmen eines Shootings aufgenommen. Im wesentlichen ging es mir darum eine Frau in einem sehr „sensiblen“ Moment einzufangen, ohne dabei zu direkt und plump zu werden. Nikon D80, Nikkor 180 2.8 D @ 2.8

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Dave Makoun:

Eine badende Frau steht bis zu den Knien im Wasser, sie wird von der Abendsonne von hinten beleuchtet. Wenn man genau hinsieht, stellt man fest, daß sie dem Fotografen zugewandt ist. Die Sonne hat das Wasser in Gold verwandelt, hinter dem Modell spiegeln sich Lichtflecke im Wasser. Die Frau ist schön platziert, von der Komposition her entsteht der Eindruck einer Wassernymphe, die gerade aus dem Wasser zu ihrem Prinzen steigt.

Es ist ein schönes, ein klassisches Motiv, das Du hier fotografiert hast. Die Zweifarbigkeit hatte es mir sofort angetan, das Licht ist einfach fantastisch. Allerdings hattest Du es hier auch mit einer extrem schwierigen Beleuchtungssituation zu tun – das Licht trifft Dein Modell von hinten, die Sonne steht sehr tief, kommt Dir direkt entgegen. Du hattest auf der anderen Seite aber auch alle Zeit der Welt (OK, bis die Sonne unterging), alle Kameraeinstellungen, Platzierung des Modells etc. voll zu kontrollieren und zu beeinflussen.

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Als Verschlußzeit lese ich 1/1600, Deine BLende war 2.8. Dadurch ist Dein Modell veschwommen, sie ist unscharf – es ist sowieso schwierig, den Fokus hier gekonnt zu kontrollieren. Dadurch, daß die Beleuchtung hier einen Scherenschnitteffekt produziert, erwarte ich mehr Schärfe. Auch wenn Du nicht „plump“ wirken wolltest und deshalb eine Brennweite von 180 gewählt hast, um weiter von Deinem Modell weg zu sein – so, wie die Frau hier platziert ist, hattest Du volle Kontrolle über die Aufnahme. Es besteht für mich kein Grund für die schnelle Verschlußzeit, die weit offene Blende und die lange Brennweite.

In Situationen wie dieser lohnt es sich, mehrere Aufnahmen von verschiedenen Perspektiven mit unterschiedlichen Einstellungen zu machen. Ich persönlich hätte mich für eine kleinere Blende entschieden, was natürlich eine längere Verschlußzeit bedeutet hätte, aber Du hattest Deine Kamera vermutlich auf einem Stativ. Du hättest auch etwas näher kommen können, wenn notwendig, ohne den Gesamteindruck zu zerstören.

 

2 Kommentare
  1. Markus Kohlhoff sagte:

    Ich würde die Spiegelung oben abschneiden, da sie erstens selbst angeschnitten ist und zweitens dadurch das Motiv komplett eingerahmt wird. Außerdem würde ich noch die helle Reflektion unten rechts wegretuschieren.

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  2. Dave Makoun sagte:

    Vielen Dank für die hilfreiche Kritik :)

    Das 180mm Objektiv zu wählen hatte dreierlei Gründe: weil es mir in zahlreichen Portraitshootings gute Dienste geleistet hat, durch seine hervoragende Schärfe (die in dem Bild – bedingt durch Kamera- und Fotrografenfehler beim Fokus im Gegenlicht – nicht zum Tragen kam) und die Möglichkeit an APS-C freizustellen (siehe Unschärfe in Vorder- und Hintergrund –> „Romantisierungseffekt“). Die Grenzen des Gehäuses in Sachen LowISO hatte ich mit nativen 100 bereits erreicht.

    Es mit Blende 4 oder 5.6 zu probieren wäre aber ein durchaus intelligenter Ansatz gewesen.

    Es war mir auch ein Anliegen, so viel wie möglich von der Spiegelung der Dame auf den Sensor zu bekommen (weiter unten begann schon das Ufer), somit wäre nur noch oben Raum für einen Beschnitt gewesen. Eine Frage die ich mir schon damals stellte: Trägt die obere verschwommene Spiegung der Sonne zur Verstärkung der Atmosphäre bei oder ist es ein vernachlässigbares Beiwerk?

    Ein Stativ war nicht im Einsatz.

    Aber für die Zukunft werde ich mir auf jeden Fall merken: Auch draußen mal die Blende ein wenig schließen. :D

    Dave

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